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Typhus & Paratyphus: RKI-Ratgeber

KI-generierte Zusammenfassung · Basiert auf RKI Leitlinie · Erstellt: April 2026 · Keine Diagnose- oder Therapieempfehlung

📋Auf einen Blick

  • Erreger sind Salmonella Typhi und Paratyphi, die ausschließlich humanpathogen sind und fäkal-oral übertragen werden.
  • Die Blutkultur ist die diagnostische Standardmethode, Knochenmarkkulturen bieten die höchste Sensitivität (>80%).
  • Aufgrund zunehmender XDR-Stämme (v.a. aus Pakistan) ist ein Antibiogramm zwingend erforderlich.
  • Eine antibiotische Therapie ist immer indiziert; bei XDR-Stämmen kommen meist Azithromycin oder Carbapeneme zum Einsatz.
  • Für die Wiederzulassung zu Gemeinschaftseinrichtungen sind in der Regel drei negative Stuhlproben erforderlich.
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Hintergrund

Typhus abdominalis und Paratyphus sind systemische Infektionskrankheiten, die durch Salmonella enterica subsp. enterica Serovare Typhi sowie Paratyphi A, B und C ausgelöst werden. Die Erreger sind ausschließlich humanpathogen.

Die Übertragung erfolgt fäkal-oral, meist durch kontaminiertes Trinkwasser oder Lebensmittel in Endemiegebieten (v.a. Süd-/Südostasien, Subsahara-Afrika). In Deutschland handelt es sich überwiegend um importierte Infektionen bei Reiserückkehrern (häufig aus Indien und Pakistan).

ErkrankungInkubationszeitErreger
Typhus3–60 Tage (meist 8–14)S. Typhi
Paratyphus1–10 TageS. Paratyphi A, B, C

Hinweis zu S. Paratyphi B: Es wird zwischen einem systemischen Pathovar (Paratyphus, d-Tartrat negativ) und einem enteritischen Pathovar (Salmonellose, d-Tartrat positiv) unterschieden.

Klinische Symptomatik

Die Erkrankung beginnt oft schleichend. Typische Symptome umfassen:

  • Treppenartiger Fieberanstieg und anhaltendes Fieber
  • Ausgeprägte Kopfschmerzen und allgemeines Krankheitsgefühl
  • Abdominelle Beschwerden, initial oft Obstipation, später erbsenbreiartige Durchfälle
  • Klinische Zeichen (nicht immer vorhanden): Relative Bradykardie, Hepatosplenomegalie, Roseolen (lachsfarbene Hauteffloreszenzen)

Ohne antibiotische Therapie beträgt die Letalität bis zu 20 %. Gefürchtete Komplikationen sind gastrointestinale Blutungen und Darmperforationen.

Dauerausscheider: Etwa 2–5 % der Infizierten scheiden den Erreger dauerhaft (mindestens 1 Jahr) aus. Gallensteine begünstigen die Ausbildung von Biofilmen und erhöhen das Risiko für eine Dauerausscheidung.

Diagnostik

Maßgeblich ist der direkte Erregernachweis mittels Kultur. Wegen der zunehmenden Resistenzproblematik muss immer ein Antibiogramm erstellt werden.

Material / MethodeSensitivitätBemerkung
Blutkultur40–80 %Diagnostischer Standard. Frühe Abnahme und große Volumina erhöhen die Sensitivität.
Knochenmark> 80 %Höchste Sensitivität, auch nach begonnener Antibiotikatherapie. Invasiv.
Stuhl / UrinVariabelErreger meist erst ca. 1 Woche nach Erkrankungsbeginn nachweisbar.
PCRHochPositives Ergebnis erfordert zwingend eine kulturelle Bestätigung für das Antibiogramm.
Serologie (Widal)GeringAufgrund eingeschränkter Sensitivität und Spezifität nicht empfohlen.

Therapie

Eine antibiotische Therapie ist in jedem Fall indiziert und senkt die Letalität auf < 1 %. Die empirische Therapie muss die Resistenzlage im Infektionsland berücksichtigen.

Besonders besorgniserregend ist die Ausbreitung von XDR-Typhus-Erregern (extensively drug-resistant), die seit 2016 vor allem in Pakistan zirkulieren.

ResistenztypResistenzenTherapieoptionen
MDR (Multidrug-resistant)Chloramphenicol, Ampicillin, Trimethoprim/SulfamethoxazolFluorchinolone, Cephalosporine (3. Gen.), Azithromycin
XDR (Extensively drug-resistant)Wie MDR + Fluorchinolone + Cephalosporine (3. Gen.)Azithromycin und/oder Carbapeneme

Hinweis: Bei Dauerausscheidern mit Gallensteinen kann zusätzlich zur Antibiotikatherapie eine Cholezystektomie sinnvoll sein.

Prävention und Impfung

In Endemiegebieten gilt die strikte Nahrungsmittelhygiene: "Cook it, peel it or forget it!"

Zur Prävention von Typhus stehen zwei Impfstoffe zur Verfügung. Gegen Paratyphus gibt es keine zugelassene Impfung.

ImpfstofftypApplikationWirksamkeitAuffrischung (laut STIKO)
LebendimpfstoffOral (3 Kapseln: Tag 1, 3, 5)ca. 50 %Nach 1 Jahr (bei nicht andauernder Exposition)
TotimpfstoffIntramuskulär (1 Dosis)ca. 69 %Nach 3 Jahren

Hygienemaßnahmen und Meldepflicht

Im Krankenhaus gelten strikte Basishygienemaßnahmen. Bei profusen Durchfällen ist eine Isolierung erforderlich.

Meldepflicht: Nach § 6 und § 7 IfSG sind der Krankheitsverdacht, die Erkrankung, der Tod sowie der direkte Erregernachweis namentlich meldepflichtig.

Wiederzulassung (§ 34 IfSG) / Tätigkeit im Lebensmittelbereich (§ 42 IfSG):

  • Klinische Genesung
  • Drei aufeinanderfolgende negative Stuhlproben (Abstand mind. 2 Tage)
  • Erste Probe frühestens 48 Stunden nach Abschluss der Antibiotikatherapie (bei Azithromycin wegen langer Halbwertszeit frühestens nach 7 Tagen).

💡Praxis-Tipp

Führen Sie bei Verdacht auf Typhus frühzeitig und vor Beginn der Antibiotikatherapie großvolumige Blutkulturen durch. Wegen der weltweiten Zunahme von XDR-Stämmen muss immer ein Antibiogramm angefordert werden.

Häufig gestellte Fragen

Standard ist die Blutkultur, idealerweise früh im Krankheitsverlauf. Serologische Tests (Widal-Test) werden wegen mangelnder Sensitivität und Spezifität nicht mehr empfohlen.
Bei extensiv resistenten Stämmen (XDR), die vor allem in Pakistan zirkulieren, werden meist Azithromycin und/oder Carbapeneme eingesetzt. Ein Antibiogramm ist obligatorisch.
Nach klinischer Genesung und Vorliegen von drei aufeinanderfolgenden negativen Stuhlproben. Der Abstand zwischen den Proben muss mindestens 2 Tage betragen, die erste Probe darf frühestens 48h nach Antibiotika-Ende erfolgen (bei Azithromycin erst nach 7 Tagen).
Nein. Die verfügbaren Vi-basierten Typhus-Impfstoffe (Lebend- und Totimpfstoff) bieten keinen ausreichenden Schutz gegen Paratyphus.

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