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Legionellose (Legionärskrankheit): RKI-Ratgeber

KI-generierte Zusammenfassung · Basiert auf RKI Leitlinie · Erstellt: April 2026 · Keine Diagnose- oder Therapieempfehlung

📋Auf einen Blick

  • Legionellen werden aerogen durch kontaminierte Aerosole (z.B. aus Duschen oder Rückkühlwerken) übertragen.
  • Die Legionärskrankheit verläuft als schwere Pneumonie, das Pontiac-Fieber als selbstlimitierender grippaler Infekt.
  • Der Urin-Antigen-Test erfasst primär L. pneumophila Serogruppe 1 und ist für nosokomiale Infektionen unzureichend.
  • Mittel der Wahl bei schwerer Legionellen-Pneumonie sind Levofloxacin oder Moxifloxacin; Betalaktame sind unwirksam.
  • Der direkte oder indirekte Erregernachweis ist nach § 7 IfSG namentlich meldepflichtig.
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Hintergrund

Legionellen sind gramnegative, aerobe Bakterien der Familie Legionellaceae. Der humanpathogen wichtigste Erreger ist Legionella pneumophila (meist Serogruppe 1). Die Bakterien vermehren sich fakultativ intrazellulär – in der Umwelt vor allem in Amöben, im Menschen in Makrophagen.

Ideale Wachstumsbedingungen herrschen bei Wassertemperaturen zwischen 25 und 45 °C. Ab 55 °C wird das Wachstum gehemmt, oberhalb von 60 °C sterben die Erreger ab.

Übertragungswege und Inkubationszeit

Die Infektion erfolgt primär aerogen durch das Einatmen fein zerstäubter, kontaminierter Wassernebel (Aerosole) oder seltener durch Mikroaspiration. Typische Infektionsquellen sind offene Rückkühlwerke, Verdunstungskühlanlagen, Whirlpools und kontaminierte Trinkwassersysteme (z. B. Duschen). Das reine Schlucken von kontaminiertem Wasser führt nicht zur Infektion. Eine Mensch-zu-Mensch-Übertragung findet in der Praxis nicht statt.

Klinische Krankheitsbilder

Die Legionellose manifestiert sich in zwei unterschiedlichen Verlaufsformen:

KrankheitsbildInkubationszeitSymptomatikLetalität
Legionärskrankheit2-10 Tage (selten bis 16 Tage)Schwere Pneumonie, teils mit Verwirrtheit, Abdominalschmerzen oder Durchfällen5-13 %
Pontiac-Fieber5-72 StundenAkuter fiebriger, grippaler Infekt ohne Pneumonie (Husten, Kopf-/Gliederschmerzen)0 % (selbstlimitierend)

Diagnostik

Bei mittelschweren bis schweren Pneumonien hospitalisierter Patienten sollte eine Erregerdiagnostik (Blutkultur und Urin-Antigen-Test) erfolgen.

MethodeMaterialSensitivität / SpezifitätBemerkung
Urin-Antigen-Test (UAT)UrinSpezifität >99%, Sens. 60-95%Erfasst primär L. pneumophila Serogruppe 1. Für nosokomiale Infektionen nicht empfohlen.
PCRTiefe Atemwegsproben (BAL, Sputum)Sehr hochMethode der Wahl für respiratorische Materialien. Für Urin ungeeignet.
KulturTiefe Atemwegsproben, GewebeGoldstandardDauert mehrere Tage. Zwingend erforderlich für Typisierung und Quellensuche.
Direkte ImmunfluoreszenzSputum, TrachealsekretGering (20-60%)Eignet sich für Lungengewebe bei frischer Pneumonie.
  • Serologie: Zur Akutdiagnostik nicht sinnvoll, da ein beweisender Titeranstieg oft erst in der 6.-8. Krankheitswoche erfolgt.

Therapie

IndikationTherapie der WahlBemerkung
Schwere Legionellen-PneumonieLevofloxacin oder MoxifloxacinRote-Hand-Brief zu Fluorchinolonen beachten!
Milde Legionellen-PneumonieMakrolide (Azithromycin, Clarithromycin)Betalaktam-Antibiotika sind unwirksam.
Pontiac-FieberSymptomatischKeine Antibiotikatherapie erforderlich.

Meldepflicht

Nach § 7 Abs. 1 IfSG ist der direkte oder indirekte Nachweis von Legionella spp., soweit er auf eine akute Infektion hinweist, namentlich an das Gesundheitsamt zu melden. Die Meldung muss spätestens 24 Stunden nach erlangter Kenntnis erfolgen.

💡Praxis-Tipp

Ein negativer Urin-Antigen-Test schließt eine nosokomiale Legionellen-Pneumonie nicht aus, da hier oft andere Serogruppen ursächlich sind. Führen Sie bei Verdacht zusätzlich eine PCR aus tiefen Atemwegsproben durch.

Häufig gestellte Fragen

Nein, Betalaktam-Antibiotika sind unwirksam, da sie keine ausreichende Wirkung auf intrazelluläre Erreger wie Legionellen haben.
Die Antigenausscheidung beginnt bereits 24 Stunden nach Symptombeginn und persistiert meist 2 bis 6 Wochen, auch unter einer bereits eingeleiteten Antibiotikatherapie.
Nein, eine Mensch-zu-Mensch-Übertragung spielt in der Praxis keine Rolle. Es sind keine speziellen Isolationsmaßnahmen über die Basishygiene hinaus erforderlich.
Bei Wassertemperaturen über 55 °C wird das Wachstum gehemmt, oberhalb von 60 °C sterben die Bakterien ab.

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