Riociguat (PAH): Indikation, Dosierung und Zusatznutzen
Hintergrund
Der vorliegende Bericht des Instituts für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (IQWiG) aus dem Jahr 2020 bewertet den Zusatznutzen von Riociguat. Das Arzneimittel wird bei erwachsenen Patientinnen und Patienten mit pulmonal arterieller Hypertonie (PAH) der WHO-Funktionsklassen II bis III eingesetzt.
Ziel der Therapie ist die Verbesserung der körperlichen Leistungsfähigkeit. Riociguat kann dabei als Monotherapie oder in Kombination mit Endothelin-Rezeptorantagonisten (ERAs) verabreicht werden.
Als zweckmäßige Vergleichstherapie definiert der Bericht eine patientenindividuell optimierte medikamentöse Therapie. Diese umfasst je nach Vorbehandlung und Gesundheitszustand Wirkstoffe wie ERAs, Phosphodiesterase-5-Inhibitoren, Prostazyklin-Analoga oder selektive Prostazyklin-Rezeptoragonisten.
Empfehlungen
Der Bericht formuliert folgende Kernaussagen zur Nutzenbewertung und Anwendung:
Bewertung des Zusatznutzens
Laut Bericht ist ein Zusatznutzen von Riociguat nicht belegt. Die vom pharmazeutischen Unternehmer vorgelegten Daten aus der Studie PATENT-1 werden als nicht geeignet eingestuft.
Als Hauptgründe für diese Bewertung nennt der Bericht:
-
Die Studiendauer von 12 Wochen ist für eine chronische Erkrankung wie die PAH zu kurz (gefordert werden mindestens 24 Wochen).
-
Die zweckmäßige Vergleichstherapie wurde im Kontrollarm nicht adäquat umgesetzt, da keine patientenindividuelle Therapieoptimierung stattfand.
Therapieumstellung
Bei einem Wechsel zwischen Phosphodiesterase-5-Hemmern (PDE-5-Hemmern) und Riociguat werden spezifische zeitliche Abstände gefordert:
-
Sildenafil muss mindestens 24 Stunden vor der Anwendung von Riociguat abgesetzt werden.
-
Tadalafil muss mindestens 48 Stunden vor der Anwendung von Riociguat abgesetzt werden.
-
Riociguat muss mindestens 24 Stunden vor der Anwendung eines PDE-5-Hemmers abgesetzt werden.
Überwachung unter Therapie
Es wird eine sorgfältige Überwachung auf Anzeichen einer Hypotonie empfohlen, insbesondere während der Titrationsphase und bei Therapieumstellungen. Bei Patienten, die Antikoagulanzien erhalten, wird auf ein erhöhtes Risiko für Blutungen im Bereich der Atemwege hingewiesen.
Dosierung
Die Fachinformation gibt folgendes Dosierungsschema für Riociguat vor:
| Therapiephase | Dosierung | Maximale Tagesdosis | Voraussetzung |
|---|---|---|---|
| Anfangsdosis | 1 mg 3-mal täglich für 2 Wochen | 3 mg | Systolischer Blutdruck ≥ 95 mmHg |
| Titrationsphase | Erhöhung um 0,5 mg 3-mal täglich alle 2 Wochen | 7,5 mg | Keine Symptome einer Hypotonie |
| Erhaltungsdosis | Individuell ermittelte Dosis (bis zu 2,5 mg 3-mal täglich) | 7,5 mg | Keine Symptome einer Hypotonie |
Bei Patienten, die rauchen, kann laut Bericht eine Dosiserhöhung bis zur Maximaldosis erforderlich sein, da die Plasmakonzentrationen bei Rauchern niedriger sind. Bei Beendigung des Rauchens kann eine Dosisverringerung notwendig werden.
