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Formstörungen der Nase: S2k-Leitlinie (AWMF)

KI-generierte Zusammenfassung · Basiert auf AWMF Leitlinie · Erstellt: April 2026 · Keine Diagnose- oder Therapieempfehlung

📋Auf einen Blick

  • Die funktionell-ästhetische Septorhinoplastik zielt auf die Wiederherstellung der Nasenfunktion und einer normalen Form ab; rein kosmetische Eingriffe sind ausgeschlossen.
  • Entscheidend für die OP-Indikation sind die subjektiven Beschwerden (z.B. Nasenatmungsbehinderung) in Kombination mit einem passenden klinischen Befund.
  • Apparative rhinologische Funktionstests dienen nur als Orientierungshilfe und ersetzen nicht die klinische Evaluation.
  • Eine Fotodokumentation ist bei jeder formverändernden Operation der äußeren Nase obligatorisch.
  • Vollständige Resektionen der Nasenmuscheln (Turbinektomien) sollen wegen der Gefahr eines Empty-Nose-Syndroms unterlassen werden.
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Hintergrund

Die Nase erfüllt als Atmungs- und Sinnesorgan essenzielle Aufgaben wie die Atemluftkonditionierung (Erwärmung, Anfeuchtung), Partikelfiltration, immunologische Abwehr und die Riechfunktion. Formstörungen der inneren und äußeren Nase können diese Funktionen erheblich beeinträchtigen. Die Leitlinie fokussiert sich auf die funktionell-ästhetische Septorhinoplastik, welche die Wiederherstellung einer gestörten Funktion durch simultane Veränderung der inneren und äußeren Nase anstrebt. Rein kosmetische Eingriffe zur individuellen Verschönerung ohne funktionellen oder rekonstruktiven Hintergrund sind nicht Gegenstand dieser Leitlinie.

Formstörungen der äußeren Nase

Formstörungen der äußeren Nase gehen häufig mit Veränderungen der inneren Nase (z.B. Septumdeviation) einher. Die Ausprägung der Formstörung korreliert dabei nicht zwingend mit dem Schweregrad der funktionellen Einschränkung.

FormstörungCharakteristikaFunktionelle Auswirkungen
SchiefnaseAbweichung des Nasenrückens aus der Median-Sagittal-EbeneOft kombiniert mit Septumdeviation und Nasenklappenverengung
Sattelnase / BreitnaseAbsenkung des Nasenrückenprofils, oft nach Trauma oder Vor-OPAufweitung der Nasenklappe (Ballooning-Phänomen), ungleichmäßige Durchströmung
HöckernaseNasenrücken überragt die Verbindungslinie zur NasenwurzelIn der Regel keine Funktionsbeeinträchtigung (isoliert betrachtet)
SpannungsnaseÜberhöhter Nasenrücken und -spitze, schmales NasengerüstEingeengte Nasenklappe (<15°), Ansaugphänomen der Nasenflügel bei Inspiration

Diagnostik

Die Diagnostik stützt sich primär auf Anamnese, Inspektion und Palpation.

  • Fotodokumentation: Eine standardisierte Fotodokumentation aus verschiedenen Perspektiven sollte bei jeder Operation erfolgen, die eine Formveränderung herbeiführt.
  • Rhinologische Funktionstests: Verfahren wie Rhinomanometrie oder akustische Rhinometrie sollten durchgeführt werden. Wichtig: Diese Tests sind fehlerbehaftet und korrelieren nicht sicher mit der subjektiv behinderten Nasenatmung. Sie dienen lediglich als Orientierungshilfe. Entscheidend für die Indikationsstellung sind die subjektiven Beschwerden und der pathologische klinische Befund.
  • Zusatzdiagnostik: Riechtestung, Allergiediagnostik und radiologische Bildgebung (3D) können fallbezogen ergänzt werden.

Indikationen und Kontraindikationen

Die Chirurgie der Nase muss stets funktionelle und ästhetische Kriterien berücksichtigen. Eine ungestörte nasale Funktion setzt eine normale Anatomie voraus.

