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Yersiniose: RKI-Ratgeber zu Diagnostik und Therapie

KI-generierte Zusammenfassung · Basiert auf RKI Leitlinie · Erstellt: April 2026 · Keine Diagnose- oder Therapieempfehlung

📋Auf einen Blick

  • Hauptübertragungsweg für Y. enterocolitica ist der Verzehr von rohem Schweinefleisch (z.B. Mett oder Hackepeter).
  • Klinisch zeigt sich meist eine Enterokolitis; bei älteren Kindern und Jugendlichen typischerweise eine Pseudoappendizitis.
  • Die Therapie erfolgt in der Regel rein symptomatisch; Antibiotika sind nur bei schweren Verläufen oder Bakteriämie indiziert.
  • Yersinien können sich auch bei niedrigen Temperaturen (Kühlschrank) vermehren.
  • Kinder unter 6 Jahren dürfen Gemeinschaftseinrichtungen frühestens 48 Stunden nach Symptomfreiheit wieder besuchen.
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Hintergrund

Die Yersiniose ist eine meist lebensmittelbedingte Infektionskrankheit, die durch darmpathogene Bakterien der Gattung Yersinia (Familie Enterobacterales) verursacht wird. Die Erreger sind in der Lage, sich auch bei Kühlschranktemperaturen und unter mikroaerophilen Bedingungen zu vermehren. In Deutschland treten die meisten Fälle sporadisch auf, wobei Kinder unter 5 Jahren am häufigsten betroffen sind.

ErregerHäufigkeitHauptreservoirTypische Infektionsquelle
Y. enterocolitica> 90 %Schweine (Tonsillen)Rohes/unzureichend gegartes Schweinefleisch (Mett, Hackepeter)
Y. pseudotuberculosis< 1 %Vögel, Wildtiere, NagerKontaminierte pflanzliche Lebensmittel (z.B. rohe Karotten), Umwelt

Klinik und Symptomatik

Die Inkubationszeit beträgt in der Regel 3 bis 7 Tage (selten bis zu 10 Tage). Die Patienten sind infektiös, solange Symptome andauern und Erreger ausgeschieden werden (meist 2-3 Wochen).

Das klinische Bild variiert stark nach Altersgruppe:

PatientengruppeTypische SymptomatikBemerkung
KleinkinderEnterokolitis (Durchfall, Bauchschmerzen, Fieber)Meist selbstlimitierend, Dauer 1-3 Wochen
Ältere Kinder & JugendlicheMesenterische Lymphadenitis, terminale IleitisKlinisch oft nicht von akuter Appendizitis zu unterscheiden (Pseudoappendizitis)
ErwachseneEnterokolitis, RachenentzündungenOft mit grippalen Symptomen vergesellschaftet
ImmunsupprimierteLeberabszesse, Organentzündungen (Perikard, Pleura)Schwere Verläufe möglich

Mögliche Folgeerkrankungen:

  • Reaktive Arthritis (besonders bei HLA-B27-positiven Patienten)
  • Erythema nodosum
  • Reizdarmsyndrom

Diagnostik

Die Diagnose wird primär durch den direkten Erregernachweis aus Stuhl, Lymphknotenbiopsien oder Blut gesichert.

  • Kultur: Bebrütung bei 25-28 °C bis zu 48 Stunden. Bei geringem Erregergehalt wird eine Kälteanreicherung bei 4 °C empfohlen.
  • Molekulardiagnostik: PCR-Nachweis von Virulenzgenen (z.B. ail, virF, yadA). Da das ail-Gen auch bei fakultativ pathogenen Stämmen vorkommen kann, sollte eine kulturelle Absicherung erfolgen.
  • Serologie: Nur sinnvoll bei Verdacht auf reaktive Arthritis (Nachweis von Yop-Antikörpern). Ein aussagekräftiger Befund erfordert den Nachweis eines Titeranstiegs zwischen zwei Proben.

Therapie

Gemäß der S2k-Leitlinie "Gastrointestinale Infektionen und Morbus Whipple" ist bei unkomplizierten Verläufen keine antimikrobielle Therapie indiziert. Eine Antibiose verkürzt zwar die Ausscheidungsdauer, verhindert aber nachweislich keine Folgeerkrankungen wie die reaktive Arthritis.

IndikationTherapieempfehlungBemerkung
Unkomplizierte EnterokolitisSymptomatisch (Volumen- und Elektrolytsubstitution)Standardvorgehen in fast allen Fällen
Schwere EnterokolitisCiprofloxacin ODER CotrimoxazolNach Resistenztestung
BakteriämieCeftriaxon ODER CiprofloxacinNur bei systemischer Ausbreitung

Infektionsschutz und Meldepflicht

Prävention

Risikogruppen (Säuglinge, Kleinkinder, Schwangere, alte und immunsupprimierte Menschen) sollten strikt auf den Verzehr von rohem Schweinefleisch (Mett, Hackepeter) verzichten. Händehygiene und Küchenhygiene (Vermeidung von Kreuzkontaminationen) sind essenziell.

Regelungen für Gemeinschaftseinrichtungen (§ 34 IfSG)

Kinder unter 6 Jahren mit (Verdacht auf) infektiöse Gastroenteritis dürfen Gemeinschaftseinrichtungen nicht besuchen. Die Wiederzulassung ist frühestens 48 Stunden nach Abklingen der klinischen Symptome möglich.

Regelungen für Lebensmittelberufe (§ 42 IfSG)

Erkrankte dürfen nicht im Lebensmittelbereich tätig sein. Da die Erregerausscheidung lange anhalten kann, ist nach Sistieren der Symptome für etwa 4 Wochen auf eine besonders strikte Händehygiene zu achten. Ein Tätigkeitsverbot für asymptomatische Ausscheider besteht jedoch (anders als bei Salmonellen oder EHEC) gesetzlich nicht.

Meldepflicht

Der direkte oder indirekte Nachweis von darmpathogenen Yersinia spp. ist nach § 7 IfSG namentlich meldepflichtig. Der Krankheitsverdacht oder die Erkrankung ist nach § 6 IfSG meldepflichtig, wenn die Person im Lebensmittelbereich tätig ist oder wenn zwei oder mehr Fälle mit epidemischem Zusammenhang auftreten.

💡Praxis-Tipp

Denken Sie bei älteren Kindern und Jugendlichen mit Symptomen einer akuten Appendizitis differenzialdiagnostisch an eine Yersiniose (Pseudoappendizitis), insbesondere wenn anamnestisch rohes Schweinefleisch (Mett) verzehrt wurde.

Häufig gestellte Fragen

Eine Antibiose ist nur bei schweren Krankheitsbildern, fehlender klinischer Besserung oder Bakteriämie indiziert. Bei unkomplizierten Verläufen wird rein symptomatisch behandelt.
Nein, es gibt keine Evidenz dafür, dass eine frühzeitige Antibiotikatherapie Folgeerkrankungen wie reaktive Arthritis oder Erythema nodosum verhindern kann.
Patienten sind in der Regel 2 bis 3 Wochen infektiös, solange die Symptome andauern und die Erreger im Stuhl ausgeschieden werden. Eine längere Ausscheidung ist möglich.
Kinder unter 6 Jahren dürfen die Gemeinschaftseinrichtung frühestens 48 Stunden nach Abklingen der klinischen Symptome wieder besuchen.
In Deutschland ist der Verzehr von rohem oder unzureichend gegartem Schweinefleisch (wie Mett oder Hackepeter) der bedeutendste Risikofaktor für Y. enterocolitica.

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