Gastrointestinale Infektionen: PEG S2k-Leitlinie
Hintergrund
Laut der S2k-Leitlinie der PEG gehören bakterielle gastrointestinale Infektionen weltweit zu den häufigsten Todesursachen, sind in Deutschland jedoch meist gut beherrschbar. Die Leitlinie beschreibt eine Inzidenz von etwa 65 Millionen Erkrankungen pro Jahr bei Erwachsenen in Deutschland. Als häufigste bakterielle Erreger werden Enterotoxin-bildende Staphylococcus-aureus-Stämme, Campylobacter, Salmonellen und darmpathogene Escherichia coli genannt. Gemäß den Autoren der Leitlinie hat sich die Zahl der stationären Aufnahmen bei über 65-Jährigen in den letzten Jahren mehr als verdoppelt, was primär auf die Zunahme von Kolitiden durch toxinbildende Clostridium-difficile-Stämme zurückgeführt wird.
Empfehlungen
Allgemeine Maßnahmen Die Basis der Therapie stellt laut Leitlinie der Ersatz von Flüssigkeit und Elektrolyten dar. Eine routinemäßige kalkulierte antimikrobielle Therapie ist gemäß der PEG-Leitlinie nicht indiziert, insbesondere nicht bei Lebensmittelvergiftungen durch Enterotoxin-produzierende Erreger wie Staphylococcus aureus.
Indikationen für eine Antibiotikatherapie Nach aktueller Leitlinienempfehlung sollte eine Antibiotikatherapie bei Hinweisen auf eine invasive Infektion erfolgen. Dazu zählen klinische Zeichen wie Blut- und Schleimbeimengungen im Stuhl, Fieber über 38,5 Grad Celsius sowie eine deutliche Reduktion des Allgemeinzustandes. Auch Risikofaktoren wie Immunsuppression, hohes Alter oder Multimorbidität stellen laut Expertenkonsens mögliche Indikationen dar.
Kalkulierte Initialtherapie Als Antibiotika der Wahl für die kalkulierte empirische Therapie nennt die S2k-Leitlinie Azithromycin, Ciprofloxacin oder intravenöses Cefotaxim bzw. Ceftriaxon.
Therapie bei EHEC Während Antibiotika bei EHEC-Infektionen früher als kontraindiziert galten, verweist die Leitlinie auf neuere Daten, die vorteilhafte Effekte für Azithromycin, Rifaximin, Meropenem und Tigecyclin zeigen. Carbapeneme wie Meropenem gelten laut Text heute als Therapeutika der ersten Wahl bei EHEC-Infektionen mit extraintestinaler oder generalisierter Form.
Therapie bei Clostridium difficile (CDI) Die Leitlinie empfiehlt, bei Nachweis einer toxigenen CDI eine laufende Antibiotikatherapie gegebenenfalls zu wechseln. Die spezifische Therapie richtet sich nach dem Schweregrad:
- Leichte bis moderate Verläufe: Die Leitlinie nennt die orale Applikation von Metronidazol als Therapie der Wahl.
- Schwere Verläufe: Hier wird Vancomycin als Initialtherapie empfohlen.
- Rezidive oder hohes Rezidivrisiko: Laut Leitlinie erfolgt die Behandlung hier mit Fidaxomicin.
Für den fäkalen Mikrobiomtransfer (FMT) gibt die Leitlinie aktuell keine generelle Empfehlung für die klinische Praxis, da die Evidenz als Standardtherapie noch nicht ausreichend gegeben sei.
Kontraindikationen
Gemäß der S2k-Leitlinie wird bei EHEC-Infektionen von der Gabe von Ciprofloxacin abgeraten, da hierfür in Studien eine signifikant erhöhte Toxin-Produktion festgestellt wurde. Zudem warnt die Leitlinie davor, bei Clostridium-difficile-Infektionen kolitogene Substanzen (wie Cephalosporine der Gruppen 2 bis 4, Clindamycin, Carbapeneme oder Fluorchinolone) beizubehalten; diese sollten laut Text durch weniger selektierende Substanzen ersetzt werden.
💡Praxis-Tipp
Laut Leitlinie schließt das Ergebnis einer einzigen negativen Stuhlprobe relevante Erreger nicht sicher aus; bei Verdacht auf Clostridium difficile erhöht die Untersuchung mehrerer Stuhlproben die Sensitivität des Toxin-Nachweises.
Häufig gestellte Fragen
Laut S2k-Leitlinie ist eine Antibiotikatherapie bei Hinweisen auf eine invasive Infektion (Blut oder Schleim im Stuhl, Fieber über 38,5 °C) oder bei Vorliegen von Risikofaktoren wie Immunsuppression und hohem Alter indiziert.
Die Leitlinie nennt Azithromycin, Ciprofloxacin oder intravenöses Cefotaxim bzw. Ceftriaxon als Mittel der Wahl für die empirische Therapie.
Gemäß der Leitlinie ist die orale Applikation von Metronidazol die Therapie der Wahl bei leichten bis moderaten Verläufen ohne Risikofaktoren.
Nach aktuellen Erkenntnissen der Leitlinie sind bestimmte Antibiotika wie Azithromycin oder Meropenem von Vorteil, während Ciprofloxacin aufgrund einer erhöhten Toxin-Produktion vermieden werden sollte.
Die Leitlinie gibt aktuell keine Empfehlung für den Einsatz von Probiotika zur Therapie der akuten infektiösen Gastroenteritis, da die Studienlage zu heterogen ist.
Quelle: PEG S2k Kalkulierte parenterale Initialtherapie - Gastrointestinale Infektionen (PEG). Originaldokument ansehen
KI-generierte Zusammenfassung. Keine Diagnose- oder Therapieempfehlung. Die klinische Entscheidung trifft der behandelnde Arzt.