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Diagnostik und Therapie des Schnarchens: S3-Leitlinie AWMF

KI-generierte Zusammenfassung · Basiert auf AWMF Leitlinie · Erstellt: April 2026 · Keine Diagnose- oder Therapieempfehlung

📋Auf einen Blick

  • Reines Schnarchen ohne begleitende Schlafstörung hat aktuell keinen Krankheitswert; eine Therapie erfolgt primär auf Wunsch des Betroffenen.
  • Die Diagnostik erfordert zwingend den Ausschluss einer obstruktiven Schlafapnoe (OSA) mittels Polygraphie oder Polysomnographie vor invasiven Maßnahmen.
  • Gewichtsreduktion soll bei jedem übergewichtigen Schnarcher empfohlen werden (Empfehlungsgrad A).
  • Unterkieferprotrusionsschienen (UPS) sind bei geeigneten Patienten eine hochwirksame Therapieoption (Empfehlungsgrad A).
  • Chirurgische Eingriffe (z.B. am Weichgaumen oder der Nase) sollten bevorzugt minimal-invasiv erfolgen.
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Hintergrund

Das "Schnarchen" des Erwachsenen ist ein häufiges Phänomen, das durch Vibrationen von Weichteilstrukturen an Engstellen des oberen Atemweges im Schlaf entsteht. Aktuell wird reines Schnarchen nicht als Erkrankung mit medizinischer Gefährdung eingestuft. Eine Therapie erfolgt primär auf Wunsch des Betroffenen bzw. aufgrund der Belastung des Bettpartners.

Diagnosekriterien (in Anlehnung an ICSD-3):

  • Atmungsabhängige, meist inspiratorische akustische Phänomene im Schlaf (berichtet durch Bettpartner/Betroffenen).
  • Keine beklagte Schlafstörung, die ursächlich auf das Schnarchen zurückzuführen ist.
  • Ausschluss einer anderen schlafbezogenen Atmungsstörung (z.B. obstruktive Schlafapnoe, OSA) durch schlafmedizinische Diagnostik.

Risikofaktoren:

  • Männliches Geschlecht und zunehmendes Lebensalter
  • Übergewicht / Adipositas
  • Nikotin- und Alkoholkonsum
  • Nasenatmungsbehinderung und Hyperplasie des Weichgaumens

Diagnostik

Die Diagnostik zielt primär darauf ab, das einfache Schnarchen von einer obstruktiven Schlafapnoe (OSA) abzugrenzen.

Diagnostischer SchrittEmpfehlung / DurchführungBemerkung
AnamneseSoll durchgeführt werdenEinbeziehung des Bettpartners und Nutzung von Fragebögen (z.B. PSQI, ESS) empfohlen.
Klinische UntersuchungSoll durchgeführt werdenBeurteilung von Nase, Oropharynx, Mundhöhle (Zahnstatus bei geplanter Schiene) und Gesichtsschädel.
LaryngoskopieSollte erfolgenBei klinischem Verdacht auf laryngeales Schnarchen.
Schlafendoskopie (MISE)Kann erwogen werdenZur Topodiagnostik, Abgrenzung zur OSA und Indikationsstellung für Weichgaumen-OPs.

Indikationen zur Polygraphie/Polysomnographie: Eine objektivierende schlafmedizinische Untersuchung soll erfolgen bei:

  • Verdacht auf eine andere schlafbezogene Atmungsstörung (OSA)
  • Konkretem Therapiewunsch bezüglich des Schnarchens
  • Vorliegen relevanter kardiovaskulärer Komorbiditäten

Konservative Therapie

MaßnahmeEmpfehlungsgradKernaussage
GewichtsreduktionASoll bei jedem übergewichtigen Schnarcher empfohlen werden.
RückenlageverhinderungBSollte bei rückenlagebezogenem Schnarchen angeboten werden.
Nasendilatatoren0 (Sollte)Therapieversuch bei Nasenatmungsbehinderung im Bereich der Nasenklappe.
Medikamente/SpraysNicht empfohlenSystemische Medikamente oder lokale Öle/Sprays werden nicht empfohlen.
Myofasziale TherapieKeine EmpfehlungAktuelle Datenlage reicht für eine Empfehlung nicht aus.

Apparative Therapie: Unterkieferprotrusionsschiene (UPS)

Die UPS erweitert und stabilisiert den oberen Atemweg durch Vorverlagerung des Unterkiefers.

  • Indikation: In geeigneten Fällen soll bei Behandlungswunsch eine UPS empfohlen werden (Empfehlungsgrad A).
  • Voraussetzung: Ausreichend mögliche Protrusionsbewegung des Unterkiefers (Empfehlungsgrad B).
  • Anpassung: Soll mit zahnmedizinischer und schlafmedizinischer Expertise erfolgen (Empfehlungsgrad A).

Operative Therapie

Die Indikation zu invasiven Maßnahmen ist streng zu stellen. Es sollten bevorzugt minimal-invasive Operationsverfahren eingesetzt werden.

OperationsgebietIndikation & EvidenzEmpfehlungsgrad
NasenchirurgieBei primär rhinologischer Indikation (Nasenatmungsbehinderung) zur Verbesserung des Schnarchens.B
WeichgaumenchirurgieBei vermuteter Quelle am Weichgaumen. Bevorzugt gering-invasive Eingriffe (z.B. Radiofrequenz-Therapie, Implantate).0 (Sollte angeboten werden)
UPPP / TonsillektomieWegen erhöhter Morbidität und Komplikationsrate streng zu stellen.-

Hinweis: Invasive operative Verfahren außerhalb von Nase und Weichgaumen werden zur Therapie des reinen Schnarchens nicht empfohlen.

💡Praxis-Tipp

Beziehen Sie bei der Anamnese unbedingt den Bettpartner ein, da der Patient selbst sein Schnarchen oft nicht objektiv beurteilen kann. Führen Sie vor jeder apparativen oder operativen Therapie eine Polygraphie durch, um eine obstruktive Schlafapnoe (OSA) sicher auszuschließen.

Häufig gestellte Fragen

Reines Schnarchen (ohne Schlafapnoe) gilt aktuell nicht als Erkrankung mit medizinischer Gefährdung. Eine Therapie erfolgt meist aus sozialen Gründen zur Entlastung des Bettpartners.
Nein. Die Leitlinie empfiehlt weder systemische Medikamente noch lokale intraorale Öle oder Sprays, da ein wissenschaftlicher Wirksamkeitsnachweis fehlt.
Da reines Schnarchen keinen Krankheitswert hat, sind viele spezifische Therapien (wie Schienen oder OPs) oft keine Kassenleistung. Dies muss im Einzelfall vorab geklärt werden.
Wenn gleichzeitig eine Nasenatmungsbehinderung vorliegt, kann eine OP angeboten werden. Sie lindert oft die subjektive Belastung, auch wenn objektive Messungen sich nicht immer verbessern. Ohne Nasenatmungsbehinderung gibt es keine Evidenz für eine OP.

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