Schultersteife (Frozen Shoulder): Leitlinie (AWMF)
📋Auf einen Blick
- •Die Schultersteife ist eine klinische Diagnose, gekennzeichnet durch eingeschränkte aktive und passive Beweglichkeit.
- •Ein Röntgenbild in mindestens zwei Ebenen ist zum Ausschluss knöcherner Ursachen obligatorisch.
- •Intraartikuläre Kortisoninjektionen (auch niedrig dosiert) zeigen kurzfristig die besten klinischen Ergebnisse.
- •Die Kombination aus Kortisoninjektion und Physiotherapie ist der alleinigen Anwendung überlegen.
- •Eine alleinige Narkosemobilisation wird aufgrund hoher Verletzungsrisiken nicht empfohlen.
Hintergrund
Die Schultersteife (Frozen Shoulder) ist durch eine eingeschränkte aktive und passive Beweglichkeit des Schultergelenks gekennzeichnet. Man unterscheidet die primäre (idiopathische) Schultersteife von sekundären Formen (z.B. bei Diabetes mellitus, posttraumatisch oder postoperativ). Frauen sind häufiger betroffen als Männer, das Durchschnittsalter liegt bei ca. 50 Jahren.
Der klassische Verlauf der primären Schultersteife wird in drei Phasen unterteilt:
| Phase | Bezeichnung | Dauer | Symptomatik |
|---|---|---|---|
| 1 | Freezing-Phase | 2-10 Monate | Zunehmende Schmerzen (erst bei Bewegung, dann in Ruhe), beginnende Bewegungseinschränkung |
| 2 | Frozen-Phase | 3-12 Monate | Steifigkeit im Vordergrund, Schmerzen abnehmend |
| 3 | Thawing-Phase | 5-24 Monate | Verbesserung der Beweglichkeit, weiter rückläufige Schmerzen |
Begleiterkrankungen: Diabetes mellitus ist die häufigste Begleiterkrankung und geht oft mit einer schlechteren Prognose einher. Auch Schilddrüsenfunktionsstörungen und Morbus Dupuytren treten gehäuft auf.
Diagnostik
Die Schultersteife ist eine klinische Diagnose. Typisch ist die schmerzhafte Bewegungseinschränkung mit festem Anschlag. Die Einschränkung folgt oft dem Kapselmuster nach Cyriax: Außenrotation > Abduktion > Innenrotation.
Bildgebung
| Modalität | Empfehlung | Bemerkung |
|---|---|---|
| Röntgen | Obligatorisch (Empfehlungsgrad A) | True-a.p.-Aufnahme + 2. Ebene (axial oder Y-Aufnahme) zum Ausschluss knöcherner Ursachen. |
| MRT | Fakultativ (Empfehlungsgrad B) | Bei unsicherem Befund oder zum Ausschluss anderer Pathologien. Ggf. mit Kontrastmittel. |
| Sonographie | Fakultativ | Als erstes orientierendes Verfahren zum Ausschluss von Bursitis oder Rotatorenmanschettendefekten. |
| CT | Nicht empfohlen | Aufgrund der Strahlenbelastung primär nicht indiziert. |
Konservative Therapie
Die konservative Therapie richtet sich nach der Symptomatik. NSAR haben keinen nachgewiesenen Effekt auf den Verlauf der Erkrankung.
| Maßnahme | Empfehlung | Evidenz / Bemerkung |
|---|---|---|
| Intraartikuläre Kortisoninjektion | Empfehlungsgrad A | Kurzfristig (< 3 Monate) bessere Ergebnisse als alleinige Physiotherapie. Niedrigdosiert (z.B. 20 mg Triamcinolon) ist ausreichend. |
| Physiotherapie / Übungen | Empfehlungsgrad B | Zur Verbesserung von Beweglichkeit und Schmerz (besonders Phase 1-2). |
| Manuelle Therapie | Empfehlungsgrad B | Effektivität vergleichbar mit Kortisoninjektionen. |
| Kombination (Kortison + PT) | Empfehlungsgrad B | Der alleinigen Anwendung überlegen, sollte bevorzugt werden. |
| Orale Kortisontherapie | Kann erwogen werden | Kurzfristige Schmerzreduktion, aber Rückfallrisiko nach Absetzen. |
| Stoßwellentherapie | Empfehlungsgrad B | Größere Verbesserung als PT allein. |
Operative Therapie
Eine operative Therapie ist indiziert, wenn konservative Verfahren keine zufriedenstellende Besserung erbringen (Empfehlungsgrad B).
- Verfahren der Wahl: Arthroskopische Arthrolyse (Kapsulotomie, Release).
- Narkosemobilisation: Eine geschlossene Narkosemobilisation als alleinige Maßnahme wird aufgrund von Risiken (Frakturen, Rotatorenmanschettenrupturen, Labrumläsionen) nicht empfohlen (Empfehlungsgrad B).
- Ergebnisse: Signifikante und langfristige Verbesserungen der Schulterfunktion und Schmerzreduktion. Bei Diabetikern sind die Ergebnisse teils etwas schlechter als bei idiopathischer Genese.
💡Praxis-Tipp
Verzichten Sie auf ein primäres MRT, wenn die Klinik eindeutig ist. Ein Röntgen in zwei Ebenen zum Ausschluss knöcherner Pathologien ist jedoch immer obligatorisch.