Gastrointestinale Infektionen: DGVS-Leitlinie

KI-generierte Zusammenfassung|Quelle: DGVS (2023)|Keine Diagnose- oder Therapieempfehlung

Hintergrund

Die S2k-Leitlinie der DGVS behandelt die Diagnostik und Therapie gastrointestinaler Infektionen. Diese Erkrankungen machen etwa 60 Prozent der meldepflichtigen Infektionskrankheiten in Deutschland aus.

Besonders gefährdet für schwere Verläufe sind Säuglinge, Kleinkinder, ältere Menschen sowie Personen mit Immundefizienz. Nach den Isolationsmaßnahmen der COVID-19-Pandemie wird wieder eine deutlich steigende Inzidenz infektiöser Durchfallerkrankungen beobachtet.

Ein besonderer Fokus der Aktualisierung liegt auf dem rationalen Einsatz der Multiplex-PCR-Stuhldiagnostik sowie der Therapie der Clostridioides difficile-Infektion (CDI). Zudem wurde Ciprofloxacin aufgrund steigender Resistenzen aus der empirischen Therapie gestrichen.

Empfehlungen

Die Leitlinie formuliert folgende Kernempfehlungen für den klinischen Alltag:

Diagnostik und Multiplex-PCR

Die Leitlinie weist darauf hin, dass syndromische PCR-Panel-Tests eine hohe Sensitivität aufweisen. Es wird jedoch betont, dass diese Methode lediglich genetische Elemente nachweist und nicht zwingend vitale Erreger.

Daher wird empfohlen, die Ergebnisse der Panel-Diagnostik stets im klinischen Zusammenhang kritisch zu bewerten. Es besteht laut Leitlinie das Risiko einer signifikanten Überdiagnostik, da auch asymptomatische Kolonisationen erfasst werden.

Indikation zur Antibiotikatherapie

Gemäß der Leitlinie soll eine antibiotische Therapie unterbleiben, wenn sich die Symptomatik bis zum Vorliegen des Erregernachweises bereits gebessert hat (starker Konsens).

Eine Antibiose wird hingegen in folgenden Situationen empfohlen:

  • Bei positiver Blutkultur und Fieber

  • Bei Vorhandensein von Fremdmaterial und positiver Blutkultur

  • Bei Verdacht auf eine Listeriose (hier sollen zwingend Blutkulturen abgenommen werden)

Management der schweren Clostridioides difficile-Infektion (CDI)

Bei einer schweren, komplizierten CDI wird eine zeitnahe Verlegung auf die Intensivstation empfohlen.

Die Leitlinie nennt folgende zentrale Aspekte für das Management:

  • Frühzeitige Indikationsstellung zu einem operativen Vorgehen (z. B. Kolektomie oder Anlage eines doppelläufigen Ileostomas mit Kolonlavage), bevor das Laktat signifikant ansteigt

  • Topische Applikation von Antibiotika direkt in das Darmlumen bei bestehendem Ileus

  • Zusätzliche parenterale Therapie, falls eine enterale Gabe nicht möglich ist

  • Einsatz von Piperacillin/Tazobactam oder Carbapenemen bei einer Durchwanderungsperitonitis (unter Aufgabe der sonst empfohlenen Antibiotikakarenz)

Dosierung

Die Leitlinie nennt folgende Dosierungen für die Therapie der schweren, komplizierten Clostridioides difficile-Infektion (basierend auf Fallserien):

WirkstoffDosierungIndikation / Bemerkung
Vancomycin (topisch)250 mg/Tag bis 4 × 1 g/Tag (häufig 4 × 500 mg/Tag)Schwere CDI mit Ileus (Applikation über Sonde ins Darmlumen). Spiegelmessungen im Blut können präventiv sinnvoll sein.
Fidaxomicin (topisch)StandarddosisSchwere CDI mit Ileus.
Tigecyclin (i.v.)Startdosis 100 mg, dann 2 × 50 mg/TagSchwere CDI, wenn enterale Therapie unmöglich (zusätzlich zur topischen Gabe).
Metronidazol (i.v.)3 × 500 mg/TagSchwere CDI, wenn enterale Therapie unmöglich (zusätzlich zur topischen Gabe).

Kontraindikationen

Die Leitlinie rät vom Einsatz von Ciprofloxacin in der empirischen Therapie ab. Dies wird mit steigenden Resistenzen (unter anderem bei Campylobacter spp.) sowie den nicht unerheblichen Nebenwirkungen des Medikaments begründet.

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💡Praxis-Tipp

Ein positiver Befund in der Multiplex-PCR-Stuhldiagnostik beweist nicht zwingend eine klinisch relevante Infektion. Die Leitlinie warnt vor einer Überdiagnostik, da die hochempfindlichen Panels auch asymptomatische Kolonisationen oder nicht-vitale genetische Fragmente erfassen. Es wird empfohlen, die Testergebnisse stets streng mit der klinischen Symptomatik abzugleichen und bei bereits gebesserter Klinik auf eine Antibiose zu verzichten.

Häufig gestellte Fragen

Laut Leitlinie ist eine Antibiose unter anderem bei positiver Blutkultur mit Fieber oder bei Patienten mit Fremdmaterial indiziert. Hat sich die Symptomatik bei Eintreffen des Laborbefunds bereits gebessert, soll auf eine Antibiose verzichtet werden.

Die Leitlinie hat Ciprofloxacin aus der empirischen Therapie gestrichen. Begründet wird dies mit steigenden Resistenzraten, insbesondere bei Campylobacter, sowie dem Nebenwirkungsprofil der Substanz.

Bei einem Ileus wird versucht, Antibiotika wie Vancomycin oder Fidaxomicin topisch über eine Sonde direkt in das Darmlumen zu verabreichen. Ist eine enterale Therapie unmöglich, wird zusätzlich eine parenterale Gabe von Tigecyclin oder Metronidazol empfohlen.

Die Leitlinie betont, dass die Indikation zur Operation (wie Kolektomie oder Ileostoma) frühzeitig gestellt werden muss. Der Eingriff sollte erfolgen, bevor es zu einem signifikanten Laktatanstieg kommt, da sich die Prognose sonst drastisch verschlechtert.

Die Panel-Diagnostik ist sehr sensitiv, weist jedoch nur genetische Elemente nach. Die Leitlinie weist darauf hin, dass dies häufig zu falsch-positiven klinischen Einschätzungen führt, weshalb die Befunde kritisch interpretiert werden müssen.

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KI-generierte Zusammenfassung. Keine Diagnose- oder Therapieempfehlung. Die klinische Entscheidung trifft der behandelnde Arzt.

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