Rhinosinusitis: S2k-Leitlinie (AWMF/DGHNO-KHC/DEGAM)
📋Auf einen Blick
- •Die akute Rhinosinusitis (ARS) wird rein klinisch diagnostiziert; eine routinemäßige Bildgebung ist nicht indiziert.
- •Bei der chronischen Rhinosinusitis (CRS) sind eine nasale Endoskopie sowie eine Schnittbildgebung (CT/DVT) zur Diagnosestellung erforderlich.
- •Antibiotika (1. Wahl: Amoxicillin) sind bei ARS nur bei starken Schmerzen mit erhöhten Entzündungswerten oder Komplikationen indiziert.
- •Nasenspülungen mit Salzlösungen und topische Steroide bilden die Basistherapie der CRS.
- •Phytotherapeutika (BNO 1016, Eukalyptusextrakte) können zur Symptomlinderung bei ARS empfohlen werden.
Hintergrund
Die Rhinosinusitis (RS) umfasst entzündliche Veränderungen der Nasen- und Nasennebenhöhlenschleimhaut. Die Einteilung erfolgt primär nach dem zeitlichen Verlauf:
| Klassifikation | Dauer / Häufigkeit | Besonderheiten |
|---|---|---|
| Akute RS (ARS) | ≤ 12 Wochen | Vollständige Ausheilung in der Regel innerhalb von 2-4 Wochen |
| Rezidivierende akute RS | ≥ 4 Episoden pro Jahr | Zwischen den Episoden vollständige Beschwerdefreiheit |
| Chronische RS (CRS) | > 12 Wochen | Unterscheidung in CRScNP (mit Polypen) und CRSsNP (ohne Polypen) |
Die Diagnose einer ARS wird klinisch gestellt. Typische Symptome sind Nasenatmungsbehinderung, anteriore oder posteriore Sekretion, Gesichtsschmerz und Riechstörung. Fakultativ treten Fieber und Kopfschmerzen auf.
Diagnostik und Bildgebung
Die apparative Diagnostik richtet sich streng nach der Verlaufsform der Rhinosinusitis:
| Verlaufsform | Klinische Untersuchung | Bildgebung | Labor / Mikrobiologie |
|---|---|---|---|
| ARS | Rhinoskopie, Inspektion, Palpation | Keine routinemäßige Bildgebung | CRP/BSG nur bei starken Schmerzen zur AB-Indikation |
| Rez. ARS | Endoskopie (oder Rhinoskopie) | CT/DVT nur im symptomfreien Intervall (OP-Planung) | Allergiediagnostik bei Verdacht |
| CRS | Nasale Endoskopie obligat | Schnittbildgebung (CT/DVT) obligat zur Diagnose/OP-Planung | Spezielle Labordiagnostik nur bei Verdacht auf Systemerkrankung |
Ein routinemäßiger mikrobiologischer Abstrich wird nicht empfohlen. Er bleibt therapieresistenten Verläufen oder immunsupprimierten Patienten vorbehalten.
Therapie der Akuten Rhinosinusitis (ARS)
Die ARS heilt in 60-80 % der Fälle innerhalb von zwei Wochen spontan aus. Die Therapie ist primär symptomatisch.
| Maßnahme | Empfehlung | Bemerkung |
|---|---|---|
| Nasenspülungen | Empfohlen | Physiologische Kochsalzlösung |
| Inhalation | Empfohlen | Heiße Dämpfe (38-42 °C) |
| Phytotherapeutika | Empfohlen | BNO 1016 (Mischextrakt) oder Eukalyptusextrakte (Cineol/Myrtol) |
| Dekongestiva | Kurzzeitig möglich | Maximal 7-10 Tage, bevorzugt ohne Benzalkoniumchlorid |
| Topische Steroide | Zurückhaltend | Eher bei rezidivierender ARS oder allergischer Genese |
Antibiotische Therapie bei ARS
Eine routinemäßige Antibiotikagabe wird nicht empfohlen, da die meisten Fälle viral bedingt sind.
Indikationen für Antibiotika:
- Starke/sehr starke Schmerzen plus erhöhte Entzündungswerte (CRP > 10 mg/l, BSG ↑)
- Fieber > 38,5 °C oder zunehmende Beschwerden im Verlauf
- Hinweise auf Komplikationen (Gesichtsschwellung, Lethargie, starke Kopfschmerzen)
Mittel der Wahl:
- Amoxicillin (3 x 500 mg/d)
- Alternativ: Cephalosporine (z. B. Cefuroxim 2 x 250 mg/d)
Therapie der Chronischen Rhinosinusitis (CRS)
Die Therapie der CRS erfordert ein langfristiges Konzept zur Kontrolle der Schleimhautentzündung.
- Nasenspülungen: Hochvolumige (≥ 150 ml), iso- bis leicht hypertone Salzlösungen sind Basistherapie.
- Topische Steroide: Sollen zur Therapie der CRSsNP und insbesondere der CRScNP (mit Polypen) angewendet werden.
- Antibiotika: Bei CRSsNP kann ein längerdauernder Einsatz von Clarithromycin bei Versagen der Standardtherapie erwogen werden. Bei CRScNP (Rezidiv-Polyposis) ggf. Doxycyclin.
- Biologika: Bei Versagen etablierter Therapien im Einzelfall bei CRScNP möglich.
- Operation: Bei Versagen der konservativen Therapie sollte eine chirurgische Sanierung erwogen werden.
Bei Patienten mit Analgetika-Intoleranz (NERD) und CRScNP sollte nach einer Operation eine adaptive Desaktivierungsbehandlung (ASS-Desensibilisierung) durchgeführt werden.
💡Praxis-Tipp
Verzichten Sie bei der unkomplizierten akuten Rhinosinusitis auf eine Bildgebung und Antibiotika. Empfehlen Sie stattdessen hochvolumige Nasenspülungen, kurzzeitige Dekongestiva (max. 7-10 Tage) und evidenzbasierte Phytotherapeutika.