DGOOCS12022Orthopädie

Oberarmschaftfraktur: DGOOC-Leitlinie

Diese Leitlinie stammt aus 2022 und ist möglicherweise nicht mehr aktuell. Aktualität beim Herausgeber prüfen
KI-generierte Zusammenfassung|Quelle: DGOOC (2022)|Keine Diagnose- oder Therapieempfehlung

Hintergrund

Die DGOOC-Leitlinie (S1) behandelt das Management von Oberarmschaftfrakturen bei Erwachsenen. Diese Verletzungen machen etwa drei Prozent aller Frakturen der langen Röhrenknochen aus.

Es zeigt sich eine bimodale Altersverteilung mit Häufungen im 20. bis 30. sowie jenseits des 60. Lebensjahres. Bei älteren Menschen spielt die Osteoporose als strukturelle Ursache eine wesentliche Rolle für das Frakturrisiko.

Zu den typischen Begleitverletzungen zählt die primäre Läsion des Nervus radialis, die in 4 bis 40 Prozent der Fälle auftritt. Seltener sind Verletzungen des Nervus ulnaris oder der Arteria brachialis zu beobachten.

Empfehlungen

Die Leitlinie formuliert folgende Kernempfehlungen zur Diagnostik und Therapie:

Klassifikation

Die Einteilung der Oberarmschaftfrakturen erfolgt gemäß Leitlinie nach der AO/OTA-Klassifikation.

AO-TypFrakturformBeschreibung
12 A1-A3Einfache FrakturSpiral-, Schräg- (>30°) oder Querfraktur (<30°)
12 B2-B3KeilfrakturBiegungskeil oder fragmentierter Keil
12 C2-C3Komplexe FrakturSpiralförmig mit Zwischenfragmenten, etagenförmig oder irregulär

Klinische und radiologische Diagnostik

Es wird primär eine sorgfältige klinische Untersuchung inklusive Überprüfung der peripheren Durchblutung, Motorik und Sensibilität empfohlen. Besonderes Augenmerk sollte auf neurologische Ausfälle des Nervus radialis gelegt werden.

Als Standarddiagnostik wird eine konventionelle Röntgenuntersuchung des Oberarmschaftes in zwei Ebenen empfohlen. Dabei müssen die angrenzenden Gelenke zwingend mit abgebildet werden.

Eine Computertomographie ist laut Leitlinie nur bei speziellen Fragestellungen indiziert:

  • Verdacht auf Frakturausläufer in den Oberarmkopf oder die suprakondyläre Region

  • Verdacht auf eine Gefäßläsion (als CT-Angiographie)

Indikationsstellung zur Therapie

Die Wahl des Behandlungsverfahrens wird maßgeblich durch Frakturtyp, Knochenqualität, Alter und Begleiterkrankungen beeinflusst. Die Leitlinie definiert klare absolute Operationsindikationen:

  • Offene Frakturen ab Grad 2

  • Drohendes Kompartmentsyndrom (Notfallindikation)

  • Defektfrakturen und persistierende Diastase

  • Serienverletzungen der Extremität (Floating elbow)

  • Begleitende Gefäßschäden

  • Sekundärer Nervenschaden nach Manipulation

Es wird ausdrücklich betont, dass eine primäre Radialisläsion keine absolute Operationsindikation darstellt. Hier besteht laut Leitlinie eine hohe spontane Erholungsrate.

Konservative Therapie

Eine nicht-operative Behandlung ist häufig bei Schaftfrakturen im mittleren Drittel ohne Diastase indiziert. Dies betrifft insbesondere nicht oder gering dislozierte Frakturen.

Das häufigste empfohlene Verfahren umfasst:

  • Kurzfristige Ruhigstellung für 2 bis 3 Wochen (z.B. Gilchristverband)

  • Funktionelle Weiterbehandlung mit einem Brace für 8 bis 10 Wochen

  • Passive und aktive Bewegungsübungen bis zur Schmerzgrenze

Operative Therapie

Bei einer operativen Versorgung stehen verschiedene etablierte Osteosyntheseverfahren zur Verfügung. Die Auswahl richtet sich nach der individuellen Fraktursituation.

Zu den gängigen Verfahren zählen laut Leitlinie:

  • Plattenosteosynthese (konventionell, winkelstabil oder minimalinvasiv als MIPO)

  • Intramedulläre Nagelung (antegrad oder retrograd)

  • Implantatkombinationen bei ausgeprägter Osteoporose

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💡Praxis-Tipp

Ein wesentlicher Hinweis der Leitlinie betrifft das Management von Nervenverletzungen. Es wird betont, dass eine primäre Läsion des Nervus radialis keine absolute Operationsindikation darstellt, da eine hohe spontane Erholungsrate besteht. Im Gegensatz dazu gilt ein sekundärer Radialisschaden, der erst nach Repositionsmanövern auftritt, als absolute Indikation zur operativen Revision.

Häufig gestellte Fragen

Laut Leitlinie bestehen absolute Operationsindikationen unter anderem bei offenen Frakturen ab Grad 2, einem drohenden Kompartmentsyndrom sowie bei begleitenden Gefäßschäden. Auch ein sekundärer Nervenschaden nach Manipulation oder ein Serienverletzungen der Extremität machen eine Operation zwingend erforderlich.

Die Leitlinie empfiehlt initial eine kurzfristige Ruhigstellung für zwei bis drei Wochen, beispielsweise im Gilchristverband. Daran schließt sich eine funktionelle Weiterbehandlung mit einem Brace für acht bis zehn Wochen unter physiotherapeutischer Anleitung an.

Nein, die Leitlinie stellt klar, dass eine primäre Radialisläsion keine absolute Operationsindikation ist. Es wird auf die hohe spontane Erholungsrate des Nerven bei primärer Schädigung verwiesen.

Es wird standardmäßig eine konventionelle Röntgenuntersuchung des Oberarmschaftes in zwei Ebenen empfohlen. Dabei müssen die angrenzenden Gelenke (Schulter und Ellenbogen) zwingend mit abgebildet werden.

Eine Computertomographie wird gemäß Leitlinie nur bei speziellen Fragestellungen empfohlen. Dazu gehören der Verdacht auf Frakturausläufer in den Oberarmkopf oder die suprakondyläre Region sowie der Verdacht auf Gefäßläsionen.

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KI-generierte Zusammenfassung. Keine Diagnose- oder Therapieempfehlung. Die klinische Entscheidung trifft der behandelnde Arzt.

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