Q-Fieber (Coxiella burnetii): Leitlinie (RKI)
📋Auf einen Blick
- •Erreger des Q-Fiebers ist das intrazelluläre Bakterium Coxiella burnetii, das meist über die Inhalation von kontaminiertem Staub übertragen wird.
- •Etwa 50 % der Infektionen verlaufen asymptomatisch; akute Verläufe zeigen oft hohes Fieber, atypische Pneumonien oder Hepatitis.
- •Eine chronische Infektion (ca. 1 %) manifestiert sich meist als Endokarditis, besonders bei vorbestehenden Herzklappenerkrankungen.
- •Mittel der Wahl bei akutem Q-Fieber ist Doxycyclin für 2 bis 3 Wochen.
- •Schwangere und Patienten mit Herzklappenanomalien benötigen bei akuter Infektion eine spezifische prophylaktische Langzeittherapie.
Hintergrund
Erreger des Q-Fiebers ist Coxiella burnetii, ein gramnegatives, intrazelluläres Bakterium. Es ist weltweit verbreitet und hochresistent gegenüber Umwelteinflüssen.
Das Hauptreservoir bilden Paarhufer (Rinder, Schafe, Ziegen). Die Übertragung erfolgt meist durch Inhalation von infektiösem Staub oder direkten Kontakt zu Tieren, insbesondere zu hochinfektiösen Geburtsprodukten. Eine Übertragung über die Luft ist bis zu 2 km weit möglich. Die Inkubationszeit beträgt in der Regel 2 bis 3 Wochen.
Klinische Symptomatik
Etwa 50 % der Infektionen verlaufen asymptomatisch oder mild.
- Akute Infektion: Hohes Fieber, Schüttelfrost, Muskelschmerzen und ausgeprägte Stirnkopfschmerzen. Häufig treten atypische (interstitielle) Pneumonien oder eine Hepatitis auf.
- Schwangerschaft: Hohes Risiko für Abort oder Frühgeburt, besonders bei Primärinfektion im 1. Trimenon.
- Chronische Infektion (ca. 1 %): Manifestiert sich meist als Q-Fieber-Endokarditis. Das Risiko hierfür liegt bei vorbestehendem Herzvitium oder Klappenprothese bei ca. 39 %. Sie kann Monate bis Jahre nach der Primärinfektion auftreten.
Diagnostik
Die Diagnose wird meist serologisch gesichert (IFT, ELISA). Der Erreger zeigt eine Phasenvariation (Phase I und II), die diagnostisch wegweisend ist:
| Antikörper-Profil | Zeitpunkt des Auftretens | Klinische Bedeutung |
|---|---|---|
| IgM gegen Phase II | 2-3 Wochen nach Symptombeginn | Akute Infektion |
| IgG gegen Phase II | Ab dem 2. Monat | Abgelaufene oder akute Infektion |
| IgG/IgA gegen Phase I | 6 Wochen bis 4 Monate | Hinweis auf chronischen Verlauf |
Hinweis: Ein direkter Erregernachweis (PCR, Zellkultur) ist nur in Speziallaboren (Sicherheitsstufe 3) möglich.
Therapie
| Indikation | Therapie der Wahl | Dauer | Bemerkung |
|---|---|---|---|
| Akutes Q-Fieber | Doxycyclin | 2-3 Wochen | Ggf. Kombination mit Clarithromycin oder Fluorochinolon (Gr. 3/4). |
| Chronisches Q-Fieber | Doxycyclin + Chinolon (Gr. 3/4) oder Rifampicin | > 1 Jahr | Behandlung durch erfahrene Infektiologen. |
| Risikogruppe: Herzklappenanomalie (bei akuter Infektion) | Doxycyclin (200 mg/d) + Hydroxychloroquin (600 mg/d) | 12 Monate | Prophylaktische Therapie. Regelmäßige ophthalmologische Kontrollen erforderlich! |
| Risikogruppe: Schwangere (bei akuter Infektion) | Trimethoprim-Sulfamethoxazol (160/800 mg, 2 Kapseln/d) | Bis Schwangerschaftsende | Prophylaxe. Auf megaloblastäre Anämie achten. Nicht stillen! |
Prävention und Meldepflicht
Zur Prävention gehört die strikte Hygiene bei Tiergeburten (geschlossene Ställe, fachgerechte Entsorgung von Nachgeburten) sowie das Tragen von Schutzmasken bei staubigen Arbeiten (z. B. Schafscheren).
Meldepflicht: Nach § 7 IfSG ist der direkte oder indirekte Nachweis von Coxiella burnetii, der auf eine akute Infektion hinweist, namentlich an das Gesundheitsamt zu melden (innerhalb von 24 Stunden).
💡Praxis-Tipp
Denken Sie bei unklarem Fieber, atypischer Pneumonie oder Hepatitis an Q-Fieber, insbesondere wenn eine ländliche Anamnese (Kontakt zu Schafen/Rindern) besteht. Bei Schwangeren mit Q-Fieber besteht ein extrem hohes Abortrisiko im 1. Trimenon.