Retinaler Arterienverschluss (RAV): Diagnostik & Lyse
Hintergrund
Der retinale arterielle Verschluss (RAV) ist ein augenärztlicher Notfall, der meist zu einer drastischen und dauerhaften Seheinschränkung führt. Er betrifft vorwiegend ältere Erwachsene, wobei der Häufigkeitsgipfel zwischen dem 65. und 70. Lebensjahr liegt.
Unterschieden wird primär zwischen thromboembolischen, nicht-arteriitischen Verschlüssen (etwa 95 Prozent) und arteriitischen Verschlüssen (etwa 5 Prozent). Letztere werden in der Regel durch eine Riesenzellarteriitis verursacht und erfordern ein abweichendes therapeutisches Vorgehen.
Ein RAV geht mit einem stark erhöhten Risiko für zerebro- und kardiovaskuläre Ereignisse einher. Insbesondere in den ersten Tagen bis Wochen nach dem Verschlussereignis ist das Risiko für einen Schlaganfall oder Herzinfarkt signifikant erhöht, was eine rasche interdisziplinäre Abklärung erforderlich macht.
💡Praxis-Tipp
Ein retinaler Arterienverschluss ist nicht nur ein augenärztlicher Notfall, sondern ein Vorbote für lebensbedrohliche systemische Ereignisse. Es wird dringend empfohlen, betroffene Personen unverzüglich einer stationären internistisch-neurologischen Abklärung zuzuführen, da das Risiko für einen Schlaganfall in den ersten Tagen nach dem Verschlussereignis massiv erhöht ist. Zudem wird betont, bei jedem RAV initial an eine Riesenzellarteriitis zu denken und vorab entsprechende Entzündungsparameter bestimmen zu lassen.
Häufig gestellte Fragen
Laut Leitlinie kann eine intravenöse Lysetherapie nur innerhalb der ersten 4,5 Stunden nach Symptombeginn erwogen werden. Nach Ablauf dieses Zeitfensters wird von einer Lyse abgeraten, da die ischämischen Netzhautschäden dann bereits irreversibel sind.
Die Leitlinie rät von einer Parazentese zur Senkung des Augeninnendrucks ab. Es konnte in Studien kein positiver Effekt auf die Sehfunktion nachgewiesen werden, während gleichzeitig das Risiko für Komplikationen wie eine Endophthalmitis besteht.
Bei einem nicht-arteriitischen Verschluss wird die Einleitung einer Therapie mit einem Thrombozytenfunktionshemmer wie ASS 100 mg pro Tag empfohlen. Eine therapeutische Antikoagulation ist nur bei Nachweis einer konkreten Emboliequelle, wie etwa Vorhofflimmern, indiziert.
Bei Verdacht auf eine Riesenzellarteriitis wird eine sofortige hochdosierte intravenöse Steroidgabe empfohlen. Dies ist essenziell, um einen Befall des zweiten Auges oder anderer Organe zu verhindern.
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Quelle: Retinale arterielle Verschlüsse (RAV) (AWMF). Originaldokument ansehen
KI-generierte Zusammenfassung. Keine Diagnose- oder Therapieempfehlung. Die klinische Entscheidung trifft der behandelnde Arzt.
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