Odontogene Sinusitis maxillaris: Leitlinie (AWMF)
📋Auf einen Blick
- •Die odontogene Sinusitis maxillaris tritt meist einseitig auf und erfordert die Beseitigung der dentalen Ursache.
- •Die häufigste Ursache ist eine Mund-Kieferhöhlen-Verbindung (z. B. nach Zahnextraktion).
- •Zur Basisdiagnostik gehören die klinische Untersuchung (inkl. Nasenblasversuch) sowie ein OPG oder Zahnfilm.
- •Auf routinemäßige mikrobiologische Abstriche kann verzichtet werden.
- •Eine radikale Ausräumung der Kieferhöhlenschleimhaut soll nicht mehr durchgeführt werden.
- •Kalkulierte Antibiose der Wahl bei Ausbreitungstendenz ist ein Aminopenicillin (ggf. mit Betalactamaseinhibitor) oder Clindamycin.
Hintergrund
Die odontogene Sinusitis maxillaris ist eine entzündliche Veränderung der Kieferhöhlenschleimhaut, die durch odontogene Infektionen oder zahnmedizinische Behandlungen verursacht wird. Sie tritt meist einseitig auf und macht etwa 10–40 % aller Fälle einer Sinusitis maxillaris aus. Sie ist bezüglich der Ätiologie und Therapie klar von der rhinogenen Rhinosinusitis abzugrenzen.
| Häufigste Ursachen | Bemerkung |
|---|---|
| Mund-Kieferhöhlen-Verbindung | Häufigste Ursache (z. B. nach Zahnextraktion) |
| Apikale Parodontitis | Zweithäufigste Ursache (Folge einer Pulpaerkrankung) |
| Disloziertes Material | Überstopftes Wurzelfüllmaterial (begünstigt Aspergillose), Implantate, Augmentate |
| Weitere dentale Ursachen | Parodontitis, Zysten, Wurzelreste |
Diagnostik
Anamnese und Klinik
Bei Beschwerden im Bereich des Sinus maxillaris soll gezielt nach Einseitigkeit, Zahnbeschwerden und vorausgegangenen zahnärztlichen oder chirurgischen Eingriffen gefragt werden.
- Klinische Untersuchung: Eine extra- und intraorale Untersuchung soll erfolgen.
- Intraoraler Status: Die Prüfung auf eine Mund-Kieferhöhlen-Verbindung (Nasenblasversuch, Sondierung), der Zahnstatus (Sensibilität, Perkussion, Lockerung) und der Implantatstatus sollen erfasst werden.
- HNO-Konsil: Findet sich keine dentale Ursache, soll eine anteriore Rhinoskopie/Endoskopie erfolgen.
Bildgebung
Die Bildgebung dient der Ursachensuche und Operationsplanung. MRT und Sonographie spielen in der Routinediagnostik keine Rolle.
| Verfahren | Indikation | Empfehlungsgrad |
|---|---|---|
| Panoramaschichtaufnahme (OPG) / Zahnfilm | Basisdiagnostik zur Ursachensuche | soll |
| Digitale Volumentomographie (DVT) | Bei Unklarheiten in der 2D-Bildgebung | sollte |
| Low-Dose-CT oder DVT | Zur Planung und Durchführung einer Kieferhöhlen-OP | sollte |
Mikrobiologie
Auf mikrobiologische Testverfahren in der Routinebehandlung kann verzichtet werden, da es sich meist um Mischinfektionen (aerob/anaerob) der normalen Mundflora handelt und die Probengewinnung fehleranfällig ist.
Therapie
Zahnärztliche und chirurgische Therapie
Die Beseitigung der Infektionsursache steht im Vordergrund und soll erfolgen. Oft genügt eine rein zahnärztliche Behandlung (z. B. Wurzelkanalbehandlung, Extraktion, plastische Fisteldeckung).
Eine operative Therapie soll erfolgen, wenn sich der pathologische Prozess in die Kieferhöhle ausdehnt oder die Ventilation und Drainage langfristig gestört ist.
- Vorgehen: Ein transorales Vorgehen sollte bevorzugt werden.
- Drainage: Kann über eine Fensterung im unteren oder mittleren Nasengang erfolgen (soll).
- Obsolete Verfahren: Auf die radikale Ausräumung der Kieferhöhlenschleimhaut und die dauerhafte Entfernung des facialen Kieferhöhlendeckels soll verzichtet werden.
- Histologie: Bei Tumorverdacht soll eine Biopsie erfolgen.
Medikamentöse Therapie
| Medikamentengruppe | Wirkstoff / Präparat | Indikation / Bemerkung |
|---|---|---|
| Dekongestiva | Abschwellende Nasentropfen | kann zur Linderung verwendet werden (max. 7 Tage, ohne Benzalkoniumchlorid) |
| Antibiotika (1. Wahl) | Aminopenicillin (ggf. mit Betalactamaseinhibitor) | Bei Ausbreitungstendenz oder akuter Exazerbation |
| Antibiotika (2. Wahl) | Clindamycin | Bei Penicillin-Allergie |
Komplikationen und Schnittstellen
Komplikationen (Meningitis, Orbitaphlegmone, intrakranieller Abszess) sind selten. Warnzeichen sind starke Schmerzen, Gesichtsschwellung, anhaltendes Fieber, Lethargie und neurologische Symptome.
Patienten mit diesen Warnzeichen, relevanten Komorbiditäten, Ausbreitungstendenz oder Therapieversagen im ambulanten Bereich sollten stationär behandelt werden.
💡Praxis-Tipp
Denken Sie bei einer streng einseitigen Sinusitis maxillaris immer an eine dentale Ursache und führen Sie einen Nasenblasversuch zum Ausschluss einer Mund-Antrum-Verbindung durch.