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Gastroösophageale Refluxkrankheit (GERD): Leitlinie (AWMF)

KI-generierte Zusammenfassung · Basiert auf AWMF Leitlinie · Erstellt: April 2026 · Keine Diagnose- oder Therapieempfehlung

📋Auf einen Blick

  • Ein probatorischer PPI-Test ist zur Diagnosesicherung der GERD nicht geeignet.
  • Bei Alarmsymptomen oder primär erfolgloser Therapie ist eine Endoskopie (ÖGD) obligat.
  • Die medikamentöse Akuttherapie erfolgt primär mit einem PPI in Standarddosis für 4 bis 8 Wochen.
  • Bei schwerer Refluxösophagitis (LA-Grad C/D) wird eine kontinuierliche PPI-Dauertherapie empfohlen, bei NERD eine Bedarfstherapie.
  • Bei Verdacht auf eine eosinophile Ösophagitis (EoE) müssen mindestens 6 Biopsien aus unterschiedlichen Höhen entnommen werden.
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Hintergrund

Die gastroösophageale Refluxkrankheit (GERD) gehört zu den häufigsten organischen Oberbaucherkrankungen. Gemäß der Montreal-Klassifikation liegt eine GERD vor, wenn durch den Rückfluss von Mageninhalt in die Speiseröhre belästigende Symptome und/oder Läsionen auftreten. Die Erkrankung wird in verschiedene Phänotypen unterteilt, darunter die erosive Refluxösophagitis (ERD), die nichterosive Refluxkrankheit (NERD), der hypersensitive Ösophagus sowie extraösophageale Manifestationen.

Diagnostik

Es gibt keinen einzelnen Goldstandard für die Diagnose der GERD. Das Ansprechen auf Protonenpumpeninhibitoren (PPI) hat keine Relevanz für die Diagnosesicherung.

Endoskopie (ÖGD)

Eine Endoskopie soll bei Vorliegen von Alarmsymptomen (z.B. Dysphagie, Gewichtsverlust, Blutungshinweise) oder bei primär erfolgloser probatorischer Therapie erfolgen. Bei mehrjährig bestehenden Refluxbeschwerden sollte eine ÖGD zur Aufdeckung eines Barrett-Ösophagus durchgeführt werden.

Die endoskopische Klassifikation der Refluxösophagitis soll gemäß der Los-Angeles-Klassifikation (LA) erfolgen. Ösophagusbiopsien sind zur Diagnose der NERD ungeeignet. Bei Verdacht auf eine eosinophile Ösophagitis (EoE) sollten mindestens 6 Biopsien aus unterschiedlichen Höhen entnommen werden.

Lyon-Konsens zur Diagnosesicherung

Evidenz-LevelEndoskopiepH/Impedanzmessung
Schlüssige Evidenz für GERDLA-Grad C und D, Barrett-Ösophagus, Peptische StrikturSäureexposition >6%
Grenzwertige EvidenzLA-Grad A oder BSäureexposition 4–6%, 40–80 Refluxepisoden
Evidenz gegen GERDUnauffälligSäureexposition <4%, <40 Refluxepisoden

Funktionsdiagnostik

Eine hochauflösende Manometrie (HRM) sollte bei nicht konklusiver Diagnose zum Ausschluss einer Motilitätsstörung sowie zwingend vor einer operativen Versorgung durchgeführt werden. Bei PPI-refraktären Beschwerden sollte eine kombinierte Impedanz-pH-Metrie erfolgen.

Allgemeinmaßnahmen

Patienten sollen über den Stellenwert von Allgemeinmaßnahmen beraten werden:

MaßnahmeIndikation / Bemerkung
GewichtsabnahmeFür Patienten mit Übergewicht (verbessert Symptome und pH-Werte)
Erhöhung des KopfendesFür Patienten mit nächtlichen Refluxbeschwerden
Vermeidung von SpätmahlzeitenFür Patienten mit nächtlichen Refluxbeschwerden
ZwerchfelltrainingBei entsprechendem Behandlungswunsch
RauchstoppAllgemein gute Empfehlung (wirksam bei normgewichtigen Rauchern)

Medikamentöse Therapie

Akuttherapie

Bei typischen Refluxbeschwerden ohne Alarmsymptome sollte empirisch ein PPI in Standarddosis verordnet werden. Bei gesicherter oder wahrscheinlicher GERD soll eine PPI-Therapie für mindestens 4 bis 8 Wochen durchgeführt werden.

Therapierefraktäre GERD

Bei unzureichendem Ansprechen auf eine Standarddosis kann:

  • auf einen anderen PPI gewechselt werden
  • die Dosis verdoppelt werden (1-0-1)
  • eine Kombinationstherapie (z.B. mit Alginat) erfolgen

Bleibt die GERD unter einer mindestens 8-wöchigen Therapie mit doppelter PPI-Dosis (1-0-1) refraktär, soll eine weiterführende Abklärung (z.B. Impedanz-pH-Metrie) erfolgen.

Langzeittherapie

Die Langzeitstrategie richtet sich nach dem endoskopischen Phänotyp, um eine Übertherapie zu vermeiden:

PhänotypLangzeittherapieBemerkung
NERD / LA-Grad A/BBedarfstherapie (Symptomadaptiert)Ausrichtung an der Symptomkontrolle
LA-Grad C/D / Peptische StrikturKontinuierliche PPI-DauertherapieHohes Rezidivrisiko bei Absetzen
Barrett-ÖsophagusPPI + Endoskopische ÜberwachungPrävention von Komplikationen

Spezielle Manifestationen

  • Extraösophageale Manifestationen (z.B. Husten, Asthma, Laryngitis): Bei klinischem Verdacht im Erwachsenenalter sollte eine PPI-Therapie in doppelter Standarddosis (1-0-1) für 12 Wochen erfolgen.
  • Reflux-Thoraxschmerz-Syndrom: Bei klinischem Verdacht sollte eine Therapie mit der doppelten Standarddosis (1-0-1) über 8 Wochen durchgeführt werden.
  • Schlafstörungen: Bei refluxbedingten Schlafstörungen kann eine Behandlung mit einem PPI und/oder einem Alginat zur Nacht durchgeführt werden.

💡Praxis-Tipp

Verzichten Sie auf den probatorischen PPI-Test zur Diagnosesicherung, da dieser unzuverlässig ist. Setzen Sie bei unzureichendem Ansprechen auf eine 8-wöchige PPI-Standardtherapie die Dosis auf 1-0-1 hoch oder überweisen Sie den Patienten zur Impedanz-pH-Metrie.

Häufig gestellte Fragen

Nein, das Ansprechen auf PPI hat keine Relevanz für die Diagnosesicherung der GERD, da die Sensitivität und Spezifität zu gering sind.
Bei Vorliegen von Alarmsymptomen (wie Dysphagie, Gewichtsverlust oder Blutungshinweisen) oder bei primär erfolgloser probatorischer Therapie.
Bei gesicherter oder wahrscheinlicher GERD sollte die PPI-Therapie für mindestens 4 bis 8 Wochen durchgeführt werden.
Patienten mit komplizierter GERD, insbesondere bei einer schweren Refluxösophagitis (Los-Angeles-Grad C oder D) oder einer peptischen Striktur.
Bei klinischem Verdacht auf eine Refluxgenese sollte im Erwachsenenalter eine PPI-Therapie in doppelter Standarddosis (1-0-1) für 12 Wochen erfolgen.
Es sollten mindestens 6 Biopsien aus unterschiedlichen Höhen des Ösophagus entnommen werden, insbesondere aus Regionen mit endoskopischen Auffälligkeiten.

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