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Hodgkin Lymphom: Leitlinie zu Diagnostik & Therapie (AWMF)

KI-generierte Zusammenfassung · Basiert auf AWMF Leitlinie · Erstellt: April 2026 · Keine Diagnose- oder Therapieempfehlung

📋Auf einen Blick

  • Die histologische Sicherung soll an einem kompletten Lymphknoten erfolgen, eine Feinnadelaspiration reicht nicht aus.
  • Eine PET/CT wird für das initiale Staging und die Bestrahlungsplanung stark empfohlen.
  • Bei einem unauffälligen PET/CT-Befund kann auf eine Knochenmarkbiopsie verzichtet werden.
  • In frühen Stadien ist die kombinierte Chemo-Strahlentherapie (2 Zyklen ABVD + 20 Gy Involved-Site-Radiotherapie) der Standard.
  • Vor Therapiebeginn müssen fertilitätserhaltende Maßnahmen und psychoonkologische Betreuung angeboten werden.
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Hintergrund

Das Hodgkin Lymphom präsentiert sich häufig durch schmerzlose Lymphknotenschwellungen und unspezifische Allgemeinsymptome. Die aktuelle AWMF-Leitlinie definiert klare Standards für die Diagnostik, Stadieneinteilung und primäre Therapie bei erwachsenen Patienten.

Typische Symptome

  • Schmerzlose Lymphknotenschwellungen: Meist derb und gummiartig, häufig zervikal (70 %), axillär (30 %) oder inguinal (10 %).
  • B-Symptomatik (ca. 40 % der Fälle):
    • Unerklärliches Fieber > 38 °C
    • Starker Nachtschweiß (Wechsel der Nachtwäsche nötig)
    • Gewichtsverlust > 10 % des Körpergewichts in 6 Monaten
  • Alkoholschmerz: Selten, aber charakteristisch nach Alkoholgenuss.

Jede ungeklärte Lymphknotenschwellung (> 1,5 cm), die länger als vier Wochen persistiert oder progredient ist, soll durch Biopsie abgeklärt werden (Starker Konsens).

Diagnostik

Die Diagnostik soll innerhalb von 4 Wochen (angestrebt 2 Wochen) abgeschlossen sein.

Histologische Sicherung

  • Die Diagnose soll an der Biopsie eines ganzen Lymphknotens oder primär befallenen Organs gestellt werden.
  • Eine alleinige Feinnadelaspiration (Zytologie) soll nicht durchgeführt werden.
  • Die Beurteilung durch einen Referenzpathologen wird stark empfohlen.

Apparative und laborchemische Untersuchungen

UntersuchungBemerkung
LaborBSG, Blutbild, Leber-/Nierenwerte, AP, LDH, HIV/Hepatitis-Serologie, ß-HCG bei Frauen
BildgebungRöntgen-Thorax, CT (Hals, Thorax, Abdomen mit Kontrastmittel), PET/CT
Toxizitäts-BaselineEKG, Echokardiographie, Lungenfunktion, TSH, Gonadenfunktion

Kernaussage zur Knochenmarkbiopsie: Bei unauffälligem Knochenmark in der PET/CT soll auf eine Knochenmarkbiopsie verzichtet werden (Empfehlungsgrad A).

Stadieneinteilung

Die Klassifikation erfolgt nach der Cotswold-modifizierten Ann-Arbor-Klassifikation.

StadiumDefinition
Stadium IBefall einer Lymphknotenregion oder ein lokalisierter extralymphatischer Befall
Stadium IIBefall von ≥ 2 Lymphknotenregionen auf derselben Zwerchfellseite
Stadium IIIBefall von Lymphknotenregionen/Organen auf beiden Seiten des Zwerchfells
Stadium IVDisseminierter Befall eines oder mehrerer extralymphatischer Organe
Zusatz A/BA = Keine B-Symptome, B = B-Symptome vorhanden

Risikofaktoren

Zusätzlich werden Risikofaktoren zur Therapieentscheidung herangezogen:

  • Großer Mediastinaltumor (≥ 1/3 des Thorax-Querdurchmessers)
  • Extranodalbefall
  • Hohe BSG (≥ 50 mm/h ohne B-Symptome, ≥ 30 mm/h mit B-Symptomen)
  • Befall von ≥ 3 Lymphknotenarealen

Stellenwert der PET/CT

Die PET/CT soll im Rahmen des initialen Stagings durchgeführt werden (Empfehlungsgrad A). Sie ist dem alleinigen CT in der Detektion nodaler und extranodaler Befälle überlegen und sollte zur Bestrahlungsplanung verwendet werden (Empfehlungsgrad B).

Therapie früher Stadien

Für Patienten in frühen Stadien (Stadium I/II ohne Risikofaktoren) ist die kombinierte Chemo-Strahlentherapie der Standard (Empfehlungsgrad A). Eine alleinige Strahlentherapie soll nicht durchgeführt werden (Empfehlungsgrad A) (Ausnahme: NLPHL Stadium IA).

Therapieschema

TherapiephaseSchema/DosisEmpfehlungsgrad
Chemotherapie2 Zyklen ABVD (Adriamycin, Bleomycin, Vinblastin, Dacarbazin)A
Strahlentherapie20 Gy als Involved-Site (IS)-StrahlentherapieA

Supportive Maßnahmen

  • Fertilitätserhalt: Vor Therapiebeginn soll bei Kinderwunsch auf fertilitätserhaltende Maßnahmen hingewiesen werden.
  • Psychoonkologie: Jedem Patienten soll orts- und zeitnah ein psychoonkologisches Gespräch angeboten werden.

💡Praxis-Tipp

Verzichten Sie bei einem unauffälligen PET/CT-Befund auf die routinemäßige Knochenmarkbiopsie. Klären Sie zudem junge Patienten unbedingt vor dem ersten Therapiezyklus über fertilitätserhaltende Maßnahmen auf.

Häufig gestellte Fragen

Lymphknoten mit einer Größe von > 1,5 cm im Achsenquerschnitt, die derb und gummiartig sind, gelten als suspekt und sollten nach 4 Wochen biopsiert werden.
Nein. Die Diagnose soll immer an der Biopsie eines kompletten Lymphknotens gestellt werden, da die Feinnadelaspiration nicht ausreichend ist.
Wenn die initiale PET/CT-Untersuchung keinen Hinweis auf einen Knochenmarkbefall zeigt, soll auf eine Biopsie verzichtet werden.
Die Standardtherapie besteht aus einer kombinierten Chemo-Strahlentherapie mit 2 Zyklen ABVD gefolgt von 20 Gy Involved-Site-Bestrahlung.
Neben dem Staging (PET/CT) müssen Toxizitäts-Baselines erhoben werden: EKG, Echokardiographie, Lungenfunktion, TSH und Gonadenfunktion.

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