RSV-Surveillance: Falldefinitionen und PCR-Diagnostik
Hintergrund
Das Respiratorische Synzytial-Virus (RSV) ist ein bedeutender Erreger von Atemwegsinfektionen, der weltweit zu einer hohen Krankheitslast und Mortalität bei Kleinkindern führt. Die WHO-Strategie nutzt das etablierte globale Influenza-Surveillance-Netzwerk (GISRS), um eine kosteneffiziente RSV-Überwachung aufzubauen.
In der zweiten Phase des Projekts liegt der Fokus auf Kindern unter zwei Jahren und schweren Krankheitsverläufen, die eine Hospitalisierung erfordern. Ziel ist es, die Saisonalität zu erfassen, Risikogruppen zu identifizieren und Daten für zukünftige Impfstrategien zu generieren.
Empfehlungen
Die Leitlinie formuliert folgende Kernempfehlungen für die RSV-Surveillance:
Falldefinitionen
Für die RSV-Surveillance wird eine erweiterte Definition der schweren akuten respiratorischen Infektion (SARI) empfohlen, da RSV-Infektionen bei Kleinkindern oft ohne Fieber verlaufen.
| Patientengruppe | Falldefinition (Erweitertes SARI/ILI) | Kriterien |
|---|---|---|
| Stationäre Patienten (Inpatient) | Erweitertes SARI | Hospitalisierung >24h, akuter Beginn (<10 Tage), Atemwegsinfektion (Husten/Atemnot). Kein Fieber zwingend erforderlich. |
| Säuglinge <6 Monate (Stationär) | Erweitertes SARI (Zusatz) | Zusätzlich Apnoe oder Sepsis-Zeichen (Fieber/Hypothermie, Schock, schwere Krankheit ohne erkennbare Ursache). |
| Ambulante Patienten (Outpatient) | Erweitertes ILI | Akuter Beginn (<10 Tage) und Husten. Kein Fieber zwingend erforderlich. |
Probenentnahme und Sampling-Strategie
Laut Leitlinie wird eine systematische Stichprobenziehung empfohlen, um Selektionsverzerrungen zu vermeiden. Es wird von reinen Bequemlichkeitsstichproben (Convenience Sampling) abgeraten.
Die Leitlinie empfiehlt folgende Zielgrößen für die Surveillance:
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Jährlich 400 Proben pro Land.
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Gleichmäßige Verteilung auf vier Altersgruppen: 0 bis <3 Monate, 3 bis <6 Monate, 6 bis <12 Monate und 12 bis <24 Monate (jeweils 100 Proben).
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Bei bekannter Saisonalität: 12 Proben pro Woche während der Saison.
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Bei unbekannter Saisonalität: 8 Proben pro Woche ganzjährig.
Labordiagnostik
Für die Diagnostik wird die rRT-PCR (real-time reverse transcription polymerase chain reaction) als Goldstandard empfohlen.
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Als Probenmaterial werden Nasenabstriche aus der mittleren Nasenmuschel (Mid-Turbinate) mittels beflockter Nylon-Tupfer empfohlen.
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Abstriche mit Baumwoll-, Calciumalginat- oder Holzstäbchen werden nicht empfohlen, da sie PCR-Inhibitoren enthalten können.
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Die Proben sollten idealerweise innerhalb von drei Tagen nach Symptombeginn entnommen werden.
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Nach einem positiven RSV-Nachweis wird eine Typisierung in RSV-A und RSV-B empfohlen.
Datenmanagement und Meldung
Es wird empfohlen, klinische und epidemiologische Falldaten zusammen mit den Laborergebnissen wöchentlich an die WHO-Plattform FluMart zu übermitteln.
💡Praxis-Tipp
Ein zentraler Hinweis der Leitlinie ist, dass ein erheblicher Teil der Kleinkinder mit RSV-Infektion ohne Fieber vorstellig wird. Daher wird für die Surveillance ausdrücklich eine erweiterte SARI-Falldefinition empfohlen, die im Gegensatz zur klassischen Influenza-Überwachung kein Fieber als Einschlusskriterium voraussetzt. Bei Säuglingen unter 6 Monaten wird zudem empfohlen, auch isolierte Apnoen oder Sepsis-Zeichen als mögliche RSV-Präsentation zu werten.
Häufig gestellte Fragen
Laut Leitlinie liegt der primäre Fokus auf Kindern unter zwei Jahren. Diese Gruppe ist besonders von schweren, hospitalisierungspflichtigen RSV-Verläufen betroffen.
Die Leitlinie empfiehlt Nasenabstriche aus der mittleren Nasenmuschel mittels beflockter Nylon-Tupfer. Alternativ können bei Kleinkindern auch Nasopharyngealaspirate verwendet werden.
Es wird von der Verwendung von Baumwoll-, Calciumalginat- oder Holztupfern abgeraten. Diese Materialien können Substanzen enthalten, die das Virus inaktivieren oder die PCR hemmen.
Die Leitlinie empfiehlt eine Zielgröße von 400 Proben pro Jahr und Land. Diese sollten gleichmäßig auf vier Altersgruppen im ersten und zweiten Lebensjahr verteilt werden.
Nein, die Leitlinie betont, dass die erweiterte Falldefinition für RSV kein Fieber voraussetzt. Viele junge Kinder mit RSV-Infektion präsentieren sich afebril.
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Quelle: WHO STRATEGY FOR GLOBAL RESPIRATORY SYNCYTIAL VIRUS SURVEILLANCE PROJECT BASED ON THE INFLUENZA PLATFORM (WHO, 2019). Originaldokument ansehen
KI-generierte Zusammenfassung. Keine Diagnose- oder Therapieempfehlung. Die klinische Entscheidung trifft der behandelnde Arzt.
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