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AWMFS3Onkologie

Follikuläres Lymphom: Diagnostik-Leitlinie (AWMF)

KI-generierte Zusammenfassung · Basiert auf AWMF Leitlinie · Erstellt: April 2026 · Keine Diagnose- oder Therapieempfehlung

📋Auf einen Blick

  • Eine Gewebebiopsie (bevorzugt ein kompletter Lymphknoten) ist zur Diagnosesicherung obligatorisch; eine reine Zytologie reicht nicht aus.
  • Staging-Untersuchungen (inkl. CT Hals/Thorax/Abdomen und Labor) sollen innerhalb von 4-6 Wochen abgeschlossen sein.
  • Vor jeder systemischen Therapie muss zwingend eine Serologie auf Hepatitis B, C und HIV erfolgen.
  • Eine Knochenmarkstanzbiopsie wird beim primären Staging in der Regel empfohlen, Ausnahmen gelten u.a. bei Watch-and-Wait ab Stadium III.
  • Der FLIPI-Score dient der Prognoseabschätzung, darf aber nicht zur Therapiesteuerung eingesetzt werden.
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Hintergrund

Das follikuläre Lymphom ist nach dem diffus großzelligen B-Zell-Lymphom das häufigste maligne B-Zell-Non-Hodgkin-Lymphom. Die Erkrankung verläuft oft indolent und Patienten sind in frühen Stadien häufig asymptomatisch. Typisch sind schmerzlose Lymphknotenschwellungen. B-Symptome (Fieber, Nachtschweiß, Gewichtsverlust) treten bei weniger als einem Viertel der Patienten auf.

Histologische Diagnostik

Für die Diagnosestellung gelten klare Vorgaben bezüglich der Materialgewinnung und Begutachtung:

  • Starker Konsens: Zur Diagnosesicherung soll eine histologische und immunhistochemische Untersuchung einer Gewebebiopsie durchgeführt werden.
  • Starker Konsens: Ein zytologisches Aspirat ist für eine Diagnosestellung nicht ausreichend.
  • Starker Konsens: Es soll eine möglichst große Gewebebiopsie gewonnen werden. Ein komplett exzidierter Lymphknoten ist einer Stanzbiopsie vorzuziehen.
  • Starker Konsens: Die Diagnose sollte durch einen hämatopathologisch erfahrenen Pathologen gestellt werden.

Staging und Initialdiagnostik

Nach der histologischen Diagnose sollten die Untersuchungen zum Staging und zur Bestimmung des Therapiebedarfs innerhalb von 4-6 Wochen abgeschlossen sein (Konsens).

Folgende Basisdiagnostik wird empfohlen (Starker Konsens):

  • Anamnese und körperliche Untersuchung
  • Computertomographie (CT) von Hals, Thorax und Abdomen (mit Kontrastmittel)
  • Labor: Blutbild inkl. Differentialblutbild, LDH, Leber- und Nierenwerte, ß2-Mikroglobulin

Zusätzliche obligatorische Untersuchungen vor Therapiebeginn:

  • Starker Konsens: Vor Einleitung einer systemischen Therapie soll eine Serologie auf Hepatitis B, C und HIV erfolgen.
  • Konsens: Vor einer Therapie mit Anthrazyklinen soll eine Echokardiographie durchgeführt werden.

Knochenmarkdiagnostik

Im Rahmen des Stagings sollte standardmäßig eine Knochenmarkstanzbiopsie und -aspiration erfolgen (Starker Konsens). Es gibt jedoch definierte Ausnahmen:

Klinische SituationVoraussetzung für Verzicht auf Biopsie
In Situ follikuläre NeoplasieKein Nachweis eines manifesten follikulären Lymphoms
Primär kutanes FollikelzentrumslymphomNach erfolgter Ausbreitungsdiagnostik
Primär duodenales follikuläres LymphomUnauffälliges Blutbild
"Watch and wait" StrategieStadium nach Ann Arbor mindestens III, keine Therapieindikation

Verdacht auf Transformation

Bei klinischem, laborchemischem oder bildgebendem Verdacht auf eine Transformation in ein aggressives Lymphom (z.B. durch rasches Wachstum, hohe LDH):

  • Konsens: Staging/weiterführende Diagnostik innerhalb von 2-4 Wochen durchführen.
  • Starker Konsens: Die auffällige Manifestation soll zwingend histologisch untersucht werden.
  • Starker Konsens: Eine PET/CT kann zur Festlegung des optimalen Biopsieortes genutzt werden.

Prognose und Geriatrisches Assessment

  • Starker Konsens: Bei Erstdiagnose sollte der FLIPI-Score zur Abschätzung des Krankheitsverlaufs berechnet werden.
  • Konsens: FLIPI, FLIPI-2 und m7-FLIPI sollen nicht zur Therapiesteuerung eingesetzt werden.
  • Konsens: Bei älteren Patienten oder solchen mit erheblicher Komorbidität sollte ein geriatrisches Screening (z.B. G8) erfolgen und bei der Therapieplanung berücksichtigt werden.

💡Praxis-Tipp

Verlassen Sie sich bei Verdacht auf ein follikuläres Lymphom niemals auf eine reine Zytologie (Aspirat). Streben Sie immer die Exzision eines kompletten Lymphknotens an, um die Architektur sicher beurteilen zu können.

Häufig gestellte Fragen

Nein. Ein zytologisches Aspirat ist nicht ausreichend. Es wird die Exzision eines kompletten Lymphknotens empfohlen.
Blutbild mit Differentialblutbild, LDH, Leber- und Nierenwerte sowie ß2-Mikroglobulin. Vor einer Systemtherapie zusätzlich zwingend HIV, Hepatitis B und C.
Unter anderem bei in situ Neoplasien, primär kutanen oder duodenalen Formen sowie bei asymptomatischen Patienten ab Stadium III, bei denen eine 'Watch and Wait'-Strategie verfolgt wird.
Nein. Der FLIPI dient ausschließlich der Prognoseabschätzung und soll laut Leitlinie nicht zur Therapiesteuerung eingesetzt werden.

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