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Rhinosinusitis (ARS & CRS): S2k-Leitlinie (AWMF)

KI-generierte Zusammenfassung · Basiert auf AWMF Leitlinie · Erstellt: April 2026 · Keine Diagnose- oder Therapieempfehlung

📋Auf einen Blick

  • Die akute Rhinosinusitis (ARS) wird klinisch diagnostiziert; bildgebende Verfahren sind routinemäßig nicht indiziert.
  • Bei der chronischen Rhinosinusitis (CRS) sind eine nasale Endoskopie und eine Schnittbildgebung (CT/DVT) obligatorisch.
  • Nasenspülungen mit hochvolumigen Salzlösungen werden für alle Formen der Rhinosinusitis empfohlen.
  • Pflanzliche Extrakte (BNO 1016, Eukalyptus) sind bei der ARS wirksam und werden zur Therapie empfohlen.
  • Antibiotika sind bei ARS nur bei Komplikationen, starken Schmerzen mit erhöhten Entzündungswerten oder Fieber >38,5 °C indiziert (1. Wahl: Amoxicillin).
  • Topische Kortikosteroide stellen eine Basistherapie bei CRS und rezidivierender ARS dar.
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Hintergrund

Die Rhinosinusitis (RS) ist eine häufige entzündliche Erkrankung der Nasen- und Nasennebenhöhlenschleimhäute. Da beide Schleimhäute nahezu ausnahmslos gemeinsam betroffen sind, wird der Begriff Rhinosinusitis anstelle von isolierter Rhinitis oder Sinusitis verwendet. Die Leitlinie unterscheidet akute, rezidivierende und chronische Verläufe.

Definition und Klassifikation

FormDauer / HäufigkeitBesonderheiten
Akute RS (ARS)≤ 12 WochenMeist viral bedingt, Spontanheilungsrate von 60-80 % nach 2 Wochen
Rezidivierende akute RS (rez. ARS)≥ 4 Episoden in 12 MonatenDazwischen vollständige Beschwerdefreiheit
Chronische RS (CRS)> 12 WochenUnterteilung in CRScNP (mit Polypen) und CRSsNP (ohne Polypen)

Typische Symptome einer RS sind Nasenatmungsbehinderung, anteriore oder posteriore Sekretion, Gesichtsschmerz und Riechstörung. Fakultativ können Fieber und Kopfschmerzen auftreten.

Diagnostik

Die Diagnostik richtet sich stark nach der Verlaufsform der Erkrankung. Ein auffälliger Befund in der Bildgebung ohne korrespondierende Symptomatik reicht für die Diagnose nicht aus.

MaßnahmeARSRezidivierende ARSCRS
KlinikSymptombasiert, RhinoskopieEndoskopie (mind. Rhinoskopie)Endoskopie zwingend erforderlich
BildgebungRoutinemäßig nicht empfohlenNur im symptomfreien Intervall (CT/DVT zur OP-Planung)Schnittbildgebung (CT/DVT) obligatorisch
Labor (CRP/BSG)Nur bei starken Schmerzen zur AB-IndikationNur bei starken Schmerzen zur AB-IndikationNur bei Verdacht auf Systemerkrankungen
AllergologieNicht indiziertEmpfohlen bei klinischem VerdachtEmpfohlen (besonders bei CRSsNP / Rezidiven)
MikrobiologieNicht indiziertNicht indiziertNur bei Therapieresistenz / Immunschwäche

Nicht-medikamentöse Therapie und Phytotherapie

  • Nasenspülungen: Hochvolumige (≥ 150 ml), iso- bis leicht hypertone Salzlösungen werden für die symptomatische Therapie aller Formen (ARS, rez. ARS, CRS) empfohlen.
  • Inhalation: Heiße Dämpfe (38-42 °C) können bei ARS und rez. ARS empfohlen werden.
  • Phytotherapie: Bei der ARS wird ein patentierter Mischextrakt (BNO 1016 / Sinupret) oder definierte Eukalyptusextrakte (Cineol, Myrtol) empfohlen. Für die CRS und rez. ARS reicht die Evidenz für eine Empfehlung nicht aus.
  • Homöopathie & Akupunktur: Die Wirksamkeit kann aufgrund der eingeschränkten Datenlage nicht abschließend beurteilt werden.

Medikamentöse Therapie

WirkstoffgruppeIndikationBemerkung
DekongestivaARSMax. 7-10 Tage, bevorzugt ohne Benzalkoniumchlorid. Bei CRS nicht anwenden.
Topische SteroideAkut allergische RS, rez. ARS, CRSBasistherapie bei chronischen und rezidivierenden Verläufen.
AnalgetikaARS, rez. ARSZur symptomatischen Schmerztherapie empfohlen.
BiologikaCRScNPIm Einzelfall bei Versagen etablierter Therapien.
Adaptive DesaktivierungNERD (ASS-Intoleranz) + CRScNPBei Auftreten einer Rezidiv-Polyposis.

Antibiotische Therapie

Bei einer unkomplizierten ARS oder akuten Exazerbation einer rez. ARS sollen in der Regel keine Antibiotika gegeben werden, da die meisten Fälle viral bedingt sind.

Indikationen für Antibiotika bei ARS:

  • Hinweise auf Komplikationen (starke Kopfschmerzen, Gesichtsschwellung, Lethargie)
  • Starke/sehr starke Schmerzen plus erhöhte Entzündungswerte (CRP > 10 mg/l, BSG > 10 mm/h bei Männern bzw. > 20 mm/h bei Frauen)
  • Fieber > 38,5 °C oder Verstärkung der Beschwerden im Verlauf

Wirkstoffe und Dosierung:

StufeTherapieIndikation
1. WahlAmoxicillin (3 x 500 mg/d) oder Cefuroxim (2 x 250 mg/d)Bakterielle ARS mit Behandlungsindikation
LangzeitClarithromycinCRSsNP bei Versagen der Standardtherapie
LangzeitDoxycyclinCRScNP bei Rezidiv-Polyposis

Chirurgische Therapie

Bei Versagen der konservativen Therapie sollte bei der chronischen und rezidivierenden Rhinosinusitis eine operative Sanierung erwogen werden. Vorab ist zwingend eine CT-Diagnostik (alternativ DVT) in ausreichender Qualität für Navigationssysteme erforderlich.

💡Praxis-Tipp

Verzichten Sie bei der unkomplizierten akuten Rhinosinusitis auf Bildgebung und Antibiotika. Nutzen Sie CRP und BSG bei Patienten mit starken Schmerzen, um eine Antibiotika-Indikation objektiv abzusichern.

Häufig gestellte Fragen

Bei der akuten Form routinemäßig nicht. Bei der chronischen Rhinosinusitis (CRS) ist ein CT (oder DVT) zur Diagnostik und OP-Planung obligatorisch.
Nur bei Komplikationen, starken Schmerzen kombiniert mit erhöhten Entzündungswerten (CRP/BSG) oder bei Fieber > 38,5 °C. Erste Wahl ist Amoxicillin (3 x 500 mg/d).
Maximal 7 bis 10 Tage. Präparate ohne Benzalkoniumchlorid sind zu bevorzugen, um Schleimhautschäden zu vermeiden. Bei chronischer Rhinosinusitis sollten sie gar nicht angewendet werden.
Ein patentierter Mischextrakt (BNO 1016) sowie definierte Eukalyptusextrakte werden zur Symptomlinderung und Heilungsbeschleunigung empfohlen.

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