PEG S2k-Leitlinie: Therapie von Haut- & Weichgewebeinfektion
Hintergrund
Bakterielle Haut- und Weichgewebeinfektionen (HWGI) gehören weltweit zu den häufigsten Infektionen und zeigen laut PEG S2k-Leitlinie ein breites klinisches Spektrum, das von oberflächlichen Pyodermien bis zur lebensbedrohlichen Myonekrose reicht. Die Leitlinie betont, dass die Einteilung häufig nach Schweregraden und der Notwendigkeit einer chirurgischen Intervention erfolgt. Gemäß der Leitlinie ist die klinische Abgrenzung verschiedener Entitäten wie Erysipel, begrenzte Phlegmone und schwere Phlegmone für die Therapieentscheidung essenziell, auch wenn international unterschiedliche Definitionen (wie der Begriff "Cellulitis") existieren. Zudem wird darauf hingewiesen, dass bei ausbleibendem Therapieerfolg einer kalkulierten Initialtherapie stets eine gezielte Behandlung nach Erregernachweis und Empfindlichkeitsprüfung erfolgen soll. Indikationen für eine parenterale Antibiotikagabe sind laut Leitlinie unter anderem schwere Infektionen mit systemischen Zeichen, kritische Lokalisationen (z.B. Gesicht oder Hände), relevante Immunsuppression oder Komorbiditäten wie Durchblutungsstörungen.
Empfehlungen
Die PEG S2k-Leitlinie formuliert spezifische Empfehlungen für die kalkulierte parenterale Initialtherapie verschiedener HWGI-Entitäten:
Abszesse
Laut Leitlinie ist die Inzision und Drainage die primäre und wichtigste Therapie. Eine zusätzliche Antibiotikagabe wird nur bei bestimmten Indikationen empfohlen, wie beispielsweise bei Lokalisation im Gesicht oder an den Händen, bei diffuser Ausbreitung (Phlegmone), Immunsuppression oder bei systemischen Symptomen.
Erysipel
Bei einem unkomplizierten Erysipel ist gemäß Leitlinie eine orale Therapie mit Penicillin V ausreichend. Bei komplizierten Verläufen (z.B. hämorrhagisch, nekrotisierend) oder Lokalisation im Gesicht wird eine parenterale Gabe von Penicillin G als Mittel der Wahl empfohlen.
Begrenzte Phlegmone
Hier empfiehlt die Leitlinie als Mittel der ersten Wahl Cefazolin oder Flucloxacillin. Bei stark kontaminierten Eintrittspforten wird Cefuroxim genannt.
Schwere Phlegmone
Neben der dringlichen chirurgischen Sanierung wird laut Leitlinie eine hochdosierte parenterale Therapie mit Cefazolin, Flucloxacillin oder Cefuroxim empfohlen. Bei Verdacht auf polymikrobielle Infektionen (z.B. mit gramnegativen Erregern und Anaerobiern) werden Breitspektrumantibiotika wie Ampicillin/Sulbactam oder Amoxicillin/Clavulansäure herangezogen.
Nekrotisierende Weichgewebeinfektionen
Die Leitlinie stuft diese als vital bedrohlich ein. Es wird ein sofortiges radikales chirurgisches Debridement in Kombination mit einer hochdosierten Breitspektrum-Antibiotikatherapie (z.B. Piperacillin/Tazobactam oder Carbapeneme) empfohlen. Zusätzlich wird die Gabe von Clindamycin oder Linezolid empfohlen, um die bakterielle Toxinbildung zu hemmen.
Bissverletzungen
Gemäß Leitlinie ist bei infizierten Hunde- und Katzenbissen sowie Menschenbissen ein Aminopenicillin plus Beta-Lactamase-Inhibitor das Mittel der ersten Wahl.
MRSA-Infektionen
Bei Verdacht auf Hospital-assoziierte MRSA (HA-MRSA) nennt die Leitlinie Linezolid oder Daptomycin als erste Wahl.
