Diagnostik und Therapie des Schnarchens: S3-Leitlinie AWMF
📋Auf einen Blick
- •Reines Schnarchen ohne begleitende Schlafstörung hat aktuell keinen Krankheitswert; eine Therapie erfolgt primär auf Wunsch des Betroffenen.
- •Die Diagnostik erfordert zwingend den Ausschluss einer obstruktiven Schlafapnoe (OSA) mittels Polygraphie oder Polysomnographie vor invasiven Maßnahmen.
- •Gewichtsreduktion soll bei jedem übergewichtigen Schnarcher empfohlen werden (Empfehlungsgrad A).
- •Unterkieferprotrusionsschienen (UPS) sind bei geeigneten Patienten eine hochwirksame Therapieoption (Empfehlungsgrad A).
- •Chirurgische Eingriffe (z.B. am Weichgaumen oder der Nase) sollten bevorzugt minimal-invasiv erfolgen.
Hintergrund
Das "Schnarchen" des Erwachsenen ist ein häufiges Phänomen, das durch Vibrationen von Weichteilstrukturen an Engstellen des oberen Atemweges im Schlaf entsteht. Aktuell wird reines Schnarchen nicht als Erkrankung mit medizinischer Gefährdung eingestuft. Eine Therapie erfolgt primär auf Wunsch des Betroffenen bzw. aufgrund der Belastung des Bettpartners.
Diagnosekriterien (in Anlehnung an ICSD-3):
- Atmungsabhängige, meist inspiratorische akustische Phänomene im Schlaf (berichtet durch Bettpartner/Betroffenen).
- Keine beklagte Schlafstörung, die ursächlich auf das Schnarchen zurückzuführen ist.
- Ausschluss einer anderen schlafbezogenen Atmungsstörung (z.B. obstruktive Schlafapnoe, OSA) durch schlafmedizinische Diagnostik.
Risikofaktoren:
- Männliches Geschlecht und zunehmendes Lebensalter
- Übergewicht / Adipositas
- Nikotin- und Alkoholkonsum
- Nasenatmungsbehinderung und Hyperplasie des Weichgaumens
Diagnostik
Die Diagnostik zielt primär darauf ab, das einfache Schnarchen von einer obstruktiven Schlafapnoe (OSA) abzugrenzen.
| Diagnostischer Schritt | Empfehlung / Durchführung | Bemerkung |
|---|---|---|
| Anamnese | Soll durchgeführt werden | Einbeziehung des Bettpartners und Nutzung von Fragebögen (z.B. PSQI, ESS) empfohlen. |
| Klinische Untersuchung | Soll durchgeführt werden | Beurteilung von Nase, Oropharynx, Mundhöhle (Zahnstatus bei geplanter Schiene) und Gesichtsschädel. |
| Laryngoskopie | Sollte erfolgen | Bei klinischem Verdacht auf laryngeales Schnarchen. |
| Schlafendoskopie (MISE) | Kann erwogen werden | Zur Topodiagnostik, Abgrenzung zur OSA und Indikationsstellung für Weichgaumen-OPs. |
Indikationen zur Polygraphie/Polysomnographie: Eine objektivierende schlafmedizinische Untersuchung soll erfolgen bei:
- Verdacht auf eine andere schlafbezogene Atmungsstörung (OSA)
- Konkretem Therapiewunsch bezüglich des Schnarchens
- Vorliegen relevanter kardiovaskulärer Komorbiditäten
Konservative Therapie
| Maßnahme | Empfehlungsgrad | Kernaussage |
|---|---|---|
| Gewichtsreduktion | A | Soll bei jedem übergewichtigen Schnarcher empfohlen werden. |
| Rückenlageverhinderung | B | Sollte bei rückenlagebezogenem Schnarchen angeboten werden. |
| Nasendilatatoren | 0 (Sollte) | Therapieversuch bei Nasenatmungsbehinderung im Bereich der Nasenklappe. |
| Medikamente/Sprays | Nicht empfohlen | Systemische Medikamente oder lokale Öle/Sprays werden nicht empfohlen. |
| Myofasziale Therapie | Keine Empfehlung | Aktuelle Datenlage reicht für eine Empfehlung nicht aus. |
Apparative Therapie: Unterkieferprotrusionsschiene (UPS)
Die UPS erweitert und stabilisiert den oberen Atemweg durch Vorverlagerung des Unterkiefers.
- Indikation: In geeigneten Fällen soll bei Behandlungswunsch eine UPS empfohlen werden (Empfehlungsgrad A).
- Voraussetzung: Ausreichend mögliche Protrusionsbewegung des Unterkiefers (Empfehlungsgrad B).
- Anpassung: Soll mit zahnmedizinischer und schlafmedizinischer Expertise erfolgen (Empfehlungsgrad A).
Operative Therapie
Die Indikation zu invasiven Maßnahmen ist streng zu stellen. Es sollten bevorzugt minimal-invasive Operationsverfahren eingesetzt werden.
| Operationsgebiet | Indikation & Evidenz | Empfehlungsgrad |
|---|---|---|
| Nasenchirurgie | Bei primär rhinologischer Indikation (Nasenatmungsbehinderung) zur Verbesserung des Schnarchens. | B |
| Weichgaumenchirurgie | Bei vermuteter Quelle am Weichgaumen. Bevorzugt gering-invasive Eingriffe (z.B. Radiofrequenz-Therapie, Implantate). | 0 (Sollte angeboten werden) |
| UPPP / Tonsillektomie | Wegen erhöhter Morbidität und Komplikationsrate streng zu stellen. | - |
Hinweis: Invasive operative Verfahren außerhalb von Nase und Weichgaumen werden zur Therapie des reinen Schnarchens nicht empfohlen.
💡Praxis-Tipp
Beziehen Sie bei der Anamnese unbedingt den Bettpartner ein, da der Patient selbst sein Schnarchen oft nicht objektiv beurteilen kann. Führen Sie vor jeder apparativen oder operativen Therapie eine Polygraphie durch, um eine obstruktive Schlafapnoe (OSA) sicher auszuschließen.