Streptococcus pyogenes (GAS): RKI-Ratgeber
📋Auf einen Blick
- •S. pyogenes verursacht lokale (Pharyngitis, Impetigo), toxinvermittelte (Scharlach, STSS) und immunologische Erkrankungen (Rheumatisches Fieber).
- •Mittel der Wahl ist Penicillin für 10 Tage; Resistenzen gegen β-Laktame sind weltweit nicht bekannt.
- •Die Ansteckungsfähigkeit erlischt 24 Stunden nach Beginn einer wirksamen antibiotischen Therapie.
- •Bei schweren systemischen Infektionen wird Penicillin G mit Clindamycin und Immunglobulinen kombiniert.
- •Ein negativer Antigen-Schnelltest sollte bei klinischem Verdacht durch eine Kultur abgesichert werden.
Hintergrund
Streptococcus pyogenes (Gruppe-A-Streptokokken, GAS) ist ein grampositives, β-hämolysierendes Bakterium und ein fast ausschließlich humanpathogener Erreger. Die Übertragung erfolgt primär durch direkten oder indirekten Kontakt sowie durch erregerhaltige Tröpfchen. Die Inkubationszeit beträgt 1 bis 3 Tage.
Unbehandelt sind Patienten bis zu 3 Wochen kontagiös. Nach Beginn einer wirksamen antibiotischen Therapie erlischt die Ansteckungsfähigkeit in der Regel nach 24 Stunden.
Klinische Manifestationen
S. pyogenes verursacht ein breites Spektrum an Erkrankungen, die in drei Hauptkategorien unterteilt werden:
| Kategorie | Krankheitsbilder | Merkmale & Komplikationen |
|---|---|---|
| Lokale eitrige Infektionen | Tonsillopharyngitis, Impetigo contagiosa, Erysipel, Phlegmone, nekrotisierende Fasziitis | Häufigste bakterielle Pharyngitis im Kindesalter; Impetigo oft im Gesicht/an Beinen. |
| Toxinvermittelte Infektionen | Scharlach, Streptokokken-Toxic-Shock-Syndrom (STSS), Sepsis | Scharlach: Exanthem, periorale Blässe, Himbeerzunge. STSS: Schock, Multiorganversagen (Letalität ~30%). |
| Immunologische Folgeerkrankungen | Akutes rheumatisches Fieber (ARF), akute Glomerulonephritis (AGN), neurologische Störungen (OCDs) | ARF: Latenz ca. 19 Tage nach Racheninfektion. AGN: Latenz 10 Tage (Rachen) bis 3 Wochen (Haut). |
Diagnostik
Eine gezielte Labordiagnostik wird bei Kindern über 3 Jahren mit Halsschmerzen, Fieber und geschwollenen Lymphknoten empfohlen. Bei vorwiegend viralen Symptomen (Rhinitis, Husten) ist sie nicht indiziert.
- Antigen-Schnelltest: Sehr spezifisch, aber weniger sensitiv. Bei positivem Ergebnis ist eine Therapie indiziert. Bei negativem oder uneindeutigem Ergebnis sollte eine kulturelle oder molekularbiologische Untersuchung (PCR) folgen.
- Kultur: Methode der Wahl (Schafblutagar) zum Nachweis und zur Serogruppenbestimmung.
- Antikörpernachweis: Anti-Streptolysin-O und Anti-DNase-B sind nur bei Verdacht auf Folgeerkrankungen (ARF, AGN) sinnvoll. Erhöhte Anti-DNase-B-Werte deuten auf vorangegangene Hautinfektionen hin.
Therapie
Weltweit sind keine Resistenzen von S. pyogenes gegen β-Laktam-Antibiotika bekannt. Cotrimoxazol und Chinolone (außer Moxifloxacin) wirken nicht zuverlässig.
| Indikation | Therapie der Wahl | Alternative / Bemerkung |
|---|---|---|
| Rachen- und Hautinfektionen | Penicillin, Amoxicillin oder Ampicillin (10 Tage) | Orale Cephalosporine (5 Tage bei Kindern gleichwertig). |
| Penicillin-Allergie | Makrolide z.B. Erythromycin (5-10 Tage) | Achtung: Resistenzraten regional bei 10-30%, Resistenztestung dringend empfohlen! |
| Schwere systemische Infektionen (Sepsis, STSS, nekrotisierende Fasziitis) | Penicillin G parenteral + Clindamycin + Immunglobuline | Intensivmedizinische Behandlung erforderlich. |
| Rheumatisches Fieber | Penicillin (Rezidivprophylaxe) | Mindestens 5 Jahre, nach Rezidiv lebenslang. |
Infektionsschutz und Hygienemaßnahmen
Gemäß § 34 IfSG dürfen erkrankte Personen (z. B. an Scharlach oder Impetigo contagiosa) Gemeinschaftseinrichtungen nicht betreten. Eine Wiederzulassung ist frühestens 24 Stunden nach Beginn einer wirksamen Antibiotikatherapie und Abklingen der Symptome möglich. Ohne Antibiose erst 24 Stunden nach Abklingen der spezifischen Symptome.
Für enge Kontaktpersonen von schwerwiegend Erkrankten (Sepsis, STSS, nekrotisierende Fasziitis) wird eine Chemoprophylaxe empfohlen.
💡Praxis-Tipp
Verlassen Sie sich bei einem negativen Streptokokken-Schnelltest und starkem klinischem Verdacht nicht auf das Ergebnis, sondern sichern Sie die Diagnose mittels Kultur ab. Bei Penicillin-Allergie und geplanter Makrolid-Gabe sollte aufgrund hoher regionaler Resistenzraten (bis >30%) unbedingt ein Antibiogramm angefordert werden.