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Diabetische Retinopathie: Leitlinie (AWMF)

KI-generierte Zusammenfassung · Basiert auf AWMF Leitlinie · Erstellt: April 2026 · Keine Diagnose- oder Therapieempfehlung

📋Auf einen Blick

  • Die OCT ist der Standard zur Indikationsstellung und Verlaufskontrolle des diabetischen Makulaödems (DMÖ).
  • Bei milder oder mäßiger NPDR ohne Makulaödem ist weder eine Laser- noch eine IVOM-Therapie indiziert.
  • Die proliferative diabetische Retinopathie (PDR) wird primär mit einer panretinalen Laserkoagulation behandelt.
  • Ein DMÖ mit Foveabeteiligung und relevanter Visusminderung wird primär mit intravitrealen VEGF-Inhibitoren (IVOM) therapiert.
  • Eine kardioprotektive Therapie mit ASS ist bei diabetischer Retinopathie sicher und erhöht das Blutungsrisiko nicht.
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Hintergrund

Die diabetische Retinopathie und das diabetische Makulaödem (DMÖ) gehören zu den häufigsten mikrovaskulären Komplikationen des Diabetes mellitus. Eine stadiengerechte Diagnostik und Therapie ist essenziell, um irreversible Sehverluste zu verhindern.

Diagnostik

Die Basisdiagnostik umfasst die Bestimmung der bestkorrigierten Sehschärfe, die Spaltlampenuntersuchung (Ausschluss Rubeosis iridis) und die Funduskopie in Mydriasis.

UntersuchungsmethodeIndikationBemerkung
OCT (Optische Kohärenztomographie)Symptomatische Makulopathie, Indikationsstellung & Kontrolle bei DMÖStandard zur Quantifizierung der Netzhautdicke und Therapiesteuerung.
Fluoreszeinangiografie (FAG)Verdacht auf makuläre/periphere Ischämie, vor fokaler LasertherapieAbgrenzung von Neovaskularisationen und ischämischen Arealen.
AugeninnendruckmessungFortgeschrittene Retinopathie-StadienErhöhtes Risiko für Sekundärglaukom durch Kammerwinkel-Neovaskularisationen.

Systemische Therapie

Eine optimale Blutzucker- und Blutdruckeinstellung ist die Basis der Prävention.

  • ASS: Eine kardioprotektive Therapie mit ASS beeinflusst den Verlauf der Retinopathie nicht und erhöht nicht das Risiko für Glaskörperblutungen.
  • Fenofibrat: Kann die Progression der Retinopathie bremsen (insbesondere in frühen Stadien) und das Risiko für spätere Lasertherapien senken.

Therapie der diabetischen Retinopathie

Die Therapie richtet sich nach dem Stadium der Retinopathie (NPDR vs. PDR).

StadiumEmpfohlene TherapieBemerkung
Milde/mäßige NPDRBeobachtungKeine panretinale Laserkoagulation, keine IVOM (ohne DMÖ).
Schwere NPDRGgf. panretinale LaserkoagulationNur bei Risikopatienten (z.B. mangelnde Adhärenz, Schwangerschaft, Ischämie). Keine IVOM!
PDR (Proliferativ)Panretinale Laserkoagulation (PRP)Standardtherapie. IVOM nur in Ausnahmefällen (z.B. Medien-Trübung) bei gesicherter Adhärenz.

Sonderfall: Bei gleichzeitigem Vorliegen von PDR und therapiebedürftigem DMÖ sollte das DMÖ vor oder parallel zur panretinalen Lasertherapie behandelt werden, da der Laser ein Makulaödem verschlechtern kann.

Therapie des Diabetischen Makulaödems (DMÖ)

Entscheidend für die Therapieauswahl ist die Beteiligung der Fovea und das Ausmaß der Sehminderung.

BefundkonstellationPrimäre TherapieAlternative / Bemerkung
Ohne FoveabeteiligungFokale LaserkoagulationKeine IVOM indiziert.
Mit Foveabeteiligung, Visus ≥ 0,8BeobachtungKeine IVOM oder Lasertherapie empfohlen.
Mit Foveabeteiligung, Visus < 0,8Anti-VEGF IVOMPrimärtherapie. Bei Non-Respondern Wechsel auf intravitreale Steroide (Dexamethason/Fluocinolon).

Hinweise zur Steroid-IVOM: Intravitreale Steroide (z.B. Dexamethason- oder Fluocinolon-Implantate) sind wirksam, bergen jedoch ein hohes Risiko für die Entwicklung einer Katarakt (bis zu 80%) und eines Sekundärglaukoms (ca. 40%). Sie sind primär für pseudophake Patienten oder bei unzureichendem Ansprechen auf Anti-VEGF vorgesehen.

Schwere Komplikationen und Chirurgie

Bei schweren Komplikationen der PDR ist eine Pars-plana-Vitrektomie indiziert:

  • Nicht resorbierende Glaskörperblutungen
  • Traktive zentrale Netzhautablösung (Traktionsamotio)

Eine präoperative Vorbehandlung mit VEGF-Inhibitoren (5-7 Tage vor OP) kann die intraoperative Blutungsneigung reduzieren, birgt jedoch das Risiko einer Traktionsverstärkung.

Rehabilitation

Bei fortschreitendem Sehverlust, der durch reguläre Brillen nicht ausgleichbar ist, sollen vergrößernde Sehhilfen (optisch oder elektronisch) angepasst werden. Ein Orientierungs- und Mobilitätstraining (O&M) sowie Schulungen in lebenspraktischen Fähigkeiten (LPF) sind für hochgradig sehbehinderte Patienten essenziell.

💡Praxis-Tipp

Behandeln Sie bei gleichzeitigem Vorliegen einer proliferativen diabetischen Retinopathie (PDR) und einem Makulaödem (DMÖ) das Ödem stets vor oder parallel zur panretinalen Laserkoagulation, da der Laser das Makulaödem aggravieren kann.

Häufig gestellte Fragen

Ja. Das Vorliegen einer Retinopathie ist keine Kontraindikation. ASS beeinflusst den Verlauf nicht und erhöht das Risiko für Glaskörperblutungen nicht.
Eine IVOM (primär Anti-VEGF) ist nur bei einem DMÖ mit Foveabeteiligung und relevanter Sehminderung (Visus < 0,8) indiziert. Ohne Foveabeteiligung oder bei gutem Visus wird sie nicht empfohlen.
Die panretinale Laserkoagulation. Eine IVOM-Therapie ist nur in Ausnahmefällen (z.B. bei optisch eingeschränkten Medien) und bei sehr guter Patientenadhärenz eine Alternative.
Sie haben ein sehr hohes Risiko für die Entwicklung einer Katarakt (bis zu 80% benötigen eine OP) und eine Augeninnendruckerhöhung (ca. 40% benötigen drucksenkende Therapie).

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