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Rhinosinusitis: S2k-Leitlinie (AWMF/DGHNO-KHC/DEGAM)

KI-generierte Zusammenfassung · Basiert auf AWMF Leitlinie · Erstellt: April 2026 · Keine Diagnose- oder Therapieempfehlung

📋Auf einen Blick

  • Die akute Rhinosinusitis (ARS) wird rein klinisch diagnostiziert; eine routinemäßige Bildgebung ist nicht indiziert.
  • Bei der chronischen Rhinosinusitis (CRS) sind eine nasale Endoskopie sowie eine Schnittbildgebung (CT/DVT) zur Diagnosestellung erforderlich.
  • Antibiotika (1. Wahl: Amoxicillin) sind bei ARS nur bei starken Schmerzen mit erhöhten Entzündungswerten oder Komplikationen indiziert.
  • Nasenspülungen mit Salzlösungen und topische Steroide bilden die Basistherapie der CRS.
  • Phytotherapeutika (BNO 1016, Eukalyptusextrakte) können zur Symptomlinderung bei ARS empfohlen werden.
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Hintergrund

Die Rhinosinusitis (RS) umfasst entzündliche Veränderungen der Nasen- und Nasennebenhöhlenschleimhaut. Die Einteilung erfolgt primär nach dem zeitlichen Verlauf:

KlassifikationDauer / HäufigkeitBesonderheiten
Akute RS (ARS)≤ 12 WochenVollständige Ausheilung in der Regel innerhalb von 2-4 Wochen
Rezidivierende akute RS≥ 4 Episoden pro JahrZwischen den Episoden vollständige Beschwerdefreiheit
Chronische RS (CRS)> 12 WochenUnterscheidung in CRScNP (mit Polypen) und CRSsNP (ohne Polypen)

Die Diagnose einer ARS wird klinisch gestellt. Typische Symptome sind Nasenatmungsbehinderung, anteriore oder posteriore Sekretion, Gesichtsschmerz und Riechstörung. Fakultativ treten Fieber und Kopfschmerzen auf.

Diagnostik und Bildgebung

Die apparative Diagnostik richtet sich streng nach der Verlaufsform der Rhinosinusitis:

VerlaufsformKlinische UntersuchungBildgebungLabor / Mikrobiologie
ARSRhinoskopie, Inspektion, PalpationKeine routinemäßige BildgebungCRP/BSG nur bei starken Schmerzen zur AB-Indikation
Rez. ARSEndoskopie (oder Rhinoskopie)CT/DVT nur im symptomfreien Intervall (OP-Planung)Allergiediagnostik bei Verdacht
CRSNasale Endoskopie obligatSchnittbildgebung (CT/DVT) obligat zur Diagnose/OP-PlanungSpezielle Labordiagnostik nur bei Verdacht auf Systemerkrankung

Ein routinemäßiger mikrobiologischer Abstrich wird nicht empfohlen. Er bleibt therapieresistenten Verläufen oder immunsupprimierten Patienten vorbehalten.

Therapie der Akuten Rhinosinusitis (ARS)

Die ARS heilt in 60-80 % der Fälle innerhalb von zwei Wochen spontan aus. Die Therapie ist primär symptomatisch.

MaßnahmeEmpfehlungBemerkung
NasenspülungenEmpfohlenPhysiologische Kochsalzlösung
InhalationEmpfohlenHeiße Dämpfe (38-42 °C)
PhytotherapeutikaEmpfohlenBNO 1016 (Mischextrakt) oder Eukalyptusextrakte (Cineol/Myrtol)
DekongestivaKurzzeitig möglichMaximal 7-10 Tage, bevorzugt ohne Benzalkoniumchlorid
Topische SteroideZurückhaltendEher bei rezidivierender ARS oder allergischer Genese

Antibiotische Therapie bei ARS

Eine routinemäßige Antibiotikagabe wird nicht empfohlen, da die meisten Fälle viral bedingt sind.

Indikationen für Antibiotika:

  • Starke/sehr starke Schmerzen plus erhöhte Entzündungswerte (CRP > 10 mg/l, BSG ↑)
  • Fieber > 38,5 °C oder zunehmende Beschwerden im Verlauf
  • Hinweise auf Komplikationen (Gesichtsschwellung, Lethargie, starke Kopfschmerzen)

Mittel der Wahl:

  • Amoxicillin (3 x 500 mg/d)
  • Alternativ: Cephalosporine (z. B. Cefuroxim 2 x 250 mg/d)

Therapie der Chronischen Rhinosinusitis (CRS)

Die Therapie der CRS erfordert ein langfristiges Konzept zur Kontrolle der Schleimhautentzündung.

  • Nasenspülungen: Hochvolumige (≥ 150 ml), iso- bis leicht hypertone Salzlösungen sind Basistherapie.
  • Topische Steroide: Sollen zur Therapie der CRSsNP und insbesondere der CRScNP (mit Polypen) angewendet werden.
  • Antibiotika: Bei CRSsNP kann ein längerdauernder Einsatz von Clarithromycin bei Versagen der Standardtherapie erwogen werden. Bei CRScNP (Rezidiv-Polyposis) ggf. Doxycyclin.
  • Biologika: Bei Versagen etablierter Therapien im Einzelfall bei CRScNP möglich.
  • Operation: Bei Versagen der konservativen Therapie sollte eine chirurgische Sanierung erwogen werden.

Bei Patienten mit Analgetika-Intoleranz (NERD) und CRScNP sollte nach einer Operation eine adaptive Desaktivierungsbehandlung (ASS-Desensibilisierung) durchgeführt werden.

💡Praxis-Tipp

Verzichten Sie bei der unkomplizierten akuten Rhinosinusitis auf eine Bildgebung und Antibiotika. Empfehlen Sie stattdessen hochvolumige Nasenspülungen, kurzzeitige Dekongestiva (max. 7-10 Tage) und evidenzbasierte Phytotherapeutika.

Häufig gestellte Fragen

Nur bei starken Beschwerden mit erhöhten Entzündungswerten (CRP/BSG), Fieber > 38,5 °C, Symptomverschlechterung im Verlauf oder drohenden Komplikationen. 1. Wahl ist Amoxicillin.
Bei der akuten Form keine. Bei der chronischen Rhinosinusitis (CRS) ist ein low-dose CT (alternativ DVT) die Methode der Wahl, insbesondere zur OP-Planung.
Maximal 7 bis 10 Tage, um einen Rebound-Effekt (Rhinitis medicamentosa) zu vermeiden. Präparate ohne Benzalkoniumchlorid sind zu bevorzugen.
Sie sind ein zentraler Baustein bei der Therapie der chronischen Rhinosinusitis (mit und ohne Polypen) sowie bei der rezidivierenden akuten Form.

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