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WHO2020

Dengue-Impfprogramme & Serosurveys: WHO-Leitlinie

KI-generierte Zusammenfassung · Basiert auf WHO Leitlinie · Erstellt: April 2026 · Keine Diagnose- oder Therapieempfehlung

📋Auf einen Blick

  • Die Dengue-Impfung (CYD-TDV) wird nur für Populationen mit einer Seroprävalenz von ≥ 70 % (mindestens ≥ 50 %) empfohlen.
  • Serosurveys sollten primär Schulkinder im Alter von 9 bis 12 Jahren einschließen.
  • Das empfohlene Studiendesign ist eine geschichtete, mehrstufige Cluster-Stichprobe (Schul-basiert).
  • Zur Antikörperbestimmung wird ein indirekter IgG-ELISA genutzt, dessen Cut-off lokal mittels Neutralisationstest (PRNT) validiert werden muss.
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Hintergrund

Die erste zugelassene Dengue-Vakzine (CYD-TDV, Dengvaxia) zeigt die höchste Wirksamkeit bei Personen mit vorbestehender Dengue-Immunität. Bei seronegativen Geimpften besteht hingegen ein potenzielles Langzeitrisiko für schwere Dengue-Verläufe. Da rein klinische Überwachungsdaten oft unzuverlässig sind (nur ca. 25 % der Infektionen verlaufen symptomatisch), empfiehlt die WHO die Durchführung von bevölkerungsbasierten Serosurveys zur Bestimmung der Dengue-Seroprävalenz, bevor ein Impfprogramm eingeführt wird.

Seroprävalenz (Zielgruppe)WHO-EmpfehlungBemerkung
≥ 70 %EmpfohlenHöchster Public-Health-Nutzen und Kosteneffizienz
50 - 70 %AkzeptabelGeringerer Impact des Impfprogramms
< 50 %Nicht empfohlenRisiko für schwere Dengue-Verläufe bei Seronegativen

Zielpopulation und Altersgruppen

Die Impfung ist für Personen im Alter von 9 bis 45 Jahren zugelassen. Da Impfprogramme in hochendemischen Gebieten meist auf Schulkinder abzielen, ist ein schulbasiertes Sampling die effizienteste Methode (sofern >95 % der Kinder eine Schule besuchen).

AltersgruppeRelevanz für SerosurveyBemerkung
9 - 12 JahreKritisch (Fokus)Hauptzielgruppe für Schulimpfprogramme
5 - 8 JahreEmpfohlenWichtig bei epidemischer (nicht-endemischer) Transmission
> 12 JahreOptionalLiefert zusätzliche Daten zur Krankheitslast

Studiendesign und Sampling

Das empfohlene Design ist eine geschichtete, mehrstufige Cluster-Stichprobe (stratified multistage cluster sample). Die Verwaltungseinheiten eines Landes sollten vorab anhand von Überwachungsdaten in Straten (höchste, mittlere, niedrigste Dengue-Last) eingeteilt werden.

Das Sampling erfolgt in drei Stufen:

StufeEinheitMethode
1VerwaltungseinheitenZufallsauswahl (Probability Proportional to Size - PPS) aus den definierten Straten
2SchulenAuswahl von mind. 2 Schulen pro Verwaltungseinheit (inkl. Privatschulen)
3SchülerFeste Anzahl pro Altersgruppe oder Auswahl kompletter Klassenverbände
  • Ausschlusskriterien für Schüler: Fehlende Zustimmung, Erhalt von Blutprodukten in den letzten 3 Monaten, medizinische Kontraindikationen für Blutentnahmen, vorherige Dengue-Impfung.

Diagnostik und Laboralgorithmus

Die Bestimmung der Seroprävalenz erfolgt primär über den Nachweis von anti-DENV IgG-Antikörpern.

TestverfahrenFunktionSpezifität / Sensitivität
Indirekter IgG-ELISAPrimäres ScreeningHohe Sensitivität, geringere Spezifität (Kreuzreaktivität)
PRNT (Neutralisationstest)Validierung / BestätigungHohe Spezifität (Goldstandard), ressourcenintensiv

Wichtig: Kommerzielle IgG-ELISAs weisen oft eine geringe Spezifität auf, da sie mit anderen Flaviviren (Zika, Gelbfieber, Japanische Enzephalitis, West-Nil-Virus) oder entsprechenden Impfungen kreuzreagieren.

Es wird dringend empfohlen, eine Untergruppe der Proben (ca. 100-200) mit einem Plaque-Reduktions-Neutralisationstest (PRNT) nachzutesten. Anhand dieser Ergebnisse muss der Cut-off-Wert des ELISAs lokal angepasst werden (mittels ROC-Kurven-Analyse), um die Sensitivität und Spezifität für die jeweilige Population zu optimieren. Schnelltests (Rapid Tests) oder Speicheltests werden für Serosurveys derzeit nicht empfohlen.

Datenanalyse

Da es sich um ein komplexes Studiendesign handelt, dürfen für die Auswertung keine einfachen Durchschnittswerte gebildet werden. Die statistische Analyse muss Survey-Gewichte (survey weights) und den Design-Effekt (DEFF) berücksichtigen, da die Ergebnisse von Schülern derselben Schule korrelieren (Intraclass Correlation Coefficient, ICC).

💡Praxis-Tipp

Verlassen Sie sich in Gebieten mit anderen zirkulierenden Flaviviren (z.B. Zika) oder Gelbfieber-/JE-Impfprogrammen niemals auf den Standard-Cut-off des IgG-ELISAs. Validieren Sie den Cut-off immer lokal an einer Stichprobe mittels PRNT, um eine Überschätzung der Dengue-Seroprävalenz zu vermeiden.

Häufig gestellte Fragen

Die WHO empfiehlt die Impfung idealerweise ab einer Seroprävalenz von ≥ 70 % in der Zielaltersgruppe. Eine Impfung bei 50-70 % ist akzeptabel, unter 50 % wird sie wegen möglicher Sicherheitsrisiken nicht empfohlen.
Der Fokus sollte auf Kindern im Alter von 9 bis 12 Jahren liegen, da dies die wahrscheinlichste Zielgruppe für Schulimpfprogramme ist und die Impfung erst ab 9 Jahren zugelassen ist.
Primär wird ein indirekter IgG-ELISA aus Serum empfohlen. Aufgrund möglicher Kreuzreaktivitäten muss dessen Cut-off jedoch an einer Stichprobe mittels Plaque-Reduktions-Neutralisationstest (PRNT) validiert werden.
Klinisch apparente Fälle machen nur etwa 25 % aller Dengue-Infektionen aus. Zudem variiert das Meldeverhalten stark, weshalb Serosurveys die verlässlichste Methode zur Bestimmung der tatsächlichen Herdenimmunität sind.
Nein. Die WHO rät derzeit von der Nutzung von Schnelltests zur Bestimmung der Seroprävalenz ab, da deren Sensitivität und Spezifität für vergangene Infektionen (IgG) stark variieren.

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