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Listeriose: Leitlinie zu Diagnostik & Therapie (RKI)

KI-generierte Zusammenfassung · Basiert auf RKI Leitlinie · Erstellt: April 2026 · Keine Diagnose- oder Therapieempfehlung

📋Auf einen Blick

  • Listeria monocytogenes vermehrt sich auch bei Kühlschranktemperaturen (-0,4 °C bis +45 °C).
  • Gefährdet sind vor allem Schwangere, Neugeborene, Personen ab 50 Jahren und Immunsupprimierte.
  • Die Therapie der ersten Wahl ist hochdosiertes Ampicillin/Amoxicillin kombiniert mit einem Aminoglykosid.
  • Die Therapiedauer muss mindestens 3 Wochen betragen, bei ZNS-Beteiligung bis zu 6 Wochen.
  • Der direkte Erregernachweis aus sterilen Substraten ist nach § 7 IfSG namentlich meldepflichtig.
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Hintergrund

Listeria monocytogenes ist der humanpathogenste Vertreter der Gattung Listeria. Es handelt sich um grampositive, bewegliche, nicht-sporenbildende und fakultativ anaerobe Stäbchen. Eine Besonderheit ist die Vermehrungsfähigkeit bei Kühlschranktemperaturen (Temperaturoptimum -0,4 °C bis +45 °C). Listerien können anatomische Barrieren wie die Blut-Hirn-Schranke oder die Plazenta aktiv überwinden und sich intrazellulär, insbesondere in Epithelzellen, vermehren.

Epidemiologie und Risikogruppen

Die Listeriose gehört zu den meldepflichtigen Erkrankungen mit der höchsten Letalität (durchschnittlich 7 %). Besonders gefährdet sind:

  • Schwangere und Neugeborene (ca. 10 % der Fälle)
  • Personen ab 50 Jahren
  • Immunsupprimierte Patienten (z. B. durch Tumoren oder Glukokortikoid-Therapie)
  • Männer sind mit 65 % häufiger betroffen als Frauen.

Inkubationszeiten

Die Inkubationszeit variiert stark je nach klinischer Manifestation:

ManifestationInkubationszeit (Spanne)Median
GastroenteritisWenige Stunden bis 6 Tage-
Sepsis1–12 Tage2 Tage
Neuroinvasive Form1–14 Tage9 Tage
Schwangerschaftsassoziiert17–67 Tage27,5 Tage

Klinische Symptomatik

Die Symptomatik hängt stark vom Immunstatus des Patienten ab. Grundsätzlich kann jedes Organ befallen werden.

PatientengruppeTypische Klinik
ImmunkompetenteOft asymptomatisch, leichte fieberhafte Reaktion, teils schwere selbstlimitierende Gastroenteritis
RisikogruppenGrippeähnliche Symptome, Sepsis (30 %), eitrige Meningitis (30 %), Rhombenzephalitis
SchwangereOft unauffällig oder symptomfrei, Gefahr von Früh-/Totgeburt oder konnataler Infektion
Neugeborene (Frühinfektion)< 1. Lebenswoche: Sepsis, Atemnotsyndrom, Granulomatosis infantiseptica
Neugeborene (Spätinfektion)> 1. Lebenswoche: Häufig Meningitis

Diagnostik

Der Erregernachweis erfolgt kulturell oder mittels PCR.

  • Materialien: Blut, Liquor, Eiter, Vaginalsekret, Lochien, Mekonium. Stuhluntersuchungen sind nur bei Ausbruchsuntersuchungen sinnvoll, da bis zu 5 % der Gesunden Listerien ausscheiden.
  • Kultur: Auf Schafblutagar (Morphologie ähnlich Gruppe-B-Streptokokken), positiver CAMP-Test. Absicherung über MALDI-TOF.
  • Feintypisierung: Wichtig für Ausbruchsaufklärungen (WGS, cgMLST). Isolate sollten an das Konsiliarlabor gesendet werden.

Therapie

Aufgrund der intrazellulären Lebensweise und häufigen Immunsuppression ist ein mangelhaftes Ansprechen auf die Therapie nicht selten. Antibiotikaresistenzen spielen bei den Standardtherapeutika derzeit praktisch keine Rolle.

WahlWirkstoffBemerkung
1. WahlAmoxicillin oder Ampicillin (hochdosiert) + AminoglykosidAminoglykosid nur, wenn nicht kontraindiziert (z. B. in der Schwangerschaft)
2. WahlCotrimoxazolBei Allergien oder Unverträglichkeiten

Therapiedauer:

  • Standard: Mindestens 3 Wochen
  • Endokarditis: 4–6 Wochen
  • Rhombenzephalitis oder Hirnabszess: 6 Wochen

Prävention und Meldepflicht

Risikogruppen sollten auf bestimmte Lebensmittel verzichten, da sich Listerien auch in vakuumverpackten Lebensmitteln im Kühlschrank vermehren können:

  • Rohfleischerzeugnisse (z. B. Hackepeter) und Rohwurst (z. B. Salami)
  • Roher, geräucherter oder marinierter Fisch
  • Vorgeschnittene verpackte Blattsalate
  • Rohmilchweichkäse

Meldepflicht: Der direkte Erregernachweis aus normalerweise sterilen Substraten (Blut, Liquor) oder Abstrichen von Neugeborenen ist nach § 7 IfSG innerhalb von 24 Stunden namentlich meldepflichtig.

💡Praxis-Tipp

Denken Sie bei unklaren febrilen Gastroenteritiden oder eitrigen Meningitiden bei älteren oder immunsupprimierten Patienten an Listerien. Beachten Sie, dass Listerien sich auch in vakuumverpackten Lebensmitteln im Kühlschrank vermehren können.

Häufig gestellte Fragen

Mittel der ersten Wahl ist hochdosiertes Amoxicillin oder Ampicillin, kombiniert mit einem Aminoglykosid. Alternativ kann Cotrimoxazol eingesetzt werden.
Die Inkubationszeit variiert stark: Bei Gastroenteritis wenige Stunden bis 6 Tage, bei Sepsis 1-12 Tage und bei schwangerschaftsassoziierten Fällen 17-67 Tage.
Schwangere sollten auf Rohfleisch, Rohwurst, rohen und geräucherten Fisch, vorgeschnittene Blattsalate sowie Rohmilchweichkäse verzichten.
Der direkte Erregernachweis aus normalerweise sterilen Substraten (z. B. Blut, Liquor) oder Neugeborenen-Abstrichen ist nach § 7 IfSG innerhalb von 24 Stunden namentlich meldepflichtig.

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