Dosierung
Die PEG-Leitlinie gibt folgende Dosierungsempfehlungen für die parenterale Initialtherapie bei Erwachsenen an. Es wird explizit darauf hingewiesen, dass bei kritisch kranken Patienten aufgrund veränderter Pharmakokinetik oft höhere Dosen erforderlich sind.
| Indikation | Antibiotikum | Standarddosierung (i.v.) |
|---|---|---|
| Kompliziertes Erysipel | Penicillin G | 3x 10 Mio. IE/Tag (für 7-10 Tage) |
| Begrenzte Phlegmone (unkompliziert) | Cefazolin | 4x 0,5 g oder 2x 1 g/Tag |
| Begrenzte Phlegmone (unkompliziert) | Flucloxacillin | 3x 1 g oder 4x 1 g/Tag |
| Schwere Phlegmone | Cefuroxim | 3x 1,5 g/Tag (bis 3x 3 g bei schweren Verläufen) |
| Schwere Phlegmone (polymikrobiell) | Ampicillin/Sulbactam | 3x 3 g/Tag |
| MRSA-Verdacht (HA-MRSA) | Linezolid | Erste Wahl laut Leitlinie (Dosierung nach Fachinformation) |
Kontraindikationen
Die Leitlinie warnt vor dem Einsatz von Penicillinen, Cephalosporinen (Gruppe 1-4) und Carbapenemen, wenn der Verdacht auf eine MRSA-Infektion besteht, da diese hierbei laut Leitlinie keine Option zur kalkulierten Therapie darstellen. Zudem wird darauf hingewiesen, dass Flucloxacillin ein genetisch determiniertes Risiko für eine Hepatopathie aufweist und daher nicht länger als 14 Tage gegeben werden sollte. Bei einer Penicillin-Allergie empfiehlt die Leitlinie alternative Substanzen wie Clindamycin, Makrolide oder Fluorchinolone (z.B. Moxifloxacin), wobei bei Moxifloxacin auf das Risiko von Torsade-de-Pointes-Tachykardien und Leberreaktionen hingewiesen wird.
💡Praxis-Tipp
Laut PEG-Leitlinie ist bei Bissverletzungen das mikrobiologische Labor gezielt über die Art der Verletzung (z.B. Tierbiss) zu informieren, da hierbei Erreger zu berücksichtigen sind, die nicht dem üblichen humanadaptierten Spektrum entsprechen.
Häufig gestellte Fragen
Gemäß Leitlinie ist die Inzision und Drainage die wichtigste Maßnahme. Eine zusätzliche Antibiotikagabe wird unter anderem bei Lokalisation im Gesicht oder an den Händen, bei diffuser Ausbreitung, Immunsuppression oder systemischen Symptomen empfohlen.
Die Leitlinie empfiehlt bei einem unkomplizierten Erysipel Penicillin V oral. Bei komplizierten Verläufen wird die parenterale Gabe von Penicillin G als Mittel der Wahl genannt.
Laut Leitlinie ist bei infizierten Hunde-, Katzen- und Menschenbissen ein Aminopenicillin kombiniert mit einem Beta-Lactamase-Inhibitor das Mittel der ersten Wahl.
Es wird ein sofortiges chirurgisches Debridement empfohlen, begleitet von einer hochdosierten Breitspektrum-Antibiotikatherapie. Zusätzlich wird laut Leitlinie der Einsatz von Clindamycin oder Linezolid empfohlen, um die bakterielle Toxinbildung zu hemmen.
Bei Verdacht auf Hospital-assoziierte MRSA (HA-MRSA) nennt die Leitlinie Linezolid oder Daptomycin als Mittel der ersten Wahl.
Quelle: PEG S2k Kalkulierte parenterale Initialtherapie - Haut- und Weichgewebeinfektionen (PEG). Originaldokument ansehen
KI-generierte Zusammenfassung. Keine Diagnose- oder Therapieempfehlung. Die klinische Entscheidung trifft der behandelnde Arzt.