Reizdarmsyndrom (RDS): Diagnostik und Therapieoptionen
Hintergrund
Die AWMF S3-Leitlinie definiert das Reizdarmsyndrom (RDS) als chronische Erkrankung, die länger als drei Monate anhält. Die Beschwerden werden auf den Darm bezogen, gehen mit Stuhlgangsveränderungen einher und beeinträchtigen die Lebensqualität relevant.
Voraussetzung für die Diagnose ist, dass keine für andere Krankheitsbilder charakteristischen Veränderungen vorliegen. Die Leitlinie beschreibt das RDS als komplexe Störung der Darm-Hirn-Achse.
Pathophysiologisch können Motilitätsstörungen, eine gestörte intestinale Barriere, viszerale Hypersensitivität sowie Veränderungen des Mikrobioms eine Rolle spielen. Zudem wird die Bedeutung psychischer Faktoren wie Stress oder komorbider Angststörungen bei der Entstehung und Aufrechterhaltung betont.
💡Praxis-Tipp
Die Leitlinie betont, dass nach einer sorgfältigen initialen Diagnosestellung und dem Ausschluss von Alarmsymptomen auf wiederholte Diagnostik verzichtet werden soll. Wenn im weiteren Verlauf keine neuen klinischen Aspekte auftreten, trägt eine erneute apparative Abklärung nicht zur Sicherheit bei, sondern kann eine Chronifizierung der Beschwerden fördern. Das Management sollte sich stattdessen auf eine symptomorientierte Therapie konzentrieren.
Häufig gestellte Fragen
Die Leitlinie empfiehlt bei Schmerzen, Blähungen und Diarrhoe eine Low-FODMAP-Diät. Bei Verstopfung wird eine erhöhte Zufuhr von löslichen Ballaststoffen wie Flohsamenschalen empfohlen.
Ausgewählte Probiotika sollten laut Leitlinie in der Behandlung eingesetzt werden. Die Wahl des Bakterienstamms richtet sich dabei nach der individuellen Symptomatik des Patienten.
Klassische Schmerzmittel wie Ibuprofen, ASS oder Paracetamol werden von der Leitlinie nicht empfohlen. Stattdessen wird der Einsatz von Spasmolytika wie Butylscopolamin oder Pfefferminzöl zur Schmerzlinderung angeraten.
Die Diagnose erfordert chronische Beschwerden über drei Monate sowie den Ausschluss anderer Erkrankungen. Zur Basisdiagnostik gehören unter anderem ein Basislabor, eine Ultraschalluntersuchung und oft eine Darmspiegelung.
Ja, trizyklische Antidepressiva wie Amitriptylin werden in niedriger Dosierung zur Schmerzmodulation empfohlen. Sie eignen sich besonders bei globaler Symptomatik, sollten aber bei reiner Verstopfung vermieden werden.
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Quelle: Definition, Pathophysiologie, Diagnostik und Therapie des Reizdarmsyndroms (AWMF). Originaldokument ansehen
KI-generierte Zusammenfassung. Keine Diagnose- oder Therapieempfehlung. Die klinische Entscheidung trifft der behandelnde Arzt.
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