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Chlamydiosen (C. psittaci & pneumoniae): RKI-Ratgeber

KI-generierte Zusammenfassung · Basiert auf RKI Leitlinie · Erstellt: April 2026 · Keine Diagnose- oder Therapieempfehlung

📋Auf einen Blick

  • Chlamydophila psittaci (Ornithose) wird durch Vögel übertragen und verursacht atypische Pneumonien; es besteht eine namentliche Meldepflicht.
  • Chlamydophila pneumoniae wird von Mensch zu Mensch übertragen und ist eine häufige Ursache ambulant erworbener Pneumonien.
  • Die PCR aus respiratorischen Sekreten ist für alle Erreger das diagnostische Mittel der Wahl.
  • Serologische Befunde bei C. pneumoniae sind aufgrund der hohen Durchseuchung der Bevölkerung oft schwer zu interpretieren.
  • Mittel der Wahl für alle drei Erreger ist Doxycyclin für 10 bis 21 Tage.
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Hintergrund

Die Gattung Chlamydophila (Cp.) umfasst neben tierpathogenen Arten auch die humanpathogenen Erreger Cp. psittaci und Cp. pneumoniae. Zudem gehört Simkania negevensis zur Ordnung der Chlamydiales und verursacht ebenfalls respiratorische Infektionen. Alle Chlamydien sind obligat intrazelluläre, gramnegative Bakterien mit einem komplexen Reproduktionszyklus (infektiöse Elementarkörperchen und stoffwechselaktive Retikularkörperchen). Sie entgehen dadurch bestimmten Formen der wirtseigenen Abwehr.

Erreger und Epidemiologie

ErregerReservoirÜbertragungswegInkubationszeit
Cp. psittaciVögel (Papageien, Tauben, Geflügel)Aerogen (Staub, Kot, Federn) oder direkter Kontakt1–4 Wochen
Cp. pneumoniaeMenschAerogen, Speichelkontakt (Mensch zu Mensch)1–4 Wochen
S. negevensisMensch (vermutet), AmöbenAerogen (Mensch zu Mensch)Unbekannt

Klinische Symptomatik

Die klinischen Verläufe variieren je nach Erreger, betreffen aber primär den Respirationstrakt:

  • Cp. psittaci (Ornithose/Psittakose): Abrupter Beginn mit Schüttelfrost, hohem Fieber, Kopf- und Muskelschmerzen. Häufig entwickelt sich ein trockener Reizhusten und eine interstitielle Pneumonie. Bei bis zu 70 % der Patienten besteht eine Splenomegalie. Komplikationen umfassen Myo-, Peri- und Endokarditis sowie ZNS-Beteiligungen. Ein MALT-Lymphom im Bereich der Tränenkanäle sollte an eine Ornithose denken lassen.
  • Cp. pneumoniae: Häufig asymptomatisch. Verursacht akute und chronische Infekte der oberen Atemwege (Pharyngitis, Sinusitis) sowie ambulant erworbene Pneumonien (geschätzt 5–15 % aller Fälle).
  • S. negevensis: Vorwiegend respiratorische Infektionen bei Kindern (Bronchiolitis, Asthma) sowie ambulant erworbene Pneumonien bei Erwachsenen.

Diagnostik

Der kulturelle Nachweis ist schwierig und bei Cp. psittaci wegen der hohen Infektionsgefahr (Sicherheitsstufe 3) Speziallaboren vorbehalten. Antigen-Nachweisverfahren (wie direkte Immunfluoreszenz) werden für die Humandiagnostik nicht empfohlen.

ErregerMethode der WahlSerologie / Antikörper
Cp. psittaciPCR (aus respiratorischen Proben/Gewebe)MIF (Referenzmethode). Routine-ELISA oft unspezifisch.
Cp. pneumoniaePCR (aus BAL, Sputum, Rachenspülwasser)Oft verwirrend wegen hoher Durchseuchung. Nur hohe Titer + passende Klinik sind verwertbar.
S. negevensisPCRIndirekte Immunfluoreszenz (bislang keine kommerziellen Tests).

Therapie

Für alle drei Erreger gelten dieselben therapeutischen Prinzipien.

StufeTherapieBemerkung
Mittel der WahlTetrazykline (Doxycyclin)Therapiedauer: 10–21 Tage
AlternativeMakrolide (Erythromycin, Azithromycin)-
AlternativeNeuere Chinolone-

Meldepflicht und Prävention

  • Cp. psittaci: Der direkte oder indirekte Nachweis ist bei Hinweis auf eine akute Infektion nach § 7 IfSG namentlich meldepflichtig. Erkrankungen in Vogelbeständen sind ebenfalls meldepflichtig.
  • Cp. pneumoniae & S. negevensis: Es besteht in Deutschland keine krankheits- oder erregerspezifische Meldepflicht.
  • Prävention (Ornithose): Bei befallenen Vogelbeständen muss das Personal Schutzkleidung sowie Mund- und Nasenschutz tragen, da bereits kurzfristiger Kontakt mit kontaminiertem Staub infektiös ist.

💡Praxis-Tipp

Bei unklaren atypischen Pneumonien und anamnestischem Vogelkontakt (auch kurzfristig) sollten Sie an eine Ornithose (C. psittaci) denken und gezielt eine PCR anfordern. Verlassen Sie sich bei C. pneumoniae nicht auf die Serologie, da diese aufgrund der hohen Durchseuchung oft nicht aussagekräftig ist.

Häufig gestellte Fragen

Mittel der Wahl ist Doxycyclin für 10 bis 21 Tage. Alternativ können Makrolide (wie Erythromycin, Azithromycin) oder neuere Chinolone eingesetzt werden.
Nein, für C. pneumoniae und Simkania negevensis besteht in Deutschland keine krankheits- oder erregerspezifische Meldepflicht.
Der direkte oder indirekte Nachweis von Chlamydia psittaci ist nach § 7 IfSG namentlich meldepflichtig, sofern er auf eine akute Infektion hinweist.
Das Verfahren der Wahl ist die PCR aus tiefen Atemwegssekreten (z.B. BAL, Sputum). Antikörpernachweise sind wegen der hohen Durchseuchung der Bevölkerung oft schwer interpretierbar.
Neben der interstitiellen Pneumonie kann es zu einer Splenomegalie (bei bis zu 70% der Patienten), Myo-, Peri- und Endokarditis sowie ZNS-Beteiligungen kommen.

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