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Clostridioides difficile: Leitlinie & Hygiene (RKI)

KI-generierte Zusammenfassung · Basiert auf RKI Leitlinie · Erstellt: April 2026 · Keine Diagnose- oder Therapieempfehlung

📋Auf einen Blick

  • C. difficile verursacht über 95 % der pseudomembranösen Kolitiden und 15-20 % der Antibiotika-assoziierten Diarrhöen.
  • Eine mikrobiologische Diagnostik ist ausschließlich bei symptomatischen Patienten indiziert.
  • Ein schwerer Verlauf liegt u.a. bei Intensivpflichtigkeit, Kolektomie oder Tod innerhalb von 30 Tagen vor.
  • Aufgrund der Alkoholresistenz der Sporen ist nach der Händedesinfektion zwingend eine Waschung mit Wasser und Seife erforderlich.
  • Isolierungsmaßnahmen sollten bis 48 Stunden nach Sistieren der Durchfälle aufrechterhalten werden.
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Hintergrund

Clostridioides (früher Clostridium) difficile ist ein obligat anaerobes, grampositives Stäbchenbakterium, das aerotolerante Sporen bildet. Diese Sporen sind resistent gegen Wärme, Austrocknung und viele Desinfektionsmittel. Krankheitsauslösend wirken die Virulenzfaktoren Enterotoxin A und Cytotoxin B.

Während der Erreger bei Kleinkindern häufig (bis zu 80 %) zur normalen Darmflora gehört, ist er bei Erwachsenen selten (≤ 5 %) zu finden. Nach einer Krankenhausaufnahme steigt die Besiedlungsrate jedoch rasch auf 20-40 % an. Die Übertragung erfolgt fäkal-oral durch direkten oder indirekten Kontakt mit Sporen.

Klinische Symptomatik

Die Symptomatik setzt in der Regel abrupt ein. Ein paralytischer Ileus kann bei schweren Verläufen (oft postoperativ unter Opiattherapie) dazu führen, dass der Durchfall fehlt.

Symptom / BefundCharakteristika
DiarrhöWässrig, fauliger Geruch, ≥ 3 Stuhlgänge/Tag
LeukozytoseIn ca. 50 % der Fälle, oft ausgeprägt
FieberIn ca. 28 % der Fälle
Abdominale SchmerzenIn ca. 22 % der Fälle (untere Quadranten)
HypalbuminämieFrühzeichen durch massiven Proteinverlust

Risikofaktoren

Die Entstehung einer C. difficile-Infektion (CDI) wird durch verschiedene Faktoren begünstigt, die die normale Darmflora stören:

  • Antibiotikatherapie: Historisch v.a. Clindamycin, Ampicillin und Cephalosporine, aktuell kann fast jedes Antibiotikum Auslöser sein.
  • Säureblocker: Protonenpumpen-Hemmer (PPI) und H2-Rezeptor-Antagonisten erhöhen das Risiko um das 2- bis 3-fache.
  • NSAR: Erhöhen das Risiko um ca. 30 %.
  • Klassische Faktoren: Hohes Alter, Immunsuppression, gastrointestinale Grundkrankheiten, lange Hospitalisation.

Falldefinition und Schweregrad

Ein CDI-Fall liegt vor, wenn mindestens eines der folgenden Kriterien erfüllt ist:

KriteriumDefinition
Klinisch-mikrobiologischDurchfall/toxisches Megakolon UND Nachweis von Toxin A/B oder toxigenem C. difficile im Stuhl
EndoskopischNachweis einer pseudomembranösen Kolitis
HistopathologischNachweis einer CDI in Endoskopie, Kolektomie oder Autopsie

Definition der schweren CDI: Ein klinisch schwerer Verlauf liegt vor bei stationärer Aufnahme zur Behandlung einer ambulant erworbenen CDI, Verlegung auf die Intensivstation, chirurgischer Intervention (z.B. Kolektomie bei Megakolon/Perforation) oder Tod innerhalb von 30 Tagen nach Feststellung der CDI.

