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Arbovirosen & Dengue: Leitlinie (AWMF/DTG)

KI-generierte Zusammenfassung · Basiert auf AWMF Leitlinie · Erstellt: April 2026 · Keine Diagnose- oder Therapieempfehlung

📋Auf einen Blick

  • Arbovirosen wie Dengue und Chikungunya breiten sich durch Vektoren wie Aedes albopictus zunehmend auch in Europa aus.
  • Die Diagnostik stützt sich auf die Reiseanamnese, syndromale Einteilung und stadiengerechte Labordiagnostik (PCR, Antigen, Serologie).
  • Die Therapie erfolgt rein symptomatisch; ASS und NSAR (wie Ibuprofen) sollten wegen potenzieller Blutungsgefahr vermieden werden.
  • Dengue wird in drei Schweregrade eingeteilt: ohne Warnzeichen, mit Warnzeichen und schweres Dengue.
  • In der kritischen Phase der Dengue-Infektion steht das Management des Capillary-Leak-Syndroms mittels balancierter Volumentherapie im Fokus.
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Hintergrund

Arboviren (arthropod-borne viruses) werden durch blutsaugende Gliederfüßer wie Stechmücken oder Zecken übertragen. Zu den humanmedizinisch bedeutendsten Vertretern gehören das Dengue-, Chikungunya-, Zika-, West-Nil- und Gelbfieber-Virus.

Die weltweite Ausbreitung nimmt durch Globalisierung, Urbanisierung und den Klimawandel stark zu. Insbesondere die invasive Tigermücke (Aedes albopictus) etabliert sich zunehmend in Europa und Deutschland, was zu autochthonen (einheimischen) Übertragungen führen kann.

Syndromale Einteilung

Da sich die Endemiegebiete überschneiden, hilft initial eine syndromale Einteilung der klinischen Leitsymptome:

SyndromLeitsymptomeHäufige Auslöser
Fieberhafte ErkrankungFieber, Myalgie, ggf. ExanthemDengue, Zika, West-Nil
PolyarthralgieGelenkschmerzen, ExanthemChikungunya
Neurologische SymptomatikEnzephalitis, MeningitisWest-Nil, FSME, Japanische Enzephalitis
Hämorrhagische VerläufeBlutungen, SchockGelbfieber, Dengue, Krim-Kongo

Diagnostik

Eine ausführliche Reiseanamnese (inkl. Aufenthaltsdauer und Inkubationszeit) ist essenziell. Wichtige Differenzialdiagnosen wie Malaria müssen zwingend ausgeschlossen werden.

  • Tag 1-8 nach Symptombeginn: Virusdirektnachweis mittels PCR (NAT) oder Antigen-Test (z.B. NS1-Antigen bei Dengue).
  • Ab Tag 5: Serologische Diagnostik (IgM/IgG).

Achtung: Bei vorangegangenen Flavivirus-Infektionen oder Impfungen (z.B. FSME, Gelbfieber) kann es zu starken serologischen Kreuzreaktionen kommen.

Allgemeine Therapiegrundsätze

Es existieren nahezu keine spezifischen antiviralen Therapien. Die Behandlung erfolgt symptomatisch:

  • Fieber- und Schmerztherapie: Paracetamol ist das Mittel der Wahl.
  • Kontraindiziert: Acetylsalicylsäure (ASS) und nichtsteroidale Antirheumatika (NSAR wie Ibuprofen) sollten strikt vermieden werden, da sie das Blutungsrisiko theoretisch erhöhen können.
  • Volumentherapie: Gabe von Kristalloiden zur Sicherstellung der Euvolämie.

Dengue-Virus

Das Dengue-Virus (DENV) tritt in vier Serotypen auf. Eine Infektion hinterlässt keine sichere Kreuzimmunität, sodass man bis zu viermal erkranken kann. Der Krankheitsverlauf gliedert sich in drei Phasen:

  1. Febrile Phase (Tag 1-7): Hohes Fieber, Kopf-/Gliederschmerzen, retroorbitaler Schmerz, ggf. Exanthem.
  2. Kritische Phase (24-48h nach Entfieberung): Gefahr des Capillary-Leak-Syndroms und von Blutungen.
  3. Erholungsphase: Resorption der Flüssigkeit (Gefahr der Hypervolämie bei fortgesetzter Infusion).

Schweregrade und Warnzeichen

Die WHO teilt Dengue in drei Schweregrade ein:

SchweregradKlinische und laborchemische Kriterien
Dengue ohne WarnzeichenÜbelkeit, Exanthem, Kopfschmerzen, Leukopenie, pos. Tourniquet-Test
Dengue mit WarnzeichenAbwehrspannung, persistierendes Erbrechen, Schleimhautblutungen, Hepatomegalie >2 cm, Hämatokrit ↑ bei Thrombozyten ↓
Schweres DengueSchweres Capillary Leak (Schock, ARDS), schwere Blutungen, Organdysfunktion (AST/ALT >1000)

Spezifische Therapie bei Dengue

Patienten mit Warnzeichen oder schwerem Dengue müssen stationär überwacht werden. Die Flüssigkeitssubstitution ist die wichtigste Maßnahme:

  • Initial 5-7 ml/kgKG/h kristalloide Lösungen für 1-2 Stunden.
  • Bei Besserung Reduktion auf 3-5 ml/kgKG/h, später 2-3 ml/kgKG/h.
  • Engmaschiges Monitoring von Hämatokrit, Diurese und Hämodynamik.

Prävention und Impfung

ImpfstoffTypIndikation / Bemerkung
Qdenga®LebendimpfstoffAb 4 Jahren, unabhängig vom Serostatus. 2 Dosen (Monate 0 und 3).
Dengvaxia®LebendimpfstoffNur bei laborbestätigter Vorinfektion (Seropositive).

💡Praxis-Tipp

Verzichten Sie bei Verdacht auf eine Arbovirose (insbesondere Dengue) strikt auf ASS und NSAR wie Ibuprofen zur Fiebersenkung. Nutzen Sie stattdessen Paracetamol und überwachen Sie den Hämatokrit als Frühwarnzeichen für ein Capillary-Leak-Syndrom.

Häufig gestellte Fragen

Paracetamol ist das Mittel der Wahl. ASS und NSAR (wie Ibuprofen) sollten wegen des potenziell erhöhten Blutungsrisikos strikt vermieden werden.
Die kritische Phase beginnt meist an Tag 3 bis 7 nach Symptombeginn, unmittelbar wenn das Fieber abfällt (Entfieberung), und dauert etwa 24 bis 48 Stunden.
Zu den Warnzeichen gehören abdominelle Schmerzen, persistierendes Erbrechen, Schleimhautblutungen, Lethargie, eine Hepatomegalie (>2 cm) sowie ein steigender Hämatokrit bei gleichzeitig abfallenden Thrombozyten.
Antikörper (IgM/IgG) sind meist erst ab dem 5. Tag nach Symptombeginn zuverlässig nachweisbar. In der ersten Krankheitswoche sollte ein Virusdirektnachweis (PCR oder NS1-Antigen) erfolgen.
Die Hauptüberträger sind die Gelbfiebermücke (Aedes aegypti) und die Asiatische Tigermücke (Aedes albopictus), welche beide tagaktiv sind.

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