MRSA & Staphylokokken: RKI-Ratgeber Leitlinie
📋Auf einen Blick
- •Die Methicillin-Resistenz (MRSA) beruht auf dem mecA-Gen (PBP2a) und bedingt eine Kreuzresistenz gegen alle Beta-Laktam-Antibiotika.
- •Die Übertragung erfolgt meist exogen über die Hände des medizinischen Personals, Hauptreservoir ist der Nasen-Rachen-Raum.
- •Zur Sanierung einer nasalen Besiedlung ist Mupirocin-Nasensalbe das Standardverfahren.
- •Der direkte Nachweis von MRSA in Blut oder Liquor ist nach § 7 IfSG namentlich meldepflichtig.
- •Ambulant erworbene MRSA (cMRSA) verursachen oft tiefe Hautinfektionen und bilden häufig das Panton-Valentin-Leukozidin (PVL).
Hintergrund
Staphylococcus aureus ist ein grampositiver, fakultativ pathogener Erreger, der Haut und Schleimhäute (insbesondere den Nasenvorhof) besiedelt. Die Methicillin-Resistenz (MRSA) entsteht durch die Bildung des modifizierten Penicillinbindeproteins PBP2a (kodiert durch das mecA-Gen). Dies führt zu einer Kreuzresistenz gegen alle Beta-Laktam-Antibiotika.
Neben den klassischen krankenhausassoziierten Stämmen (HA-MRSA) treten zunehmend ambulant erworbene Stämme (community-acquired, cMRSA) auf. Diese sind häufig mit tiefgehenden Haut- und Weichteilinfektionen assoziiert und bilden oft das makrophagenschädigende Panton-Valentin-Leukozidin (PVL).
Klinische Symptomatik
Die durch S. aureus und MRSA verursachten Krankheitsbilder lassen sich in zwei Hauptgruppen unterteilen:
| Erkrankungstyp | Beispiele | Pathomechanismus / Auslöser |
|---|---|---|
| Pyogene/Invasive Infektionen | Furunkel, Abszesse, Pneumonie, Osteomyelitis, Sepsis, Endokarditis | Direkte Infektion, oft begünstigt durch Fremdkörper (Katheter, Gelenkersatz) oder Wunden. |
| Toxin-vermittelt: SSSS | Dermatitis exfoliativa (Ritter von Rittershain), bullöse Impetigo | Exfoliative Toxine (ETA, ETB, ETC) führen zur intradermalen Spaltbildung. |
| Toxin-vermittelt: TSS | Toxisches Schock-Syndrom (Fieber, Exanthem, Hypotonie, Multiorganversagen) | Superantigene, primär das Toxic-shock-syndrome-Toxin-1 (TSST-1). |
| Lebensmittelintoxikation | Übelkeit, Erbrechen, Diarrhoe (Inkubationszeit 2-6h) | Hitzestabile Enterotoxine in kontaminierten Lebensmitteln. |
Diagnostik
Für die Diagnose MRSA muss sowohl die Spezies S. aureus als auch die Oxacillin- bzw. Cefoxitin-Resistenz einwandfrei nachgewiesen werden.
| Diagnostik-Ziel | Phänotypische Verfahren | Genotypische Verfahren (Referenz) |
|---|---|---|
| Spezies (S. aureus) | Koagulase-Test, Agglutination, Automaten (VITEK-2, Phoenix) | 16S rRNA Sequenzierung, nuc-Gen PCR |
| Resistenz (MRSA) | MHK-Bestimmung, Cefoxitin-Testblättchen | mecA-Gen PCR |
Sanierung und Therapie
Eine Sanierung von MRSA-Trägern ist grundsätzlich zu empfehlen, um Infektionen und Weiterverbreitung zu verhindern.
- Nasale Besiedlung: Standardverfahren ist die Anwendung von Mupirocin-Nasensalbe.
- Haut und Rachen: Zusätzlich desinfizierende Mundspülungen und Ganzkörperwaschungen (inklusive Haare) mit antiseptischen Seifen/Lösungen.
- Erfolgskontrolle: Ab dem Folgetag nach Beendigung der Therapie müssen drei negative Kontrollabstriche an aufeinanderfolgenden Tagen entnommen werden (mindestens Nase, Rachen, Wunden).
Prävention und Hygienemaßnahmen
Im klinischen Bereich ist ein konsequentes MRSA-Management essenziell:
- Frühzeitiges Screening von Risikopatienten.
- Konsequente (Kohorten-)Isolierung von MRSA-kolonisierten oder -infizierten Patienten.
- Strikte Einhaltung der Händehygiene und Tragen von Schutzkleidung bei möglichem Kontakt mit Sekreten.
- Vorabinformation der Zieleinrichtung bei Verlegungen.
Meldepflicht
Gemäß § 7 Abs. 1 IfSG ist der direkte Nachweis von MRSA in Blut oder in Liquor namentlich meldepflichtig. Die Meldung muss dem Gesundheitsamt spätestens 24 Stunden nach erlangter Kenntnis vorliegen.
💡Praxis-Tipp
Führen Sie die mikrobiologische Erfolgskontrolle nach einer MRSA-Sanierung frühestens am Folgetag nach Therapieende durch. Es sind zwingend drei negative Abstriche an drei aufeinanderfolgenden Tagen erforderlich.