Diagnostik

Die Diagnostik darf nur bei symptomatischen Patienten erfolgen, da der Nachweis bei asymptomatischen Trägern keine klinische Konsequenz hat.

MethodeEigenschaften und Stellenwert
EIA (Toxin A und B)Schnell (wenige Stunden), aber geringere Sensitivität als Zellkultur.
GDH-NachweisHochsensitiv, aber wenig spezifisch. Gutes Screeningverfahren (Zweistufendiagnostik erforderlich).
Kultureller NachweisHöchste Sensitivität (24-48h). Unerlässlich für Resistenztestung und Typisierung bei Ausbrüchen.
EndoskopieBei schwer kranken Patienten mit unklarer Diagnose, Ileus oder wenn sofortige Therapieentscheidungen nötig sind.

Hinweis zur Präanalytik: Stuhlproben (nur ungeformte/flüssige Stühle, keine Rektalabstriche) müssen innerhalb von 2 Stunden verarbeitet werden, da das Toxin bei Raumtemperatur zerfällt. Lagerung bei 2-8 °C für maximal 3 Tage möglich.

Hygienemaßnahmen und Prävention

Die Unterbrechung von Infektionsketten ist essenziell und sollte bei begründetem Verdacht bereits vor Eintreffen des Laborbefundes eingeleitet werden.

  • Unterbringung: Einzelzimmer mit eigener Nasszelle. Kohortenisolierung bei gleichem Erregertyp möglich. Isolierung bis 48 Stunden nach Sistieren der Durchfälle.
  • Schutzausrüstung: Schutzkittel und Einweghandschuhe vor engem Patientenkontakt anlegen.
  • Händehygiene: Nach dem Ablegen der Handschuhe Händedesinfektion durchführen. Da Sporen alkoholtolerant sind, müssen die Hände danach zwingend gründlich mit Wasser und Seife gewaschen werden.
  • Flächendesinfektion: Tägliche Wischdesinfektion der patientennahen Flächen bevorzugt mit Oxidantien (z.B. Peressigsäure, Natrium-Hypochlorit).
  • Medizinprodukte: Patientenbezogene Verwendung (Stethoskope, Thermometer). Thermische Desinfektion bevorzugen.

💡Praxis-Tipp

Verlassen Sie sich bei der Händehygiene im Rahmen einer C. difficile-Infektion niemals allein auf alkoholische Desinfektionsmittel. Waschen Sie Ihre Hände nach der Desinfektion immer zusätzlich mit Wasser und Seife, um die resistenten Sporen mechanisch zu entfernen.

Häufig gestellte Fragen

Eine Testung sollte nur bei symptomatischen Patienten erfolgen, z.B. bei nosokomialer Diarrhö nach Antibiotikagabe oder bei jeder mehr als drei Tage andauernden unklaren Diarrhö. Asymptomatische Patienten dürfen nicht getestet werden.
Die Isolierungsmaßnahmen sollten unter pragmatischen Gesichtspunkten noch für einen Zeitraum von 48 Stunden nach dem Sistieren der Durchfälle aufrechterhalten werden.
Für die Flächendesinfektion sollten bevorzugt Oxidantien wie Peressigsäure oder Natrium-Hypochlorit verwendet werden, da die Sporen gegen viele Standard-Desinfektionsmittel resistent sind.
Ein Rückfall liegt vor, wenn die Symptome innerhalb von 2 Monaten nach Besserung des klinischen Bildes erneut auftreten. Treten die Symptome nach mehr als 2 Monaten auf, wird dies als neues Ereignis gewertet.
Neben Antibiotika (historisch v.a. Clindamycin, Ampicillin, Cephalosporine) erhöhen auch Protonenpumpen-Hemmer (PPI), H2-Rezeptor-Antagonisten und nichtsteroidale Antirheumatika (NSAR) das Risiko signifikant.

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