Kontraindikationen
Der Bericht listet basierend auf der Fachinformation folgende Kontraindikationen auf:
-
Gleichzeitige Anwendung mit PDE-5-Hemmern (z. B. Sildenafil, Tadalafil)
-
Gleichzeitige Anwendung mit Nitraten oder Stickstoffmonoxid-Donatoren
-
Schwangerschaft
-
Systolischer Blutdruck < 95 mmHg bei Behandlungsbeginn
-
Schwere Leberfunktionsstörung (Child-Pugh C)
-
Pulmonale Hypertonie verbunden mit idiopathischen interstitiellen Pneumonien (PH-IIP)
Zudem wird vor der Anwendung bei pulmonaler veno-okklusiver Erkrankung (PVOD) gewarnt, da Vasodilatatoren den kardiovaskulären Zustand signifikant verschlechtern können.
💡Praxis-Tipp
Ein wichtiges Praxisdetail ist der Einfluss des Rauchens auf die Pharmakokinetik von Riociguat. Da die Plasmakonzentrationen bei Rauchern um 50 bis 60 Prozent verringert sind, wird darauf hingewiesen, dass bei diesen Patienten oft höhere Dosen erforderlich sind und bei einer Raucherentwöhnung eine Dosisreduktion zu prüfen ist, um Hypotonien zu vermeiden. Zudem wird die absolute Kontraindikation für die gleichzeitige Gabe von PDE-5-Hemmern betont.
Häufig gestellte Fragen
Laut IQWiG-Bericht ist ein Zusatznutzen von Riociguat gegenüber der zweckmäßigen Vergleichstherapie nicht belegt. Die vorgelegten Studiendaten wurden aufgrund einer zu kurzen Beobachtungsdauer und einer unzureichenden Vergleichstherapie als nicht geeignet eingestuft.
Die Therapie wird mit 1 mg dreimal täglich begonnen. Die Dosis wird alle zwei Wochen um jeweils 0,5 mg pro Einzelgabe gesteigert, bis die individuelle Erhaltungsdosis von maximal 2,5 mg dreimal täglich erreicht ist.
Nein, die gleichzeitige Anwendung von Riociguat und PDE-5-Hemmern wie Sildenafil oder Tadalafil ist streng kontraindiziert. Bei einer Umstellung müssen spezifische Auswaschphasen von 24 bis 48 Stunden eingehalten werden.
Das Medikament darf nicht angewendet werden, wenn der systolische Blutdruck zu Behandlungsbeginn unter 95 mmHg liegt. Auch während der Titrationsphase darf die Dosis nicht weiter erhöht werden, wenn der Blutdruck unter diesen Wert fällt.
War diese Zusammenfassung hilfreich?
Quelle: IQWiG A20-31: Riociguat (PAH) - Nutzenbewertung gemäß § 35a SGB V (IQWiG, 2020). Originaldokument ansehen
KI-generierte Zusammenfassung. Keine Diagnose- oder Therapieempfehlung. Die klinische Entscheidung trifft der behandelnde Arzt.
Verwandte Leitlinien
IQWiG A20-30: Riociguat (CTEPH) - Nutzenbewertung gemäß § 35a SGB V
IQWiG A23-57: Riociguat (pulmonal arterielle Hypertonie bei Kindern und Jugendlichen) – Nutzenbewertung gemäß § 35a SGB V
IQWiG A24-96: Sotatercept (pulmonale arterielle Hypertonie) – Nutzenbewertung gemäß § 35a SGB V
IQWiG A16-67: Macitentan (pulmonal arterielle Hypertonie) - Nutzenbewertung gemäß § 35a SGB V
IQWiG G14-02: Riociguat - Bewertung gemäß § 35a Abs. 1 Satz 10 SGB V (Dossierbewertung)
ClariMed durchsucht alle medizinischen Leitlinien
AWMF, NVL, NICE, WHO, ESC, KDIGO - Quellenzitiert, kostenlos. Speichern Sie Ihren Verlauf auf allen Geräten mit einem kostenlosen Konto.
Kostenloses Konto erstellen