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Toxoplasmose: RKI-Ratgeber zu Diagnostik und Therapie

KI-generierte Zusammenfassung · Basiert auf RKI Leitlinie · Erstellt: April 2026 · Keine Diagnose- oder Therapieempfehlung

📋Auf einen Blick

  • Bei Immunkompetenten verläuft die Toxoplasmose meist asymptomatisch, ist aber für Feten und Immunsupprimierte potenziell lebensbedrohlich.
  • Hauptinfektionswege sind der Verzehr von rohem Fleisch und die orale Aufnahme von Oozysten (z.B. durch Katzenkot oder kontaminierte Erde).
  • Die serologische Stufendiagnostik (IgG/IgM, Avidität) ist der Standard bei Immunkompetenten und Schwangeren.
  • Bei Immunsupprimierten ist der direkte Erregernachweis mittels PCR die Methode der Wahl, da Antikörpernachweise negativ ausfallen können.
  • Die medikamentöse Therapie in der Schwangerschaft erfolgt stadienabhängig mit Spiramycin oder einer Kombination aus Pyrimethamin, Sulfadiazin und Folinsäure.
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Hintergrund

Die Toxoplasmose ist eine durch Toxoplasma gondii verursachte Zoonose. Endwirte sind Katzen, in deren Darmepithel die geschlechtliche Vermehrung stattfindet. Zwischenwirte sind warmblütige Tiere (z.B. Schweine, Geflügel) und der Mensch.

Die Inkubationszeit beträgt meist 2–3 Wochen. Die Hauptinfektionswege sind:

  • Verzehr von rohem oder ungenügend erhitztem, zystenhaltigem Fleisch
  • Orale Aufnahme von sporulierten Oozysten (z.B. über Katzenkot, kontaminierte Erde bei der Gartenarbeit)
  • Transplazentare Übertragung bei Erstinfektion in der Schwangerschaft

Klinische Symptomatik

Der Verlauf hängt stark vom Immunstatus ab:

  • Immunkompetente: 80–90 % der Infektionen verlaufen asymptomatisch. Selten kommt es zu grippeähnlichen Symptomen mit zervikaler Lymphadenitis.
  • Immunsupprimierte: Schwere, lebensbedrohliche Verläufe durch Reaktivierung oder Neuinfektion (z.B. Toxoplasma-Enzephalitis, interstitielle Pneumonie, okuläre Manifestation).
  • Pränatale Infektion: Tritt bei Erstinfektion der Mutter in der Schwangerschaft auf. Im 1. Trimenon ist die Transmissionsrate gering (ca. 15 %), die Schädigung des Feten aber schwer (Abort, schwere Fehlbildungen). Im 3. Trimenon ist die Transmission hoch (ca. 60 %), die Symptomatik beim Neugeborenen oft milder. Die klassische Trias umfasst Retinochoroiditis, Hydrocephalus und intrakranielle Verkalkungen.

Diagnostik

Bei Immunkompetenten und Schwangeren ist die serologische Stufendiagnostik die Methode der Wahl. Bei Immunsupprimierten sollte primär der direkte Erregernachweis mittels PCR (aus Blut, Liquor, BAL oder Biopsien) angestrebt werden, da Antikörpernachweise negativ ausfallen können.

Serologische Stufendiagnostik

  1. Suchtest: Toxoplasma-Gesamt- oder IgG-Antikörper.
  2. IgM-Test: Bei positivem IgG zur Differenzierung.
  3. Abklärungsverfahren: Bestimmung der IgG-Avidität (eine hohe Avidität schließt eine frische Infektion der letzten 3–4 Monate aus).
IgGIgMIgG-AviditätWahrscheinliches Ergebnis
positivnegativ-Inaktive, latente Infektion
positivpositivhochAbklingende oder latente (inaktive) Infektion
positivpositivgeringAkute Infektion möglich (Verlaufskontrolle nötig)

Diagnostik beim Neugeborenen: Der Nachweis von spezifischen IgM- und/oder IgA-Antikörpern im peripheren Blut gilt als Beweis für eine pränatale Infektion.

Therapie

Eine unkomplizierte, postnatal erworbene Toxoplasmose bei Immunkompetenten bedarf keiner Therapie. Behandlungsindikationen sind aktive Infektionen bei Immunsupprimierten, okuläre Toxoplasmose sowie prä- und postnatale Infektionen.

IndikationTherapieBemerkung
Schwangerschaft < 16. SSWSpiramycin (3,0 g/Tag)Zum Schutz des Feten
Schwangerschaft ≥ 16. SSWPyrimethamin + Sulfadiazin + FolinsäureMindestens 4 Wochen, ggf. bis Schwangerschaftsende
Neugeborene (symptomatisch)Pyrimethamin + Sulfadiazin + FolinsäureTherapiedauer bis zu 12 Monate
Okuläre ToxoplasmoseClindamycin (1,2–2,4 g/Tag)Alternative zur Kombinationstherapie

Prävention und Meldepflicht

Schwangere und Immunsupprimierte ohne nachgewiesene Immunität sollten folgende Regeln beachten:

  • Kein rohes oder ungenügend erhitztes Fleisch verzehren
  • Rohes Gemüse und Früchte vor dem Verzehr gründlich waschen
  • Konsequente Händehygiene nach Kontakt mit rohem Fleisch, Erde oder Sand
  • Katzenkotkästen täglich mit heißem Wasser durch Nicht-Schwangere reinigen lassen

Meldepflicht: Gemäß § 7 Abs. 3 IfSG besteht eine nichtnamentliche Meldepflicht an das RKI für den direkten oder indirekten Nachweis bei konnatalen Infektionen.

💡Praxis-Tipp

Achten Sie bei der Therapie mit Folsäure-Antagonisten (wie Pyrimethamin) in der Schwangerschaft zwingend darauf, dass Folinsäure und NICHT Folsäure supplementiert wird, da sonst die Wirksamkeit der Therapie aufgehoben wird.

Häufig gestellte Fragen

Die häufigsten Infektionswege sind der Verzehr von rohem oder ungenügend erhitztem Fleisch (z.B. Schwein, Schaf) sowie Schmutz- und Schmierinfektionen mit Katzenkot (z.B. bei der Gartenarbeit).
Mittels serologischer Stufendiagnostik. Ein positiver IgM-Befund muss durch Abklärungsverfahren (wie die IgG-Avidität) und Verlaufskontrollen nach ca. 14 Tagen in einem Speziallabor verifiziert werden.
Bis zur 16. Schwangerschaftswoche wird Spiramycin (3,0 g/Tag) zum Schutz des Feten empfohlen.
Ja, gemäß § 7 Abs. 3 IfSG besteht eine nichtnamentliche Meldepflicht an das RKI, jedoch ausschließlich für konnatale (angeborene) Infektionen.

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