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Campylobacter-Enteritis: RKI-Ratgeber & Leitlinie

KI-generierte Zusammenfassung · Basiert auf RKI Leitlinie · Erstellt: April 2026 · Keine Diagnose- oder Therapieempfehlung

📋Auf einen Blick

  • Die Campylobacter-Enteritis ist die häufigste bakterielle meldepflichtige Krankheit in Deutschland.
  • Die Übertragung erfolgt meist lebensmittelbedingt, insbesondere durch unzureichend erhitztes Geflügelfleisch.
  • Die Therapie erfolgt primär symptomatisch durch Volumen- und Elektrolytsubstitution.
  • Antibiotika (Azithromycin, Ciprofloxacin) sind nur bei schweren Verläufen oder Immunsuppression indiziert.
  • Für Kinder unter 6 Jahren in Gemeinschaftseinrichtungen gilt ein Besuchsverbot bis 48 Stunden nach Symptomende.
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Hintergrund

Die Campylobacter-Enteritis ist mit 60.000 bis 70.000 übermittelten Fällen pro Jahr die häufigste bakterielle meldepflichtige Krankheit in Deutschland. Besonders betroffen sind Kinder unter 5 Jahren sowie junge Erwachsene. Die Erreger, vor allem Campylobacter jejuni und Campylobacter coli, sind gramnegative, spiralförmige Stäbchenbakterien. Sie sind weltweit verbreitet und treten in Europa gehäuft in der warmen Jahreszeit auf.

Übertragungswege und Inkubationszeit

Das Reservoir für Campylobacter bilden Wild-, Nutz- und Heimtiere. Die Bakterien vermehren sich nicht in Lebensmitteln, können dort aber überleben. Die Übertragung erfolgt meist fäkal-oral. Die Inkubationszeit beträgt in der Regel 2 bis 5 Tage (in Einzelfällen 1 bis 10 Tage).

InfektionsquelleRelevanz und Bemerkung
GeflügelfleischBedeutendste Infektionsquelle (besonders Hühnerfleisch)
Rohmilch & rohes FleischHäufige Ursache für Krankheitsausbrüche
HeimtiereKontakt zu Hunden und Katzen (z.B. Welpen)
Mensch-zu-MenschUntergeordnete Rolle, aber bei Kleinkindern möglich (Infektionsdosis ≥500 Keime)
Mutter-KindBei C. fetus intrauterin/perinatal möglich (Gefahr von Abort, Sepsis, Meningitis)

Klinische Symptomatik

Viele Infektionen verlaufen asymptomatisch. Bei symptomatischen Verläufen treten oft 12 bis 24 Stunden vor den gastrointestinalen Beschwerden Prodromi auf (Fieber 38–40 °C, Kopfschmerzen, Myalgien).

Hauptsymptome:

  • Diarrhö (breiig bis massiv wässrig, teils blutig)
  • Bauchschmerzen und -krämpfe
  • Fieber und Mattigkeit

Die Erkrankung dauert meist bis zu einer Woche. Seltene Folgeerkrankungen umfassen die reaktive Arthritis und das Guillain-Barré-Syndrom. Die mittlere Ausscheidungsdauer (Ansteckungsfähigkeit) beträgt 2 bis 4 Wochen.

Diagnostik

Die Diagnose wird primär durch eine Stuhlkultur gesichert.

  • Kultureller Nachweis: Aus frischem Stuhl bei 42 °C in spezieller Gasatmosphäre. Ein kultureller Nachweis sollte stets angestrebt werden, um eine Resistenztestung zu ermöglichen.
  • Alternativen: Antigennachweis (ELISA) oder PCR.
  • Differenzialdiagnosen: Salmonellen, Shigellen, Yersinien, E. coli (ETEC, EHEC), Clostridium difficile, Viren (Noro, Rota, Adeno) sowie parasitäre Erreger.

Therapie

Die Campylobacter-Enteritis ist in der Regel selbstlimitierend. Eine routinemäßige Antibiotikagabe wird nicht empfohlen, insbesondere wenn sich die Symptome bis zum Eintreffen des Laborbefunds bereits gebessert haben.

BehandlungsstufeTherapieIndikation / Bemerkung
BasistherapieVolumen- und ElektrolytsubstitutionMittel der Wahl bei unkompliziertem Verlauf
1. Wahl (Antibiotika)AzithromycinNur bei schwerem Bild, fehlender Besserung oder Immunsuppression
AlternativeCiprofloxacinUnter Beachtung der Resistenztestung
Nicht empfohlenErythromycinAufgrund des Nebenwirkungsspektrums nicht mehr Mittel der Wahl
KontraindiziertCephalosporineUnzureichende Aktivität gegen Campylobacter

Infektionsschutz und Meldepflicht

Zur Prävention sind Küchenhygiene und das vollständige Durchgaren von Fleisch essenziell. Im Krankenhaus wird bei profusen Durchfällen eine Unterbringung im Isolierzimmer empfohlen.

BereichGesetzliche Regelung (IfSG)
Meldepflicht (§ 7 & § 6)Namentliche Meldung bei Erregernachweis. Meldepflicht bei Erkrankung von Personen im Lebensmittelbereich oder bei Ausbrüchen.
Gemeinschaftseinrichtungen (§ 34)Kinder < 6 Jahre dürfen die Einrichtung erst 48 Stunden nach Abklingen der Symptome wieder besuchen.
Lebensmittelbetriebe (§ 42)Tätigkeitsverbot bei akuter Erkrankung. Nach Symptomende für ca. 4 Wochen strikte Händehygiene erforderlich.

💡Praxis-Tipp

Verzichten Sie bei unkomplizierten Verläufen auf Antibiotika. Fordern Sie bei schwer kranken Patienten stets eine Stuhlkultur an, da reine PCR-Schnelltests keine Resistenztestung ermöglichen.

Häufig gestellte Fragen

Nur bei schweren Krankheitsbildern, fehlender klinischer Besserung oder Immunsuppression. Mittel der ersten Wahl ist Azithromycin.
Solange der Erreger im Stuhl ausgeschieden wird. Die mittlere Ausscheidungsdauer beträgt 2 bis 4 Wochen.
Frühestens 48 Stunden nach dem vollständigen Abklingen der klinischen Symptome.
Cephalosporine zeigen eine unzureichende Aktivität. Erythromycin wird aufgrund von Nebenwirkungen nicht mehr empfohlen.

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