KategorieKriterien
IndikationenBehinderte Nasenatmung (mit/ohne Folgeerkrankungen), erschwerte Blutstillung bei Epistaxis, Zugang für endonasale OPs, relevante ästhetische Beeinträchtigung (z.B. Spaltbildungen, Trauma), Optimierung einer CPAP-Therapie
KontraindikationenVerdacht auf Dysmorphophobie, elektive Eingriffe in der Schwangerschaft, reduzierter Allgemeinzustand, akute Infektionen (z.B. Rhinosinusitis, Covid-19), unrealistische Erwartungen des Patienten

Präoperative Aufklärung

An die Aufklärung bei funktionell-ästhetischen Eingriffen werden besonders hohe Anforderungen gestellt. Patienten müssen umfassend über mögliche Komplikationen informiert werden, darunter:

  • Postoperative Nachblutungen und Septumhämatome/-abszesse
  • Septumperforation und endonasale Synechien
  • Ungenügendes funktionelles Ergebnis oder ungewollte Formveränderung
  • Riechstörungen und trockene Nasenschleimhaut
  • Nikotinabusus: Es sollte darüber aufgeklärt werden, dass Rauchen sich negativ auf die Wundheilung auswirken, die Funktionsverbesserung einschränken und das Perforationsrisiko erhöhen kann.

Operative Therapie

Zeitpunkt der Operation

Eingriffe sollten möglichst nach Abschluss des Gesichtswachstums erfolgen (Mädchen ab ca. 16 Jahren, Jungen ab ca. 18 Jahren). Ausnahmen bilden ausgeprägte Deformitäten mit Gefahr schwerwiegender Folgezustände (z.B. Lippen-Kiefer-Gaumenspalten). Revisionseingriffe sollten in der Regel nicht früher als 6 bis 12 Monate nach der letzten Operation stattfinden.

Transplantate und Implantate

Für rekonstruktive oder augmentierende Maßnahmen werden autogene Knorpeltransplantate (Septum-, Ohrmuschel- oder Rippenknorpel) bevorzugt. Alloplastische Materialien weisen eine höhere Extrusionsrate auf und sollten nur in Ausnahmefällen verwendet werden.

Eingriffe an den Nasenmuscheln

Muscheleingriffe sind ein fakultativer Bestandteil der funktionellen Rhinochirurgie. Zur Volumenreduktion stehen resezierende oder koagulierende Verfahren zur Verfügung.

  • Vollständige Resektionen (Turbinektomien) sowie Überresektionen von Muschelgewebe sollen unterlassen werden (Ausnahme: Tumorchirurgie), da sie zu einem Empty-Nose-Syndrom oder therapieresistenten Verkrustungen ("Stinknase") führen können.

Postoperatives Management

  • Eingelegte Nasentamponaden sollen gegen Aspiration gesichert werden.
  • Zur Hämatom- und Schwellungsprophylaxe erfolgt je nach Eingriff eine innere und äußere Schienung.
  • Eine intensive Schleimhautpflege (isotonische Nasensprays, Nasensalben) wird für etwa 3 bis 4 Wochen postoperativ empfohlen.

💡Praxis-Tipp

Verlassen Sie sich bei der Indikationsstellung zur funktionellen Septorhinoplastik primär auf die subjektiven Beschwerden des Patienten und den passenden klinischen Befund. Apparative Messungen wie die Rhinomanometrie korrelieren oft nicht sicher mit der gefühlten Obstruktion und dienen lediglich als Zusatzinformation.

Häufig gestellte Fragen

In der Regel erst nach Abschluss des Gesichtswachstums (Mädchen ab ca. 16 Jahren, Jungen ab ca. 18 Jahren). Ausnahmen gelten bei schweren funktionellen Störungen oder Spaltbildungen.
Revisionseingriffe sollten frühestens 6 bis 12 Monate nach der letzten Operation durchgeführt werden, um den Heilungsprozess abzuwarten.
Nein, vollständige Resektionen sowie Überresektionen sollen unterlassen werden, da sie zu einem Empty-Nose-Syndrom oder einer Stinknase führen können. Ausnahmen gelten nur bei Tumoren.
Ja, bei jeder Operation, die eine Formveränderung der äußeren Nase herbeiführt, sollte eine standardisierte Fotodokumentation aus verschiedenen Perspektiven erfolgen.
Autologer Knorpel (aus Septum, Ohrmuschel oder Rippe) wird bevorzugt. Alloplastische Materialien sollten wegen einer höheren Extrusionsrate nur in Ausnahmefällen verwendet werden.

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