Rotatorenmanschettenruptur: Diagnostik und Therapie
Hintergrund
Die Rotatorenmanschettenläsion umfasst partielle oder komplette Kontinuitätsunterbrechungen der Sehnen. Hierzu zählen der Musculus supraspinatus, subscapularis, infraspinatus und teres minor. Die Prävalenz von Rupturen steigt mit zunehmendem Lebensalter deutlich an.
Die Ätiologie ist multifaktoriell und nicht allein auf mechanische Ursachen wie ein Impingement zurückzuführen. Auch intrinsische Sehnendegeneration, repetitive Mikrotraumen und akute Traumata spielen bei der Entstehung eine wesentliche Rolle.
Asymptomatische Rupturen sind in der älteren Bevölkerung häufig und bedürfen in der Regel keiner Operation. Ein klinischer Funktionsverlust und auftretende Schmerzen markieren meist den Übergang zur symptomatischen Läsion.
Empfehlungen
Die S2k-Leitlinie der DGOOC formuliert folgende Kernempfehlungen zur Versorgung von Rotatorenmanschettenrupturen:
Diagnostik
Als Basisdiagnostik kann eine Röntgenaufnahme in drei Ebenen (true ap, axial, Outlet) erwogen werden. Die Sonographie wird bei entsprechender Expertise zur Erstdiagnostik empfohlen.
Bei fehlender Kontraindikation soll eine native MRT-Untersuchung bei akuten Verletzungen, chronischen Beschwerden über 3 bis 6 Monate und vor geplanten Operationen erfolgen (starke Empfehlung). Die sagittale Ebene muss dabei so weit nach medial abgebildet werden, dass die Muskelatrophie beurteilt werden kann.
Klassifikationen
Die Leitlinie empfiehlt die Nutzung etablierter Klassifikationen zur morphologischen und radiologischen Einteilung:
| Struktur/Bildgebung | Empfohlene Klassifikation |
|---|---|
| Subscapularissehne | Lafosse et al. |
| Supraspinatussehne (komplett) | Bateman et al. |
| Supraspinatussehne (partiell) | Snyder et al. / Ellman et al. |
| Pulley-Läsionen | Habermeyer et al. |
| MRT Supraspinatussehne | Patte et al. |
| MRT fettige Infiltration | Fuchs et al. |
| CT Supraspinatussehne | Goutallier et al. |
Konservative Therapie
Physiotherapie stellt die Basis der konservativen Behandlung dar. Begleitend können nichtsteroidale Antiphlogistika (NSAID) systemisch oder lokal eingesetzt werden.
Lokale Kortisoninjektionen können kurzfristig Schmerzen lindern. Die Leitlinie warnt jedoch davor, dass diese langfristig die Sehnenstruktur schädigen können.
Operationsindikationen
Eine operative Therapie bei asymptomatischen Läsionen soll nicht durchgeführt werden (starke Empfehlung). Akute Rupturen ohne fortgeschrittene Atrophie sollen zeitnah versorgt werden (starke Empfehlung).
Die minimal-invasive arthroskopische Technik zeigt gleich gute klinische Ergebnisse wie offene Verfahren. Sie bietet jedoch Vorteile bei postoperativen Schmerzen und Komplikationsraten.
Operative Durchführung
Für den operativen Eingriff werden folgende Prinzipien empfohlen:
-
Als Standardverfahren für arthroskopische Techniken soll die Fadenankertechnik angewendet werden (starke Empfehlung)
-
Eine Sehnen-zu-Knochenheilung sowie eine möglichst spannungsfreie Rekonstruktion sollen angestrebt werden (starke Empfehlung)
-
Bei einem subakromialen Sporn sollte eine zusätzliche subakromiale Dekompression erfolgen
-
Eine Resektion des Schultereckgelenks soll bei asymptomatischer ACG-Arthrose nicht durchgeführt werden (starke Empfehlung)
Nachbehandlung
Die Dauer der Immobilisation in einer Orthese soll individuell nach Stabilität der Rekonstruktion festgelegt werden und zwischen 3 und 6 Wochen liegen (starke Empfehlung). Eine zu aggressive passive oder aktive Frühmobilisation kann zu einer erhöhten Re-Rupturrate führen.
Im Rahmen der Physiotherapie sollen manuelle Therapie und Trainingstherapie durchgeführt werden (starke Empfehlung). In der frühen postoperativen Phase kann eine Kryotherapie zur Schmerzreduktion eingesetzt werden.
💡Praxis-Tipp
Die Leitlinie warnt davor, asymptomatische Rotatorenmanschettenrupturen operativ zu versorgen, da die Prävalenz im Alter hoch ist und die Hauptindikation der Schmerz bleibt. Zudem wird darauf hingewiesen, dass wiederholte lokale Kortisoninjektionen zwar kurzfristig wirken, langfristig jedoch die Sehnenstruktur schädigen. Dies kann das Gewebe schwächen und für höhere Rerupturraten nach einer späteren Rekonstruktion verantwortlich sein.
Häufig gestellte Fragen
Laut Leitlinie sollen akute Rupturen, insbesondere der Subscapularissehne, zeitnah versorgt werden, um einer Sehnenretraktion und Muskelatrophie zuvorzukommen. Asymptomatische Rupturen sollen hingegen nicht operiert werden.
Als Basisdiagnostik wird ein Röntgen in drei Ebenen erwogen. Zur weiterführenden Diagnostik bei akuten Verletzungen oder chronischen Beschwerden über 3 bis 6 Monate wird eine native MRT-Untersuchung empfohlen.
Die Leitlinie stellt fest, dass beide Verfahren gleich gute klinische Langzeitergebnisse liefern. Das arthroskopische Vorgehen weist jedoch ein geringeres direktes postoperatives Schmerzniveau und eine signifikant niedrigere Komplikationsrate auf.
Es wird eine Immobilisation in einer Orthese für 3 bis 6 Wochen empfohlen. Die genaue Dauer richtet sich nach der intraoperativ eingeschätzten Stabilität der Rekonstruktion durch den Operateur.
Eine lokale Kortisonapplikation kann laut Leitlinie zu einer kurzfristigen Schmerzreduktion führen. Es wird jedoch ausdrücklich davor gewarnt, dass dies langfristig die Sehnenstruktur schädigen kann.
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Quelle: DGOOC: Rotatorenmanschettenruptur (DGOOC, 2025). Originaldokument ansehen
KI-generierte Zusammenfassung. Keine Diagnose- oder Therapieempfehlung. Die klinische Entscheidung trifft der behandelnde Arzt.
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