Meningokokken-B-Impfung bei Asplenie: RKI/STIKO Leitlinie
Hintergrund
Die Ständige Impfkommission (STIKO) am Robert Koch-Institut hat eine Empfehlung zur Anwendung des Meningokokken-B-Impfstoffs (4CMenB, Bexsero) bei Personen mit erhöhtem Risiko veröffentlicht. Diese ergänzt die bestehenden Empfehlungen für die kapselpolysaccharidbasierten Konjugatimpfstoffe gegen die Serogruppen A, C, W und Y.
Personen mit bestimmten angeborenen oder erworbenen Immundefizienzen weisen ein erhöhtes Risiko für invasive Meningokokken-Erkrankungen (IME) auf. Besonders gefährdet sind laut Leitlinie Patienten mit Komplementdefekten oder Asplenie, bei denen Infektionen foudroyant verlaufen und zum Tod führen können.
Obwohl die Gesamtinzidenz von invasiven Meningokokken-Erkrankungen in Deutschland rückläufig ist, bleibt die Letalität bei septischen Verläufen hoch. Die Leitlinie zielt darauf ab, die Krankheitslast in spezifischen Hochrisikogruppen durch eine gezielte Indikationsimpfung nach individueller Risikoabschätzung zu senken.
Empfehlungen
Die Leitlinie formuliert folgende Kernempfehlungen zur Indikationsimpfung:
Indikationsgruppen für die Impfung
Es wird empfohlen, Personen mit erhöhtem Risiko zusätzlich zur MenACWY-Impfung auch mit einem MenB-Impfstoff zu impfen. Dies betrifft laut Leitlinie folgende Gruppen:
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Personen mit angeborener oder erworbener Immundefizienz mit T- und/oder B-zellulärer Restfunktion
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Patienten mit Komplement- oder Properdindefizienz
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Personen unter Eculizumab-Therapie
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Patienten mit Hypogammaglobulinämie
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Personen mit anatomischer oder funktioneller Asplenie
Postexpositionelle Prophylaxe
Die Leitlinie rät zu einer postexpositionellen Impfung für Personen mit Haushaltskontakt oder engem, haushaltsähnlichem Kontakt zu einem Patienten mit einer invasiven Meningokokken-Infektion. Dies wird auch dann empfohlen, wenn die Infektion des Indexpatienten durch die Serogruppe B verursacht wurde.
Beruflich Exponierte
Für gefährdetes Laborpersonal wird zusätzlich zur MenACWY-Impfung eine MenB-Impfung empfohlen. Dies gilt laut Leitlinie insbesondere bei Arbeiten mit dem Risiko der Bildung eines Neisseria-meningitidis-Aerosols.
Praktische Umsetzung
Es wird darauf hingewiesen, dass eine individuelle Risikoabschätzung vor der Impfung erfolgen sollte. Die Leitlinie betont zudem die Wichtigkeit einer schnellen Serogruppenbestimmung bei Indexfällen, um Kontaktpersonen zeitnah schützen zu können.
Dosierung
Die Leitlinie zitiert die Herstellerangaben zur Grundimmunisierung mit dem 4CMenB-Impfstoff (Bexsero):
| Altersgruppe | Anzahl Impfstoffdosen | Booster erforderlich |
|---|---|---|
| Kinder (2 bis 5 Monate) | 3 Dosen | Ja |
| Alle anderen Altersgruppen | 2 Dosen | Ja (wenn in den ersten 2 Lebensjahren geimpft) |
Kontraindikationen
Laut Leitlinie ist der 4CMenB-Impfstoff kontraindiziert bei Vorliegen einer Überempfindlichkeit gegen die Impfstoff-Bestandteile.
💡Praxis-Tipp
Die Leitlinie warnt davor, dass bei Säuglingen und Kleinkindern eine Simultanimpfung des MenB-Impfstoffs mit Routineimpfungen (wie Sechsfach- oder Pneumokokken-Impfstoffen) das Risiko für Fieber deutlich erhöht. Es wird daher angeraten, die Impfungen nach Möglichkeit getrennt zu verabreichen oder prophylaktisch Antipyretika einzusetzen, da dies das Fieberrisiko senkt, ohne die Immunogenität zu beeinträchtigen.
Häufig gestellte Fragen
Die STIKO empfiehlt die Impfung für Personen mit Asplenie, Komplementdefekten, Hypogammaglobulinämie sowie für Laborpersonal mit Aerosol-Risiko. Auch Haushaltskontakte von Erkrankten sollten laut Leitlinie geimpft werden.
Laut Leitlinie ist das absolute Risiko für eine Infektion bei Asplenie im Vergleich zur Normalbevölkerung nur geringfügig erhöht. Aufgrund der potenziell sehr hohen Letalität (OPSI-Syndrom) wird die Impfung dennoch empfohlen.
Die Leitlinie hält fest, dass eine Simultanimpfung zwar die Immunogenität nicht beeinträchtigt, aber bei Säuglingen zu deutlich mehr Fieberreaktionen führt. Es wird angeraten, die Impfungen zeitlich zu trennen oder prophylaktisch Antipyretika zu verabreichen.
Es wird beschrieben, dass der Impfstoff Bexsero nicht alle zirkulierenden Stämme abdeckt. In Deutschland werden schätzungsweise etwa 82 Prozent der Meningokokken-B-Stämme durch die Impfung erfasst.
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Quelle: RKI: Asplenie (RKI/STIKO, 2026). Originaldokument ansehen
KI-generierte Zusammenfassung. Keine Diagnose- oder Therapieempfehlung. Die klinische Entscheidung trifft der behandelnde Arzt.