Toxoplasmose: RKI-Ratgeber zu Diagnostik und Therapie
📋Auf einen Blick
- •Bei Immunkompetenten verläuft die Toxoplasmose meist asymptomatisch, ist aber für Feten und Immunsupprimierte potenziell lebensbedrohlich.
- •Hauptinfektionswege sind der Verzehr von rohem Fleisch und die orale Aufnahme von Oozysten (z.B. durch Katzenkot oder kontaminierte Erde).
- •Die serologische Stufendiagnostik (IgG/IgM, Avidität) ist der Standard bei Immunkompetenten und Schwangeren.
- •Bei Immunsupprimierten ist der direkte Erregernachweis mittels PCR die Methode der Wahl, da Antikörpernachweise negativ ausfallen können.
- •Die medikamentöse Therapie in der Schwangerschaft erfolgt stadienabhängig mit Spiramycin oder einer Kombination aus Pyrimethamin, Sulfadiazin und Folinsäure.
Hintergrund
Die Toxoplasmose ist eine durch Toxoplasma gondii verursachte Zoonose. Endwirte sind Katzen, in deren Darmepithel die geschlechtliche Vermehrung stattfindet. Zwischenwirte sind warmblütige Tiere (z.B. Schweine, Geflügel) und der Mensch.
Die Inkubationszeit beträgt meist 2–3 Wochen. Die Hauptinfektionswege sind:
- Verzehr von rohem oder ungenügend erhitztem, zystenhaltigem Fleisch
- Orale Aufnahme von sporulierten Oozysten (z.B. über Katzenkot, kontaminierte Erde bei der Gartenarbeit)
- Transplazentare Übertragung bei Erstinfektion in der Schwangerschaft
Klinische Symptomatik
Der Verlauf hängt stark vom Immunstatus ab:
- Immunkompetente: 80–90 % der Infektionen verlaufen asymptomatisch. Selten kommt es zu grippeähnlichen Symptomen mit zervikaler Lymphadenitis.
- Immunsupprimierte: Schwere, lebensbedrohliche Verläufe durch Reaktivierung oder Neuinfektion (z.B. Toxoplasma-Enzephalitis, interstitielle Pneumonie, okuläre Manifestation).
- Pränatale Infektion: Tritt bei Erstinfektion der Mutter in der Schwangerschaft auf. Im 1. Trimenon ist die Transmissionsrate gering (ca. 15 %), die Schädigung des Feten aber schwer (Abort, schwere Fehlbildungen). Im 3. Trimenon ist die Transmission hoch (ca. 60 %), die Symptomatik beim Neugeborenen oft milder. Die klassische Trias umfasst Retinochoroiditis, Hydrocephalus und intrakranielle Verkalkungen.
Diagnostik
Bei Immunkompetenten und Schwangeren ist die serologische Stufendiagnostik die Methode der Wahl. Bei Immunsupprimierten sollte primär der direkte Erregernachweis mittels PCR (aus Blut, Liquor, BAL oder Biopsien) angestrebt werden, da Antikörpernachweise negativ ausfallen können.
Serologische Stufendiagnostik
- Suchtest: Toxoplasma-Gesamt- oder IgG-Antikörper.
- IgM-Test: Bei positivem IgG zur Differenzierung.
- Abklärungsverfahren: Bestimmung der IgG-Avidität (eine hohe Avidität schließt eine frische Infektion der letzten 3–4 Monate aus).
| IgG | IgM | IgG-Avidität | Wahrscheinliches Ergebnis |
|---|---|---|---|
| positiv | negativ | - | Inaktive, latente Infektion |
| positiv | positiv | hoch | Abklingende oder latente (inaktive) Infektion |
| positiv | positiv | gering | Akute Infektion möglich (Verlaufskontrolle nötig) |
Diagnostik beim Neugeborenen: Der Nachweis von spezifischen IgM- und/oder IgA-Antikörpern im peripheren Blut gilt als Beweis für eine pränatale Infektion.
Therapie
Eine unkomplizierte, postnatal erworbene Toxoplasmose bei Immunkompetenten bedarf keiner Therapie. Behandlungsindikationen sind aktive Infektionen bei Immunsupprimierten, okuläre Toxoplasmose sowie prä- und postnatale Infektionen.
| Indikation | Therapie | Bemerkung |
|---|---|---|
| Schwangerschaft < 16. SSW | Spiramycin (3,0 g/Tag) | Zum Schutz des Feten |
| Schwangerschaft ≥ 16. SSW | Pyrimethamin + Sulfadiazin + Folinsäure | Mindestens 4 Wochen, ggf. bis Schwangerschaftsende |
| Neugeborene (symptomatisch) | Pyrimethamin + Sulfadiazin + Folinsäure | Therapiedauer bis zu 12 Monate |
| Okuläre Toxoplasmose | Clindamycin (1,2–2,4 g/Tag) | Alternative zur Kombinationstherapie |
Prävention und Meldepflicht
Schwangere und Immunsupprimierte ohne nachgewiesene Immunität sollten folgende Regeln beachten:
- Kein rohes oder ungenügend erhitztes Fleisch verzehren
- Rohes Gemüse und Früchte vor dem Verzehr gründlich waschen
- Konsequente Händehygiene nach Kontakt mit rohem Fleisch, Erde oder Sand
- Katzenkotkästen täglich mit heißem Wasser durch Nicht-Schwangere reinigen lassen
Meldepflicht: Gemäß § 7 Abs. 3 IfSG besteht eine nichtnamentliche Meldepflicht an das RKI für den direkten oder indirekten Nachweis bei konnatalen Infektionen.
💡Praxis-Tipp
Achten Sie bei der Therapie mit Folsäure-Antagonisten (wie Pyrimethamin) in der Schwangerschaft zwingend darauf, dass Folinsäure und NICHT Folsäure supplementiert wird, da sonst die Wirksamkeit der Therapie aufgehoben wird.