Gastrointestinale Infektionen: Leitlinie (DGVS 2023)
📋Auf einen Blick
- •Eine Erregerdiagnostik ist nur bei zu erwartenden therapeutischen, organisatorischen oder melderechtlichen Konsequenzen indiziert.
- •Die Basisdiagnostik umfasst Campylobacter, Salmonellen, Rota- und Noroviren.
- •Primäre Therapie der akuten Gastroenteritis ist die orale Flüssigkeits- und Elektrolytsubstitution.
- •Multiplex-PCR-Panels gehören nicht zur Basisdiagnostik und sind begründeten Einzelfällen vorbehalten.
- •Eine stationäre Aufnahme ist bei schwerer Dehydratation (> 9 %), Schock oder gescheiterter oraler Rehydratation erforderlich.
Hintergrund
Eine akute infektiöse Gastroenteritis (AGE) ist durch eine plötzliche Änderung der Stuhlfrequenz und Stuhlkonsistenz über das individuell übliche Maß hinaus (über 3x täglich) gekennzeichnet. Fakultativ treten Erbrechen und Fieber auf. Die primäre Therapie soll aus einer ausreichenden Flüssigkeits- und Elektrolytsubstitution bestehen.
Indikationen zur Erregerdiagnostik
Starke Empfehlung: Eine Erregerdiagnostik soll nur durchgeführt werden, wenn sich daraus medizinische, organisatorische oder melderechtliche Konsequenzen ergeben.
Bei Verdacht auf eine infektiöse Gastroenteritis sollte in folgenden Situationen eine Diagnostik erfolgen:
- Blutige Diarrhö
- Schweres Krankheitsbild (z. B. Fieber, Dehydrierung, Sepsis, HUS)
- Dauer der Diarrhö > 14 Tage
- Komorbiditäten mit erhöhtem Komplikationsrisiko
- Immundefizienz
- Antibiotikaeinnahme in den letzten 3 Monaten (Verdacht auf C. difficile)
- Nosokomiale Diarrhö
- Vor Einleitung einer empirischen Antibiose
- Arbeit in der Nahrungsmittelverarbeitung oder Gemeinschaftseinrichtungen
- Fallhäufung (≥ 2 Fälle)
Umfang der Diagnostik
Die Basisdiagnostik sollte folgende Erreger umfassen:
| Erreger | Erregergruppe | Relevanz |
|---|---|---|
| Campylobacter | Bakterium | Häufigster bakterieller Erreger |
| Salmonellen | Bakterium | Zweithäufigster bakterieller Erreger |
| Noroviren | Virus | Häufigste Ursache der Gastroenteritis |
| Rotaviren | Virus | Häufig bei Kindern und Ausbrüchen |
Im Regelfall sollte 1 Stuhlprobe untersucht werden. Bei Verdacht auf eine Parasitose sollten in der Regel 3 Proben aus unterschiedlichen Stuhlgängen untersucht werden. Multiplex-PCR-Panels sind keine Basisdiagnostik und können nur in begründeten Einzelfällen eingesetzt werden.
Clostridioides difficile-Diagnostik
Starke Empfehlung: Der diagnostische Algorithmus bei Verdacht auf C. difficile soll sowohl ein hoch sensitives als auch ein hoch spezifisches Testverfahren beinhalten.
| Testverfahren | Sensitivität/Spezifität | Bedeutung |
|---|---|---|
| GDH-Nachweis (EIA) | Hoch sensitiv | Screening-Test, nicht beweisend für Toxinbildung |
| Toxin-Gen-Nachweis (NAT/PCR) | Hoch sensitiv | Screening-Test, weist Gene nach |
| Toxin A/B-Nachweis (EIA) | Hoch spezifisch | Beweisend für aktive Toxinbildung |
Stationäre Aufnahme
Eine stationäre Aufnahme soll bei folgenden Kriterien erfolgen:
| Kriterium | Bemerkung |
|---|---|
| Schwere Dehydratation | > 9 % Gewichtsverlust |
| Kreislaufschock | Volumenmangel-Schock |
| Bewusstseinsstörungen | Delir, Lethargie, Koma |
| Unkontrollierbares Erbrechen | Orale Rehydratation nicht möglich |
| Gescheiterte orale Rehydratation | Trotz adäquater Versuche |
Komplikationen bakterieller Erreger
| Erreger | Typische Komplikationen |
|---|---|
| Campylobacter spp. | Reaktive Arthritis, Guillain-Barré-Syndrom |
| Clostridioides spp. | Pseudomembranöse Kolitis, toxisches Megakolon |
| EHEC | Hämorrhagische Kolitis, HUS, TTP |
| Salmonella spp. | Bakteriämie, fokale Infektionen, reaktive Arthritis |
| Shigella spp. | Toxisches Megakolon, Enzephalopathie |
Entlassungsmanagement
Empfehlung: Bei Entlassung in eine Gemeinschaftseinrichtung sollte eine ärztliche Einschätzung der Kontagiosität erfolgen. In der Regel ist die Kontagiosität 48 Stunden nach Sistieren der Symptome so stark reduziert, dass Basishygienemaßnahmen ausreichen.
💡Praxis-Tipp
Verzichten Sie bei unkomplizierter akuter Gastroenteritis auf eine routinemäßige Stuhldiagnostik. Fokussieren Sie sich stattdessen auf die konsequente orale Rehydratation mit standardisierten Elektrolytlösungen (WHO-Trinklösung).