Riech- und Schmeckstörungen: Diagnostik und Therapie
Hintergrund
Die AWMF-S2k-Leitlinie zu Riech- und Schmeckstörungen bietet eine systematische Entscheidungshilfe für die Betreuung betroffener Personen. Epidemiologische Daten zeigen, dass Riechstörungen (Dysosmien) in der Allgemeinbevölkerung mit einer Prävalenz von etwa 5 % relativ häufig vorkommen, während echte Schmeckstörungen (Dysgeusien) deutlich seltener sind.
Die Ursachen weisen eine große Heterogenität auf und manifestieren sich oft als Symptome verschiedener Grunderkrankungen. Bei den Riechstörungen wird grundlegend zwischen sinunasalen (z. B. chronische Rhinosinusitis) und nicht-sinunasalen Ursachen (z. B. postinfektiös, posttraumatisch oder neurodegenerativ) unterschieden.
Schmeckstörungen werden anhand des Schädigungsortes in peripher- und zentralnervöse Störungen eingeteilt. Häufige Auslöser sind hierbei Infektionen, Schädel-Hirn-Traumata, Medikamentennebenwirkungen oder das Burning-Mouth-Syndrom.
💡Praxis-Tipp
Die Leitlinie betont die Wichtigkeit der Aufklärung über Sicherheitsaspekte bei Anosmie. Es wird empfohlen, Betroffene explizit darauf hinzuweisen, dass Gefahren wie ausgetretenes Gas, Brandgeruch oder verdorbene Speisen nicht mehr rechtzeitig wahrgenommen werden können. Zudem wird darauf hingewiesen, dass Riechstörungen ein frühes Warnsignal für neurodegenerative Erkrankungen wie Morbus Parkinson sein können.
Häufig gestellte Fragen
Laut Leitlinie wird im deutschsprachigen Raum bevorzugt der Sniffin‘ Sticks-Test empfohlen. Dieser validierte Test ermöglicht eine detaillierte Beurteilung von Riechschwelle, Diskrimination und Identifikation.
Die Leitlinie empfiehlt ein strukturiertes Riechtraining, bei dem Betroffene zweimal täglich an vier verschiedenen Düften (z. B. Rose, Eukalyptus, Zitrone, Gewürznelke) riechen. Es wird angeraten, dieses Training über mehrere Monate durchzuführen und idealerweise innerhalb des ersten Jahres nach Symptombeginn zu starten.
Bei Schmeckstörungen ohne erkennbare Ursache kann laut Leitlinie ein Therapieversuch mit Zink (z. B. Zinkglukonat) unternommen werden. Zudem wird eine ausführliche Beratung empfohlen, da das Schmecksystem eine hohe Tendenz zur Spontanerholung aufweist.
Die Leitlinie führt auf, dass eine Vielzahl von Medikamenten, darunter Chemotherapeutika, Antihistaminika und ACE-Hemmer, Dysgeusien verursachen können. Bei Verdacht auf eine medikamenteninduzierte Störung wird empfohlen, das Präparat nach Möglichkeit abzusetzen oder umzustellen.
Bei chronischer Rhinosinusitis mit Nasenpolypen zeigt die Studienlage laut Leitlinie klare Therapieeffekte auf das Riechvermögen durch Biologika. Es wird empfohlen, primär Dupilumab einzusetzen, wenn die Behandlung der Riechstörung im klinischen Vordergrund steht.
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Quelle: Riech- und Schmeckstörungen (AWMF). Originaldokument ansehen
KI-generierte Zusammenfassung. Keine Diagnose- oder Therapieempfehlung. Die klinische Entscheidung trifft der behandelnde Arzt.
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