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WHO2025

Frambösie-Eradikation: Leitlinie zu Serosurveys (WHO)

KI-generierte Zusammenfassung · Basiert auf WHO Leitlinie · Erstellt: April 2026 · Keine Diagnose- oder Therapieempfehlung

📋Auf einen Blick

  • Zielpopulation für Serosurveys zum Beleg der Transmissionsunterbrechung sind Kinder im Alter von 1 bis 5 Jahren.
  • Die Seroprävalenz muss in drei aufeinanderfolgenden Surveys unter 1 % liegen.
  • Der erste Survey darf frühestens 2 Jahre nach dem letzten autochthonen Fall starten.
  • Ein positiver Treponema-Test muss durch einen Nicht-Treponema-Test (z. B. RPR) bestätigt werden.
  • Ein RPR-Titer von ≥ 1:8 spricht für eine aktive oder latente aktuelle Infektion.
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Hintergrund

Frambösie (Yaws) ist eine vernachlässigte Tropenkrankheit (NTD), die durch das Bakterium Treponema pallidum sub-species pertenue verursacht wird. Die Übertragung erfolgt primär durch direkten Haut-zu-Haut-Kontakt, meist bei Kindern. Die WHO strebt eine weltweite Eradikation bis 2030 an. Da serologische Tests nicht zwischen Frambösie und Syphilis unterscheiden können, muss die Diagnose oft anhand klinischer und epidemiologischer Kriterien gestellt werden.

Kriterien für die Unterbrechung der Transmission

Um die lokale Unterbrechung der Frambösie-Transmission zu belegen, müssen spezifische serologische Kriterien erfüllt sein:

  • Zielpopulation: Kinder im Alter von 1 bis 5 Jahren.
  • Schwellenwert: Die Seroprävalenz (Treponema-Test-Positivität) muss < 1 % betragen.
  • Zeitpunkt: Der erste Serosurvey (S1) darf frühestens 2 Jahre nach dem letzten berichteten autochthonen Fall (provisorisches Datum der Transmissionsunterbrechung) gestartet werden.
  • Frequenz: Es müssen mindestens drei Serosurveys im Abstand von jeweils mindestens einem Jahr durchgeführt werden. Der gesamte Überwachungszeitraum sollte 10 Jahre nicht überschreiten.

Diagnostik und Test-Algorithmus

Die Leitlinie empfiehlt eine sequenzielle Teststrategie, um Kosten zu sparen und falsch-positive Ergebnisse richtig einzuordnen. Zunächst erfolgt ein Treponema-Test, bei positivem Ausfall ein Nicht-Treponema-Test.

TestklasseBeispieleEigenschaften
Treponema-TestsTPPA, TPHA, EIA, RDTsBleiben nach Infektion meist lebenslang positiv. Hohe Sensitivität.
Nicht-Treponema-TestsRPR, VDRL, DPP NTKönnen unspezifisch positiv sein. Titer sinken nach erfolgreicher Therapie. Dienen der Bestätigung einer aktiven/latenten Infektion.

Hinweis: Bei Verdacht auf aktive Frambösie (Ulzera) in der Post-Zero-Case-Phase sollte nach Möglichkeit immer eine PCR-Bestätigung aus dem Läsionsabstrich erfolgen.

Interpretation der Testergebnisse

Bei asymptomatischen Kindern (1–5 Jahre), die in beiden Tests (Treponema und Nicht-Treponema) positiv getestet werden, richtet sich das weitere Vorgehen nach der Höhe des Titers und dem Geburtsdatum:

Titer-HöheDefinitionInterpretation & Maßnahme
High-TitreRPR ≥ 1:8 (oder DPP NT Äquivalent)Wahre aktuelle Infektion (aktiv oder latent). Klinische Versorgung, Ausschluss konnataler Syphilis, intensiviertes Umgebungs-Screening.
Low-TitreRPR ≤ 1:4 (oder DPP NT Äquivalent)Bei Geburt nach Transmissionsunterbrechung: Verdacht auf Neuinfektion. Bei Geburt vor Transmissionsunterbrechung: Möglicher Serofast-Status (ausgeheilte Infektion).

Studiendesign und Evaluation Units (EUs)

Für die Durchführung der Serosurveys muss das Untersuchungsgebiet in sogenannte Evaluation Units (EUs) unterteilt werden.

  • Populationsgröße: Eine EU sollte maximal 500.000 Einwohner umfassen.
  • Integration: Um Ressourcen zu schonen, wird dringend empfohlen, Frambösie-Surveys in bestehende Programme zu integrieren (z. B. Trachom- oder Lymphatische-Filariose-Surveys).
  • Geodaten: Die Erfassung von GPS-Koordinaten auf Haushaltsebene ist essenziell, um räumliche Cluster (Model-based Geostatistics) für Folge-Surveys zu identifizieren.

💡Praxis-Tipp

Führen Sie bei einem positiven Treponema-Schnelltest immer einen Nicht-Treponema-Test (z. B. RPR oder DPP) durch, um eine aktuelle Infektion von einer ausgeheilten zu unterscheiden. Bei Verdacht auf aktive Frambösie sollte zudem eine PCR-Diagnostik aus dem Läsionsabstrich erfolgen.

Häufig gestellte Fragen

Frühestens 2 Jahre nach dem letzten berichteten autochthonen Fall.
Kinder im Alter von 1 bis 5 Jahren.
Ein Titer von ≥ 1:8 (High-Titre) spricht für eine wahre aktuelle Infektion.
Nein, die gängigen Tests können nicht zwischen T. pallidum pertenue und T. pallidum pallidum unterscheiden.

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