Brucellose: RKI-Ratgeber zu Diagnostik & Therapie
📋Auf einen Blick
- •Brucellose ist eine Zoonose, die meist durch unpasteurisierte Milchprodukte oder direkten Tierkontakt übertragen wird.
- •Klinisch zeigt sich oft ein undulierendes Fieber; bis zu 90 % der Infektionen verlaufen jedoch subklinisch.
- •Die Diagnostik erfolgt primär über wiederholte Blutkulturen (vor Antibiotikagabe) und serologische Antikörpernachweise.
- •Die Standardtherapie besteht aus einer Kombination von Rifampicin und Doxycyclin über 6 bis 12 Wochen.
- •Monotherapien sind aufgrund hoher Rezidivraten strikt kontraindiziert.
Hintergrund
Die Brucellose ist eine weltweit verbreitete Zoonose, die durch gramnegative, intrazelluläre Bakterien der Gattung Brucella ausgelöst wird. In Deutschland gelten Rinder-, Schaf- und Ziegenbestände als amtlich brucellosefrei. Humane Erkrankungsfälle sind daher meist importiert, wobei als Infektionsland am häufigsten die Türkei oder andere Mittelmeerländer angegeben werden.
Die Übertragung erfolgt in der Regel durch den Verzehr kontaminierter, nicht pasteurisierter Milchprodukte (z.B. Schafskäse) oder durch direkten Kontakt zu infizierten Tieren. Die Brucellose gehört zudem zu den häufigsten im Labor erworbenen bakteriellen Infektionen.
| Erreger | Hauptreservoir |
|---|---|
| B. abortus | Rinder |
| B. melitensis | Schafe, Ziegen |
| B. suis | Schweine, Wildschweine |
Klinische Symptomatik
Die Inkubationszeit ist sehr variabel und beträgt 5 bis 60 Tage. Die Brucellose ist eine zyklische Allgemeininfektion mit vielfältigen Manifestationen. Eine Übertragung von Mensch zu Mensch ist extrem selten (fast ausschließlich durch Stillen).
| Verlaufsform | Charakteristika |
|---|---|
| Subklinisch | Bis zu 90 % der Fälle; nur serologisch nachweisbar. |
| Akut / Subakut | Undulierendes Fieber (7–21 Tage mit 2- bis 5-tägigen fieberfreien Intervallen), Nachtschweiß, Kopfschmerzen, Übelkeit. |
| Chronisch | Dauer > 1 Jahr; Leistungsminderung, Schweißausbrüche, depressive Episoden, Spondylitiden, Uveitiden. Hohe Rezidivrate bei inadaequater Therapie. |
| Lokalisiert | Persistierende Foki in Knochen/Gelenken (Sacroiliitis, Arthritis), Leber, Milz. Seltener Meningitis, Endokarditis oder Epididymo-Orchitis. |
Diagnostik
Die klinische Diagnose ist aufgrund der unspezifischen Symptomatik schwierig. Ein labordiagnostischer Nachweis ist zwingend erforderlich.
- Blutkulturen: Wiederholte Entnahme, idealerweise während der Fieberphase und vor Beginn der antibiotischen Therapie. Das Labor muss über den Verdacht informiert werden (Schutzstufe 3, langsames Wachstum von 2–4 Tagen).
- Serologie: IgM- und IgG-ELISA. Beweisend für eine akute Infektion ist ein Titeranstieg um 2 geometrische Verdünnungsstufen im Abstand von 2–3 Wochen.
- Kreuzreaktivität: Bei isoliertem IgM-Nachweis muss eine Kreuzreaktion ausgeschlossen werden (u.a. mit Yersinia enterocolitica O9, E. coli O157, Francisella tularensis, Vibrio cholerae).
- PCR: Gattungsspezifische PCR, gefolgt von speziesspezifischer PCR.
Therapie
Monotherapien sind aufgrund hoher Rezidivraten in jedem Fall kontraindiziert.
| Indikation | Therapieschema | Dauer | Bemerkung |
|---|---|---|---|
| Standardtherapie | Doxycyclin + Rifampicin | 6–12 Wochen | - |
| Kontraindikation für Doxycyclin (Kinder, Schwangerschaft) | Cotrimoxazol + Rifampicin | 6–12 Wochen | - |
| Komplizierte Verläufe (Endokarditis, Neurobrucellose, Gelenkbefall) | Erweiterte Kombinationstherapie | > 12 Wochen | Ggf. chirurgische Intervention (Knochen, Herzklappen) erforderlich |
Meldepflicht
Nach § 7 Abs. 1 IfSG ist der direkte oder indirekte Nachweis von Brucella sp., soweit er auf eine akute Infektion hinweist, dem Gesundheitsamt namentlich zu melden (spätestens 24 Stunden nach erlangter Kenntnis). Zudem muss bei begründetem Verdacht auf eine Berufskrankheit eine Anzeige an den Träger der Unfallversicherung erfolgen.
💡Praxis-Tipp
Denken Sie bei unklarem, undulierendem Fieber und Reiserückkehrern aus dem Mittelmeerraum (insb. Türkei) an eine Brucellose. Informieren Sie das mikrobiologische Labor zwingend vorab über den Verdacht, da Brucellen ein hohes Infektionsrisiko für das Laborpersonal darstellen (Risikogruppe 3).