Pralsetinib (RET-pos. NSCLC): Therapie und Dosierung
Hintergrund
Der IQWiG-Bericht aus dem Jahr 2022 bewertet den Zusatznutzen des Wirkstoffs Pralsetinib. Die Bewertung erfolgt gemäß § 35a SGB V im Vergleich zur zweckmäßigen Vergleichstherapie.
Pralsetinib wird als Monotherapie zur Behandlung von erwachsenen Personen mit fortgeschrittenem nicht kleinzelligem Lungenkarzinom (NSCLC) eingesetzt. Voraussetzung für die Anwendung ist das Vorliegen einer Rearranged-during-Transfection (RET)-Fusion.
Zudem richtet sich die Therapie an Betroffene, die zuvor noch nicht mit einem RET-Inhibitor behandelt wurden. Der Bericht analysiert die vom pharmazeutischen Unternehmer eingereichten Daten hinsichtlich des patientenrelevanten Nutzens.
Empfehlungen
Der Bericht formuliert folgende zentrale Ergebnisse zur Nutzenbewertung:
Fehlender Beleg für einen Zusatznutzen
Laut IQWiG ist ein Zusatznutzen von Pralsetinib nicht belegt. Dies gilt für alle untersuchten Patientengruppen, unabhängig von der PD-L1-Expression oder vorherigen Therapielinien.
Der pharmazeutische Unternehmer legte für die Bewertung hauptsächlich Daten aus der einarmigen ARROW-Studie vor. Aufgrund des fehlenden Vergleichsarms lassen sich daraus keine verlässlichen Schlüsse auf einen Zusatznutzen gegenüber der zweckmäßigen Vergleichstherapie ziehen.
Mängel im indirekten Vergleich
Zusätzlich eingereichte Propensity-Score-Analysen zum Vergleich mit der IMpower132-Studie wurden vom IQWiG als methodisch ungeeignet eingestuft. Der Bericht kritisiert unter anderem:
-
Eine unvollständige Informationsbeschaffung zur Vergleichstherapie
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Fehlende Balancierung wichtiger Confounder wie Geschlecht und ZNS-Metastasen
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Die unzureichend belegte Annahme, dass die RET-Fusion kein starker prognostischer Faktor sei
Jahrestherapiekosten
Die Jahrestherapiekosten für Pralsetinib belaufen sich laut Bericht auf etwa 115.976 Euro pro behandelter Person. Hinzu kommen weitere Kosten für zusätzlich notwendige GKV-Leistungen.
Dosierung
Die Fachinformation im Anhang des Berichts gibt folgende Dosierungsempfehlungen vor:
| Wirkstoff | Standarddosis | Einnahmehinweise |
|---|---|---|
| Pralsetinib | 400 mg einmal täglich | Auf leeren Magen, unzerkaut mit Wasser |
Es wird eine Einnahme auf leeren Magen empfohlen. Betroffene sollten mindestens zwei Stunden vor und eine Stunde nach der Einnahme keine Nahrung zu sich nehmen.
Bei Auftreten von Nebenwirkungen kann die Dosis in Schritten von 100 mg bis auf eine Minimaldosis von 100 mg täglich reduziert werden. Wird diese Minimaldosis nicht toleriert, ist die Therapie dauerhaft abzusetzen.
Bei leichter oder mittelschwerer Nierenfunktionsstörung sowie bei leichter Leberfunktionsstörung ist keine Dosisanpassung erforderlich. Für Personen über 65 Jahre wird ebenfalls keine Dosisanpassung empfohlen.
Kontraindikationen
Der Bericht listet basierend auf der Fachinformation folgende Warnhinweise und Kontraindikationen auf:
Kontraindikationen
- Überempfindlichkeit gegen den Wirkstoff oder sonstige Bestandteile
Besondere Warnhinweise
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Pneumonitis/Interstitielle Lungenerkrankung (ILD): Es wurden schwere und tödliche Fälle beobachtet. Bei Verdacht ist die Therapie zu unterbrechen und bei Bestätigung gegebenenfalls dauerhaft abzusetzen.
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Hypertonie: Vor Therapiebeginn muss der Blutdruck kontrolliert sein. Eine regelmäßige Überwachung wird empfohlen.
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Hepatotoxizität: Transaminasen (ALT, AST) sind vor Beginn, alle 2 Wochen in den ersten 3 Monaten und danach monatlich zu kontrollieren.
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Hämorrhagien: Bei lebensbedrohlichen oder wiederkehrenden schweren Blutungen ist die Therapie dauerhaft abzubrechen.
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QT-Verlängerung: Vor Therapiebeginn sollte das QTc-Intervall ≤ 470 ms betragen und Elektrolyte im Normalbereich liegen.
Wechselwirkungen
Die gleichzeitige Anwendung mit starken CYP3A4-Inhibitoren (z. B. Itraconazol, Ritonavir) oder starken CYP3A4-Induktoren (z. B. Rifampicin, Carbamazepin) ist zu vermeiden. Ist dies unumgänglich, sind Dosisanpassungen erforderlich.
💡Praxis-Tipp
Ein wesentlicher Aspekt bei der Verordnung von Pralsetinib ist die strikte Einhaltung der Nüchterneinnahme, da Nahrungsaufnahme die Bioverfügbarkeit relevant beeinflusst. Zudem wird darauf hingewiesen, dass unter der Therapie eine hochwirksame, nicht-hormonelle Verhütungsmethode erforderlich ist, da hormonelle Kontrazeptiva in ihrer Wirkung beeinträchtigt werden können.
Häufig gestellte Fragen
Laut IQWiG-Bericht ist ein Zusatznutzen von Pralsetinib gegenüber der zweckmäßigen Vergleichstherapie nicht belegt. Die vorgelegten Daten aus der einarmigen ARROW-Studie reichten für einen Nachweis nicht aus.
Die empfohlene Standarddosis beträgt 400 mg einmal täglich. Die Einnahme muss zwingend auf leeren Magen erfolgen, wobei zwei Stunden vor und eine Stunde nach der Einnahme gefastet werden soll.
Es wird eine regelmäßige Kontrolle der Transaminasen (ALT, AST) sowie der Serum-Elektrolyte empfohlen. Zudem sind EKG-Kontrollen zur Überwachung der QT-Zeit indiziert.
Die gleichzeitige Gabe von starken CYP3A4-Inhibitoren sollte vermieden werden. Ist eine Kombination unumgänglich, muss die Pralsetinib-Dosis gemäß Fachinformation reduziert werden.
Die Jahrestherapiekosten für das Medikament belaufen sich auf etwa 115.976 Euro pro behandelter Person. Hinzu kommen weitere Kosten für die Verabreichung und Begleitdiagnostik.
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Quelle: IQWiG A21-168: Pralsetinib (RET-Fusions-positives NSCLC) - Nutzenbewertung gemäß § 35a SGB V (IQWiG, 2022). Originaldokument ansehen
KI-generierte Zusammenfassung. Keine Diagnose- oder Therapieempfehlung. Die klinische Entscheidung trifft der behandelnde Arzt.
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