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Neurogene Dysphagie: Leitlinie (AWMF/DGN)

KI-generierte Zusammenfassung · Basiert auf AWMF Leitlinie · Erstellt: April 2026 · Keine Diagnose- oder Therapieempfehlung

📋Auf einen Blick

  • Für das Aspirationsscreening werden Wasser-Schluck-Tests und Mehr-Konsistenzen-Tests empfohlen.
  • FEES und VFSS sind komplementäre Methoden der apparativen Diagnostik und sollten idealerweise beide verfügbar sein.
  • Die FEES ist die Methode der Wahl für bettseitige Untersuchungen und zur Beurteilung des Sekretmanagements.
  • Bei tracheotomierten Patienten steuert die FEES maßgeblich das Dekanülierungsmanagement.
  • Eine systematische logopädische Schlucktherapie sollte frühzeitig und individualisiert erfolgen.
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Hintergrund

Neurogene Dysphagien sind Schluckstörungen, die durch Erkrankungen des zentralen oder peripheren Nervensystems, der neuromuskulären Übertragung oder der Muskulatur verursacht werden. Sie gehören zu den häufigsten und gefährlichsten Symptomen vieler neurologischer Erkrankungen (z. B. Schlaganfall, Morbus Parkinson, ALS) und erhöhen das Risiko für Aspirationspneumonien, Malnutrition und Mortalität signifikant.

Aspirationsscreening

Bei neurologischen Patienten sollte ein standardisiertes Aspirationsscreening durchgeführt werden, idealerweise direkt bei stationärer Aufnahme.

  • Empfohlene Tests: Wasser-Schluck-Tests und Mehr-Konsistenzen-Tests.
  • Pulsoxymetrie: Soll nicht zum Aspirationsscreening genutzt werden.
  • Bewertung: Ein negatives Screeningergebnis schließt eine Dysphagie nicht sicher aus. Bei weiteren klinischen Hinweisen muss ein weiterführendes Assessment erfolgen.

Apparative Dysphagiediagnostik

Das Dysphagie-Assessment sollte eine klinische Schluckuntersuchung sowie eine instrumentelle Diagnostik umfassen. Die flexible endoskopische Evaluation des Schluckakts (FEES) und die Videofluoroskopie (VFSS) gelten als komplementäre Methoden.

MethodeBevorzugte IndikationVorteile / Fokus
FEESBettseitige Untersuchung, nicht transportfähige PatientenBeurteilung von Sekretmanagement, laryngealer/pharyngealer Sensibilität und Spontanschluckrate
VFSSVerdacht auf Öffnungsstörung des oberen Ösophagussphinkters (OÖS)Differenzierte Beurteilung der pharyngealen und ösophagealen Phase des Schluckakts
ManometrieVerdacht auf ösophageale MotilitätsstörungEvaluation der Sphinkterfunktion (OÖS und unterer Ösophagussphinkter)

Endoskopische Störungsmuster

Die FEES ermöglicht die Identifikation spezifischer Störungsmuster, die differenzialdiagnostische Hinweise auf die zugrunde liegende Erkrankung geben können:

HauptbefundTypische neurologische Erkrankungen
Ausgeprägtes LeakingBeginnende ALS, PSP, frontotemporale Demenzen
Pathologischer SchluckreflexAkuter Schlaganfall
Unzureichende pharyngeale BolusreinigungMyotone Dystrophie, beginnende ALS
Öffnungsstörung des OÖSDorsolateraler Medulla-oblongata-Infarkt

Trachealkanülenmanagement

Das Management sollte durch ein multiprofessionelles Team erfolgen. Bei tracheotomierten Patienten mit dem Ziel der Dekanülierung ist die FEES entscheidend zur Beurteilung von Sekretmanagement, Spontanschluckrate und laryngealer Sensibilität.

  • Entwöhnung: Ein physiologischer Luftstrom sollte angestrebt werden (intermittierendes Entblocken, Sprechventil).
  • Dekanülierung: Kann in der Regel erfolgen, wenn eine kontinuierliche Entblockungszeit von 24–48 Stunden mit Verschlusskappe komplikationslos toleriert wird.

Therapie der neurogenen Dysphagie

Vor Einleitung einer Therapie müssen Ätiologie und Störungsmuster ermittelt werden.

Diätetische Interventionen

  • Andicken von Flüssigkeiten: Kann bei Patienten eingesetzt werden, die Aspirationen bei Flüssigkeiten zeigen. Verschiedene Andickungsmittel sollten getestet werden, um die Compliance zu erhöhen.
  • Texturmodifizierte Kost: Einsatz bei chronischer Dysphagie zur Verbesserung des Ernährungszustands.
  • Überwachung: Trotz dieser Maßnahmen besteht ein erhöhtes Risiko für Malnutrition und Dehydratation.

Logopädische und sprachtherapeutische Verfahren

Eine systematische, regelmäßige und individualisierte Therapie sollte frühzeitig beginnen.

TherapiemanöverIndikationZiel
Shaker-ManöverPharyngeale Residuen, Öffnungsstörung des OÖSVerbesserung der Sphinkteröffnung
EMST (Exspiratory Muscle Strength Training)Motoneuron-Erkrankungen, Schlaganfall, M. ParkinsonKräftigung der Atem- und Schluckmuskulatur
Kinn-zur-Brust-ManöverEingeschränkte orale Boluskontrolle, LeakingVerbesserung der Schlucksicherheit
Kräftiges SchluckenOrale DysphagieVerbesserung von Zungenkraft und Schluckphysiologie

💡Praxis-Tipp

Evaluieren Sie bei Dysphagiepatienten routinemäßig das Schlucken von Tabletten im Rahmen der instrumentellen Diagnostik. Eine einliegende nasogastrale Sonde beeinträchtigt den Schluckakt in der Regel nicht und muss für die Diagnostik nicht entfernt werden.

Häufig gestellte Fragen

Es werden Wasser-Schluck-Tests oder Mehr-Konsistenzen-Tests empfohlen. Die Pulsoxymetrie soll nicht zum Aspirationsscreening genutzt werden.
Die FEES sollte bevorzugt bei bettlägerigen oder eingeschränkt kooperativen Patienten eingesetzt werden, sowie zur Beurteilung des pharyngealen Sekretmanagements und der Sensibilität.
Nein. Eine einliegende nasogastrale Sonde beeinträchtigt den Schluckakt im Allgemeinen nicht und soll für die Diagnostik oder Therapie nicht regelhaft entfernt werden.
Eine endgültige Dekanülierung kann in der Regel vorgenommen werden, wenn eine kontinuierliche Entblockungszeit von 24–48 Stunden mit Verschlusskappe ohne Komplikationen toleriert wird.

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