EHEC & STEC: Erregersteckbrief (BfR/RKI/FLI)
📋Auf einen Blick
- •STEC (Shigatoxin-bildende E. coli) sind Zoonoseerreger, deren humanpathogene Stämme als EHEC bezeichnet werden.
- •Das Hauptreservoir sind Wiederkäuer (v. a. Rinder), die den Erreger meist asymptomatisch ausscheiden.
- •Die Infektionsdosis ist mit unter 100 KbE sehr gering.
- •Klinisch stehen wässrige bis blutige Durchfälle sowie das hämolytisch-urämische Syndrom (HUS) im Vordergrund.
- •Eine sichere Abtötung in Lebensmitteln erfordert eine Erhitzung auf 70 °C für mindestens zwei Minuten.
Hintergrund
Escherichia coli (E. coli) sind Gram-negative, fakultativ anaerobe Stäbchenbakterien. Während sie als Kommensalen zur normalen Darmflora gehören, können bestimmte Stämme (Pathovare) schwerwiegende Erkrankungen bei Mensch und Tier auslösen. Die Einteilung erfolgt unter anderem über O-Antigene (Lipopolysaccharide) und H-Antigene (Flagellen), wie beim bekannten Serotyp O157:H7.
| Pathovar | Abkürzung | Klinische Bedeutung |
|---|---|---|
| Enteropathogene E. coli | EPEC | Durchfallerkrankungen |
| Enterotoxische E. coli | ETEC | Durchfallerkrankungen |
| Enteroinvasive E. coli | EIEC | Durchfallerkrankungen |
| Enteroaggregative E. coli | EAEC | Durchfallerkrankungen |
| Uropathogene E. coli | UPEC | Harnwegsinfektionen |
| Neonatale Meningitis-E. coli | NMEC | Gehirnhautentzündung bei Säuglingen |
| Shigatoxin-bildende E. coli | STEC | Zoonoseerreger, Toxinbildung (Stx1/Stx2) |
STEC und EHEC
Die wichtigste Gruppe der Zoonoseerreger sind die Shigatoxin-bildenden E. coli (STEC) (früher VTEC). STEC-Stämme, die beim Menschen schwerwiegende Erkrankungen auslösen, werden als enterohämorrhagische E. coli (EHEC) bezeichnet. Die Diagnostik konzentriert sich primär auf den Nachweis von Shigatoxin oder den Shigatoxin-kodierenden Genen (stx-Gene).
Reservoir und Übertragung
Das weltweite Hauptreservoir für STEC sind Wiederkäuer, insbesondere Rinder, aber auch Schafe, Ziegen und Wildwiederkäuer (z. B. Rehe). Die Tiere scheiden den Erreger meist asymptomatisch über den Kot aus. Sogenannte "Superausscheider" (> 10.000 Keime pro Gramm Kot) sind die Hauptquelle für Umweltkontaminationen.
Die Infektionsdosis ist mit unter 100 KbE sehr gering.
| Übertragungsweg | Häufige Quellen |
|---|---|
| Tierische Lebensmittel | Nicht ausreichend gegartes Rindfleisch, Rohmilch, Rohmilchprodukte |
| Pflanzliche Lebensmittel | Verzehrfertige Salate, Sprossen, Mehl, Fertigteig |
| Direkter Kontakt | Streichelzoos, Bauernhofbesuche (Kontakt zu Paarhufern) |
| Mensch-zu-Mensch | Schmierinfektion bei mangelnder Hygiene |
Klinik
Symptome beim Menschen
- Wässrige bis blutige Durchfälle
- Gefahr des hämolytisch-urämischen Syndroms (HUS) mit Nierenversagen
- Besonders gefährdet: Kinder unter 5 Jahren und Immunsupprimierte
- Lange symptomlose Ausscheidung möglich
Symptome beim Tier
- Wiederkäuer: Meist asymptomatisch (gelegentlich Durchfall bei Kälbern)
- Schweine: Ödemkrankheit bei Ferkeln (ausgelöst durch Toxintyp Stx2e)
Prävention und Therapie
Für den Menschen existiert kein Impfstoff. Die Prävention stützt sich auf Lebensmittelhygiene:
- Erhitzung: Sichere Abtötung erfordert 70 °C für mindestens 2 Minuten im Kern des Lebensmittels (Kochen, Braten, Pasteurisieren).
- Kälteresistenz: STEC sind unempfindlich gegen Kälte; Tiefgefrieren tötet die Erreger nicht ab.
Erkrankungsfälle sind nach §6 und §7 des Infektionsschutzgesetzes (IfSG) meldepflichtig.
💡Praxis-Tipp
Denken Sie bei blutigen Durchfällen und HUS-Symptomatik (besonders bei Kindern < 5 Jahren) an EHEC. Erfragen Sie gezielt den Verzehr von Rohmilch, rohem Rindfleisch, Sprossen oder den Kontakt zu Wiederkäuern (z. B. Streichelzoo).