Chlamydiosen (C. psittaci & pneumoniae): RKI-Ratgeber
📋Auf einen Blick
- •Chlamydophila psittaci (Ornithose) wird durch Vögel übertragen und verursacht atypische Pneumonien; es besteht eine namentliche Meldepflicht.
- •Chlamydophila pneumoniae wird von Mensch zu Mensch übertragen und ist eine häufige Ursache ambulant erworbener Pneumonien.
- •Die PCR aus respiratorischen Sekreten ist für alle Erreger das diagnostische Mittel der Wahl.
- •Serologische Befunde bei C. pneumoniae sind aufgrund der hohen Durchseuchung der Bevölkerung oft schwer zu interpretieren.
- •Mittel der Wahl für alle drei Erreger ist Doxycyclin für 10 bis 21 Tage.
Hintergrund
Die Gattung Chlamydophila (Cp.) umfasst neben tierpathogenen Arten auch die humanpathogenen Erreger Cp. psittaci und Cp. pneumoniae. Zudem gehört Simkania negevensis zur Ordnung der Chlamydiales und verursacht ebenfalls respiratorische Infektionen. Alle Chlamydien sind obligat intrazelluläre, gramnegative Bakterien mit einem komplexen Reproduktionszyklus (infektiöse Elementarkörperchen und stoffwechselaktive Retikularkörperchen). Sie entgehen dadurch bestimmten Formen der wirtseigenen Abwehr.
Erreger und Epidemiologie
| Erreger | Reservoir | Übertragungsweg | Inkubationszeit |
|---|---|---|---|
| Cp. psittaci | Vögel (Papageien, Tauben, Geflügel) | Aerogen (Staub, Kot, Federn) oder direkter Kontakt | 1–4 Wochen |
| Cp. pneumoniae | Mensch | Aerogen, Speichelkontakt (Mensch zu Mensch) | 1–4 Wochen |
| S. negevensis | Mensch (vermutet), Amöben | Aerogen (Mensch zu Mensch) | Unbekannt |
Klinische Symptomatik
Die klinischen Verläufe variieren je nach Erreger, betreffen aber primär den Respirationstrakt:
- Cp. psittaci (Ornithose/Psittakose): Abrupter Beginn mit Schüttelfrost, hohem Fieber, Kopf- und Muskelschmerzen. Häufig entwickelt sich ein trockener Reizhusten und eine interstitielle Pneumonie. Bei bis zu 70 % der Patienten besteht eine Splenomegalie. Komplikationen umfassen Myo-, Peri- und Endokarditis sowie ZNS-Beteiligungen. Ein MALT-Lymphom im Bereich der Tränenkanäle sollte an eine Ornithose denken lassen.
- Cp. pneumoniae: Häufig asymptomatisch. Verursacht akute und chronische Infekte der oberen Atemwege (Pharyngitis, Sinusitis) sowie ambulant erworbene Pneumonien (geschätzt 5–15 % aller Fälle).
- S. negevensis: Vorwiegend respiratorische Infektionen bei Kindern (Bronchiolitis, Asthma) sowie ambulant erworbene Pneumonien bei Erwachsenen.
Diagnostik
Der kulturelle Nachweis ist schwierig und bei Cp. psittaci wegen der hohen Infektionsgefahr (Sicherheitsstufe 3) Speziallaboren vorbehalten. Antigen-Nachweisverfahren (wie direkte Immunfluoreszenz) werden für die Humandiagnostik nicht empfohlen.
| Erreger | Methode der Wahl | Serologie / Antikörper |
|---|---|---|
| Cp. psittaci | PCR (aus respiratorischen Proben/Gewebe) | MIF (Referenzmethode). Routine-ELISA oft unspezifisch. |
| Cp. pneumoniae | PCR (aus BAL, Sputum, Rachenspülwasser) | Oft verwirrend wegen hoher Durchseuchung. Nur hohe Titer + passende Klinik sind verwertbar. |
| S. negevensis | PCR | Indirekte Immunfluoreszenz (bislang keine kommerziellen Tests). |
Therapie
Für alle drei Erreger gelten dieselben therapeutischen Prinzipien.
| Stufe | Therapie | Bemerkung |
|---|---|---|
| Mittel der Wahl | Tetrazykline (Doxycyclin) | Therapiedauer: 10–21 Tage |
| Alternative | Makrolide (Erythromycin, Azithromycin) | - |
| Alternative | Neuere Chinolone | - |
Meldepflicht und Prävention
- Cp. psittaci: Der direkte oder indirekte Nachweis ist bei Hinweis auf eine akute Infektion nach § 7 IfSG namentlich meldepflichtig. Erkrankungen in Vogelbeständen sind ebenfalls meldepflichtig.
- Cp. pneumoniae & S. negevensis: Es besteht in Deutschland keine krankheits- oder erregerspezifische Meldepflicht.
- Prävention (Ornithose): Bei befallenen Vogelbeständen muss das Personal Schutzkleidung sowie Mund- und Nasenschutz tragen, da bereits kurzfristiger Kontakt mit kontaminiertem Staub infektiös ist.
💡Praxis-Tipp
Bei unklaren atypischen Pneumonien und anamnestischem Vogelkontakt (auch kurzfristig) sollten Sie an eine Ornithose (C. psittaci) denken und gezielt eine PCR anfordern. Verlassen Sie sich bei C. pneumoniae nicht auf die Serologie, da diese aufgrund der hohen Durchseuchung oft nicht aussagekräftig ist.