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WHO2023

VPD-Surveillance in Südostasien: Leitlinie (WHO)

KI-generierte Zusammenfassung · Basiert auf WHO Leitlinie · Erstellt: April 2026 · Keine Diagnose- oder Therapieempfehlung

📋Auf einen Blick

  • Die Surveillance impfpräventabler Krankheiten (VPD) ist essenziell für die Überwachung von Ausbrüchen und die Bewertung von Impfprogrammen.
  • Surveillance-Systeme können passiv, aktiv oder gemeindebasiert (Community-based) gestaltet sein.
  • Die WHO teilt Länder basierend auf ihren Ressourcen und der Krankheitslast in vier Tiers (Stufen) ein, um Überwachungsprioritäten festzulegen.
  • In der WHO-Region Südostasien gelten Poliomyelitis, Masern und Röteln als landesweite Prioritäten für eine laborgestützte, fallbasierte Überwachung.
  • Eine Integration der VPD-Surveillance in bestehende Systeme wird zur Ressourcenschonung ausdrücklich empfohlen.
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Hintergrund

Die Surveillance von impfpräventablen Krankheiten (Vaccine-Preventable Diseases, VPD) ist ein zentrales Instrument der öffentlichen Gesundheit. Sie dient der kontinuierlichen Datenerfassung zur Planung, Umsetzung und Bewertung von Impfprogrammen. Zu den Hauptzielen gehören die Überwachung von Eradikationsbemühungen, die Erkennung von Ausbrüchen sowie die Sammlung von Evidenz für die Einführung neuer Impfstoffe.

Arten der Surveillance

Die Gestaltung eines VPD-Surveillance-Systems hängt von den Zielen und verfügbaren Ressourcen ab. Die WHO unterscheidet folgende Hauptansätze:

Surveillance-TypBeschreibungEinsatzgebiet
Passive SurveillanceRoutinemäßige Meldung durch Gesundheitseinrichtungen (auch "Nullmeldungen").Öffentliche und private Kliniken, gemeindebasierte Informanten.
Aktive SurveillanceGezielte Suche nach ungemeldeten Fällen durch Surveillance-Beauftragte.Regelmäßige Besuche in priorisierten Gesundheitseinrichtungen.
Gemeindebasierte SurveillanceSystematische Fallerkennung durch geschulte Gemeindemitglieder.Gebiete mit schwachem Gesundheitssystem oder Sicherheitsproblemen.

Zusätzlich können retrospektive Aktenprüfungen (anhand von ICD-Codes) oder eine aktive Fallsuche in Hochrisikopopulationen durchgeführt werden, um die Sensitivität des Systems zu prüfen.

Priorisierung nach Ressourcen (WHO-Tiers)

Die WHO empfiehlt den Umfang der VPD-Surveillance basierend auf den Kapazitäten und der Krankheitslast eines Landes. Die Einteilung erfolgt in vier Stufen (Tiers):

Stufe (Tier)LändercharakteristikaEmpfohlene Strategie
Tier 1Begrenzte Kapazität, hohe Krankheitslast, fragile SystemeMindeststandards für ≥5 VPDs (Polio, Masern, Röteln, konnatales Rötelnsyndrom, Neugeborenentetanus)
Tier 2Moderate Kapazität, hohe KrankheitslastMindeststandards für ≥7 VPDs (Tier 1 + Diphtherie, Pertussis)
Tier 3Adäquate Kapazität, moderate KrankheitslastMindeststandards für ≥10 VPDs (inkl. invasive bakterielle Erkrankungen, Rotavirus, Japanische Enzephalitis)
Tier 4Hohe Kapazität, geringe KrankheitslastNationales System für ≥15 VPDs mit Anbindung an andere Überwachungssysteme

Mindestanforderungen in der Region Südostasien

Für die WHO-Region Südostasien wurden spezifische Mindestanforderungen für die Überwachung festgelegt. Die Integration in bestehende syndromische Surveillance-Plattformen wird empfohlen, um Ressourcen zu schonen.

ÜberwachungsartKrankheiten (Alle Länder)Krankheiten (Ausgewählte Länder)
Landesweit, laborgestützt, fallbasiertPoliomyelitis, Masern, Röteln-
Landesweit, aggregiertDiphtherie, Pertussis, Neugeborenentetanus-
Sentinel, fallbasiert (mit Laborbestätigung)Konnatales RötelnsyndromJapanische Enzephalitis, Non-Neonataler Tetanus, Hepatitis B, invasive bakterielle Erkrankungen, Rotavirus

Ein funktionierendes Labornetzwerk ist für die fallbasierte Überwachung unerlässlich, um Verdachtsfälle zu bestätigen und die Qualität der Daten für globale Impfentscheidungen zu sichern.

💡Praxis-Tipp

Nutzen Sie syndromische Surveillance-Plattformen, um mehrere impfpräventable Krankheiten (VPDs) gleichzeitig zu überwachen. Dies schont Ressourcen und erhöht die Effizienz im Vergleich zu krankheitsspezifischen Einzelsystemen.

Häufig gestellte Fragen

Zu den absoluten Mindestanforderungen (Tier 1) gehören Poliomyelitis, Masern, Röteln, das konnatale Rötelnsyndrom und Neugeborenentetanus.
Bei der passiven Surveillance melden Einrichtungen routinemäßig Daten (auch wenn keine Fälle vorliegen). Bei der aktiven Surveillance suchen Beauftragte gezielt vor Ort in den Einrichtungen nach ungemeldeten Fällen.
Wenn das Ziel die vollständige Elimination oder Eradikation einer Krankheit (wie z.B. bei Polio) ist, muss zwingend eine landesweite Überwachung erfolgen, die jeden einzelnen Fall erfasst.
Durch retrospektive Aktenprüfungen anhand von ICD-Codes oder durch aktive Fallsuche in Gebieten, die über längere Zeit keine Fälle gemeldet haben ('stumme' Distrikte).

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