Salmonellose: RKI-Ratgeber zu Diagnostik & Therapie
📋Auf einen Blick
- •Die Salmonellose ist primär eine lebensmittelbedingte Gastroenteritis, meist ausgelöst durch S. Enteritidis oder S. Typhimurium.
- •Bei unkomplizierten Verläufen ist eine Antibiotikatherapie kontraindiziert, da sie die Erregerausscheidung verlängert.
- •Antibiotika sind bei Sepsis, Säuglingen unter 1 Jahr, Senioren und Immunsupprimierten indiziert (nach Resistenztestung).
- •Erkrankte Kinder unter 6 Jahren dürfen Gemeinschaftseinrichtungen erst 48 Stunden nach Symptomfreiheit wieder besuchen.
- •Es besteht eine namentliche Meldepflicht nach IfSG bei Erregernachweis sowie bei Verdacht in Lebensmittelberufen.
Hintergrund
Die Salmonellose ist eine weltweit verbreitete, klassische Lebensmittelinfektion. Ausgelöst wird sie durch nichttyphoidale Salmonellen (in Deutschland meist Salmonella Enteritidis oder Salmonella Typhimurium). Das Hauptreservoir bilden landwirtschaftliche Nutztiere, wobei die Tiere selbst selten klinisch erkranken.
| Parameter | Details |
|---|---|
| Hauptreservoir | Nutztiere (Rinder, Schweine, Geflügel) |
| Infektionsweg | Oral (kontaminierte Lebensmittel, Kreuzkontamination, selten direkter Tierkontakt wie Reptilien) |
| Infektionsdosis | 10^4 – 10^6 Keime (bei Risikogruppen oder fettreichen Lebensmitteln < 10^2) |
| Inkubationszeit | 6 – 72 Stunden (in der Regel 12 – 36 Stunden) |
Klinische Symptomatik
Die Erkrankung manifestiert sich typischerweise als akute Darmentzündung. Die Symptome halten oft über mehrere Tage an:
- Plötzlich einsetzender Durchfall
- Kopf- und Bauchschmerzen
- Unwohlsein und Erbrechen
- Häufig leichtes Fieber
Bei Kleinkindern und älteren Menschen steht die Gefahr einer ausgeprägten Dehydrierung im Vordergrund. In seltenen Fällen (insbesondere bei Personen über 60 Jahre) kann es zu septischen Verläufen und fokalen Absiedlungen (z.B. Endokarditis, Meningitis, Arthritis, Cholezystitis) kommen.
Diagnostik
Der Erregernachweis erfolgt in der Regel kulturell aus Stuhl, Rektalabstrichen oder Erbrochenem. Bei Verdacht auf einen systemischen Verlauf sind Blutkulturen indiziert.
Indikationen für eine mikrobiologische Stuhldiagnostik:
- Länger anhaltender Durchfall (> 3 Tage)
- Sichtbares Blut im Stuhl
- Hospitalisation
Therapie
Die Behandlung richtet sich nach der Schwere der Erkrankung und den Risikofaktoren des Patienten. Eine unkritische Antibiotikagabe ist obsolet, da sie die Erregerausscheidung verlängern kann.
| Verlaufsform / Patientengruppe | Therapie | Bemerkung |
|---|---|---|
| Unkomplizierte Gastroenteritis | Symptomatisch (Flüssigkeits- und Elektrolytausgleich) | Keine Antibiotika! |
| SIRS / Sepsis | Antimikrobielle Therapie | Resistenzbestimmung zwingend erforderlich. |
| Risikogruppen (Säuglinge <1 J., Senioren, Immunschwäche, Herzklappenanomalien) | Antibiotika erwägen | Zur Vermeidung von Komplikationen und fokalen Absiedlungen. |
| Dauerausscheider (> 1 Jahr) | Gezielte Antibiose | Vorab prädisponierende Faktoren (z.B. Gallensteine) abklären. |
Mögliche Antibiotika (nach Antibiogramm): Cephalosporine der 3. Generation, Co-Trimoxazol, Ampicillin oder Fluorochinolone (z.B. Ciprofloxacin bei Erwachsenen).
Infektionsschutz und Meldepflicht
Die Ausscheidung von Enteritis-Salmonellen dauert bei Erwachsenen durchschnittlich einen Monat, bei Kindern unter 5 Jahren oft 7 Wochen oder länger. Strenge Hände- und Lebensmittelhygiene sind essenziell.
| Bereich | Regelung nach IfSG |
|---|---|
| Meldepflicht (§6 & §7) | Namentliche Meldung bei Erregernachweis. Klinischer Verdacht meldepflichtig bei Lebensmittelberufen oder Ausbrüchen (≥2 Fälle). |
| Gemeinschaftseinrichtungen (§33/34) | Kinder <6 Jahre: Besuchsverbot. Wiederzulassung frühestens 48 Stunden nach Symptomfreiheit. |
| Lebensmittelberufe (§42) | Striktes Tätigkeitsverbot für Erkrankte, Verdachtsfälle und Ausscheider. |
💡Praxis-Tipp
Verzichten Sie bei einer unkomplizierten Salmonellen-Gastroenteritis auf Antibiotika, da diese die Erregerausscheidung verlängern. Denken Sie bei Säuglingen mit Salmonellose auch an exotische Haustiere (z.B. Reptilien) als mögliche Infektionsquelle im Haushalt.