Reiseimpfungen: STIKO und DTG Leitlinie
Hintergrund
Die Leitlinie der Ständigen Impfkommission (STIKO) und der Deutschen Gesellschaft für Tropenmedizin, Reisemedizin und Globale Gesundheit (DTG) bietet eine evidenzbasierte Grundlage für die reisemedizinische Beratung. Ziel ist es, Reisende vor impfpräventablen Infektionskrankheiten zu schützen und den Import von Erregern zu verhindern.
Das individuelle Erkrankungsrisiko wird nicht nur durch das Reiseland bestimmt. Laut Leitlinie müssen Reiseroute, Reisedauer, Reisestil sowie individuelle Faktoren wie Alter und Vorerkrankungen in die Risiko-Nutzen-Bewertung einfließen.
Besondere Aufmerksamkeit erfordern vulnerable Gruppen wie Schwangere, Kinder, ältere Menschen und Personen mit Immundefizienz. Für diese Gruppen formuliert das Dokument spezifische Anpassungen der regulären Impfschemata und weist auf Kontraindikationen hin.
Empfehlungen
Die Leitlinie formuliert folgende Kernempfehlungen für die reisemedizinische Praxis:
Allgemeine reisemedizinische Beratung
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Vor jeder Reise wird die Überprüfung und Komplettierung der Standardimpfungen empfohlen.
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Die Indikationsstellung erfordert eine individuelle Risiko-Nutzen-Bewertung.
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Reiseziel, Reisedauer, Reisestil und Vorerkrankungen sind laut Leitlinie maßgeblich.
Spezifische Reiseimpfungen
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Dengue: Eine Impfung wird nur bei labordiagnostisch gesicherter Vorinfektion empfohlen.
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Gelbfieber: Bei fortgesetzter Exposition wird eine Auffrischung nach 10 Jahren angeraten.
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Tollwut: Eine präexpositionelle Prophylaxe (PrEP) wird für Gebiete mit hohem Risiko empfohlen.
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Meningokokken: Ein ACWY-Impfstoff wird bei Reisen in den Meningitisgürtel oder nach Mekka empfohlen.
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Poliomyelitis: Bei Reisen in Endemiegebiete wird eine Auffrischung empfohlen.
Besondere Risikogruppen
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Schwangere: Totimpfstoffe können verabreicht werden, Lebendimpfstoffe sind kontraindiziert.
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Personen ab 60 Jahren: Bei der Gelbfieber-Impfung wird eine strenge Risikoabwägung empfohlen.
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Immundefizienz: Lebendimpfstoffe sind kontraindiziert, Totimpfstoffe können eine verminderte Wirksamkeit aufweisen.
Dosierung
Die Leitlinie nennt folgende Dosierungsschemata für die Grundimmunisierung bei immunkompetenten Erwachsenen:
| Impfung | Impfstofftyp | Grundimmunisierung (Erwachsene) | Auffrischung |
|---|---|---|---|
| Dengue (Qdenga) | Lebendimpfstoff | 2 Dosen (Tag 0, Monat 3) | Derzeit keine Empfehlung |
| Gelbfieber (Stamaril) | Lebendimpfstoff | 1 Dosis (mind. 10 Tage vor Reise) | Nach 10 Jahren bei fortgesetztem Risiko |
| Japanische Enzephalitis (Ixiaro) | Totimpfstoff | 2 Dosen (Tag 0, 28) oder Schnellschema (Tag 0, 7) | Nach 12-24 Monaten |
| Tollwut (Rabipur/Verorab) | Totimpfstoff | 3 Dosen (Tag 0, 7, 21-28) oder 2 Dosen (Tag 0, 7) | Nach Exposition (PEP) |
| Typhus (Typhim Vi) | Totimpfstoff | 1 Dosis (mind. 14 Tage vor Reise) | Nach 3 Jahren |
| Typhus (Typhoral L) | Lebendimpfstoff | 3 Kapseln (Tag 1, 3, 5) | Jährlich bei fortgesetztem Risiko |
| Hepatitis A | Totimpfstoff | 2 Dosen (Tag 0, Monat 6-12) | Nach Abschluss nicht routinemäßig empfohlen |
Kontraindikationen
Die Leitlinie nennt folgende wesentliche Kontraindikationen:
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Lebendimpfstoffe (z.B. Gelbfieber, Dengue, Typhus oral): Generell kontraindiziert bei Schwangeren, Stillenden und Personen mit angeborener oder erworbener Immundefizienz (inklusive immunsuppressiver Therapie).
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Gelbfieber-Impfung: Kontraindiziert bei Säuglingen unter 6 Monaten, bei bekannter schwerer Hühnereiweißallergie sowie bei Thymuserkrankungen (inklusive Myasthenia gravis oder Zustand nach Thymektomie).
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Dengue-Impfung (Qdenga): Kontraindiziert bei Dengue-naiven Reisenden ohne labordiagnostisch gesicherte Vorinfektion.
💡Praxis-Tipp
Die Leitlinie warnt ausdrücklich davor, Dengue-naive Personen mit dem Impfstoff Qdenga zu impfen. Es wird darauf hingewiesen, dass bei einer nachfolgenden Wildvirus-Infektion das Risiko einer antikörpervermittelten Infektionsverstärkung (ADE) und somit eines schweren Krankheitsverlaufs nicht ausgeschlossen werden kann.
Häufig gestellte Fragen
Laut Leitlinie wird eine Auffrischimpfung nach 10 Jahren empfohlen, sofern ein fortgesetztes oder erneutes Expositionsrisiko besteht. Nach der zweiten Dosis sind in der Regel keine weiteren Auffrischungen notwendig.
Totimpfstoffe können gemäß Leitlinie in der Schwangerschaft verabreicht werden, vorzugsweise im zweiten oder dritten Trimenon. Lebendimpfstoffe sind hingegen generell kontraindiziert.
Die Leitlinie empfiehlt für immunkompetente Reisende ein Schema aus drei Dosen an den Tagen 0, 7 und 21-28. Alternativ kann ein verkürztes Schema mit zwei Dosen an den Tagen 0 und 7 angewendet werden.
Bei Reisen in Länder mit Zirkulation von Polio-Wildviren oder Impfstoff-abgeleiteten Viren wird eine Auffrischung empfohlen. Bei Aufenthalten über vier Wochen fordern einige Länder eine Impfung, die zwischen vier Wochen und einem Jahr vor der Ausreise erfolgt sein muss.
Es wird die Impfung mit einem Meningokokken-ACWY-Konjugatimpfstoff empfohlen. Bei medizinischem Personal oder Katastrophenhelfern wird laut Leitlinie zusätzlich eine Impfung gegen die Serogruppe B angeraten.
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Quelle: RKI: Karte (RKI/STIKO, 2026). Originaldokument ansehen
KI-generierte Zusammenfassung. Keine Diagnose- oder Therapieempfehlung. Die klinische Entscheidung trifft der behandelnde Arzt.