Hodgkin Lymphom: S3-Leitlinie Diagnostik & Therapie (AWMF)
📋Auf einen Blick
- •Die Diagnose erfordert die Exzision eines kompletten Lymphknotens; eine alleinige Feinnadelaspiration ist nicht ausreichend.
- •Eine initiale PET/CT wird zur exakten Stadieneinteilung empfohlen und ersetzt bei negativem Befund die Knochenmarkbiopsie.
- •Die Stadieneinteilung erfolgt nach der Cotswold-modifizierten Ann-Arbor-Klassifikation unter Berücksichtigung spezifischer Risikofaktoren.
- •In frühen Stadien ist die kombinierte Chemo-Strahlentherapie (2 Zyklen ABVD + 20 Gy Involved-Site-Radiotherapie) der Standard.
- •Vor Therapiebeginn müssen fertilitätserhaltende Maßnahmen und eine psychoonkologische Betreuung angeboten werden.
Hintergrund
Das Hodgkin Lymphom präsentiert sich in ca. 70 % der Fälle mit einer schmerzlosen Lymphknotenschwellung (meist zervikal, seltener axillär oder inguinal). Bei etwa 40 % der Patienten treten B-Symptome auf (Fieber > 38°C, Nachtschweiß mit Wechsel der Nachtwäsche, Gewichtsverlust > 10 % in 6 Monaten). Ein seltenes, aber charakteristisches Symptom ist der sogenannte Alkoholschmerz nach Alkoholgenuss.
Diagnostik
Die Diagnostik soll zügig, idealerweise innerhalb von zwei bis maximal vier Wochen, abgeschlossen sein.
- Histologie: Die Diagnose soll an der Biopsie eines ganzen Lymphknotens gestellt werden. Eine alleinige Feinnadelaspiration (Zytologie) soll nicht durchgeführt werden. Eine Beurteilung durch einen Referenzpathologen wird angestrebt.
- Bildgebung: Die initiale Diagnostik umfasst CT (mit Kontrastmittel) von Hals, Thorax und Abdomen sowie Röntgen-Thorax.
- PET/CT: Eine PET/CT soll zur initialen Stadienbestimmung durchgeführt werden (Empfehlungsgrad A). Bei unauffälligem Knochenmark in der PET/CT soll auf eine Knochenmarkbiopsie verzichtet werden (Empfehlungsgrad A).
- Toxizitätsbeurteilung: Vor Therapiebeginn sind EKG, Echokardiogramm, Lungenfunktion, TSH und Gonadenfunktion zu prüfen.
Stadieneinteilung
Die Klassifikation erfolgt nach der Cotswold-modifizierten Ann-Arbor-Klassifikation:
| Stadium | Definition |
|---|---|
| I | Befall einer Lymphknotenregion oder ein einziger lokalisierter Befall außerhalb des lymphatischen Systems |
| II | Befall von ≥ 2 Lymphknotenregionen auf der gleichen Zwerchfellseite |
| III | Befall von ≥ 2 Lymphknotenregionen/Organen auf beiden Seiten des Zwerchfells |
| IV | Diffuser/disseminierter Befall extralymphatischer Organe |
Zusätze: A (keine B-Symptome), B (B-Symptome vorhanden).
Zusätzlich werden folgende Risikofaktoren zur Therapieentscheidung herangezogen:
- Großer Mediastinaltumor (≥ 1/3 des Thorax-Querdurchmessers)
- Extranodalbefall
- Hohe Blutsenkungsgeschwindigkeit (≥ 50 mm/h bei A-Symptomen, ≥ 30 mm/h bei B-Symptomen)
- Befall von ≥ 3 Lymphknotenarealen
Therapie früher Stadien
Für Patienten in frühen Stadien (Stadium I/II ohne Risikofaktoren) ist die kombinierte Chemo-Strahlentherapie der Standard (Empfehlungsgrad A). Eine alleinige Strahlentherapie soll nicht durchgeführt werden (Ausnahme: noduläres lymphozyten-prädominantes Hodgkin Lymphom Stadium IA).
| Therapiephase | Standard-Regime | Dosierung / Umfang | Empfehlungsgrad |
|---|---|---|---|
| Chemotherapie | ABVD (Adriamycin, Bleomycin, Vinblastin, Dacarbazin) | 2 Zyklen | A |
| Strahlentherapie | Involved-Site-Radiotherapie (IS) | 20 Gy | A |
Supportive Maßnahmen
- Fertilitätsprotektion: Bei nicht abgeschlossener Familienplanung soll vor Therapiebeginn auf fertilitätserhaltende Maßnahmen hingewiesen werden.
- Psychoonkologie: Jedem Patienten soll orts- und zeitnah ein psychoonkologisches Gespräch angeboten werden.
💡Praxis-Tipp
Verzichten Sie bei einem unauffälligen PET/CT-Befund im initialen Staging auf die routinemäßige Knochenmarkbiopsie, da die PET/CT eine überlegene Sensitivität aufweist.