PEG S2k Leitlinie: Intraabdominelle Infektionen (IAI)

KI-generierte Zusammenfassung|Quelle: PEG|Keine Diagnose- oder Therapieempfehlung

Hintergrund

Intraabdominelle Infektionen (IAI) sind laut der PEG S2k-Leitlinie häufige und potenziell lebensbedrohliche Erkrankungen. Nationale und internationale Daten zeigen, dass etwa 30 % aller Fälle einer schweren Sepsis oder eines septischen Schocks auf IAI zurückzuführen sind. Fast 90 % aller intraabdominellen Infektionen erfordern primär eine chirurgische Herdsanierung (z. B. Übernähung einer Magenperforation).

Die Leitlinie betont, dass eine initial inadäquate Antibiotikatherapie die Prognose der betroffenen Patienten substanziell verschlechtert. Komplizierte IAI liegen definitionsgemäß vor, wenn die Infektion das betroffene Organ überschreitet und entweder einen Abszess oder eine Peritonitis auslöst. Die Leitlinie unterscheidet dabei klinisch zwischen primärer, sekundärer und tertiärer Peritonitis, da sich diese bezüglich Pathogenese, Erregerspektrum und Therapie substanziell unterscheiden.

Empfehlungen

Indikation und Herdsanierung Laut der PEG S2k-Leitlinie bedürfen fast 90 % aller intraabdominellen Infektionen primär einer chirurgischen Herdsanierung. Die antimikrobielle Therapie ist als ergänzende, aber essenzielle Säule gesichert.

Primäre Peritonitis Bei der spontan bakteriellen Peritonitis handelt es sich gemäß Leitlinie meist um Monoinfektionen. Zur Behandlung werden Ceftriaxon, Cefotaxim, Ceftazidim, Ampicillin/Sulbactam oder Amoxicillin/Clavulansäure empfohlen.

Sekundäre Peritonitis (ambulant erworben) Die Leitlinie unterscheidet nach Ausprägung der Infektion: *

Lokal begrenzt

Es werden Cefuroxim, Cefotaxim, Ceftriaxon oder Ciprofloxacin (jeweils in Kombination mit Metronidazol) sowie Ampicillin/Sulbactam empfohlen. *

Diffus (> 2-4 Stunden)

Laut Leitlinie sollen breiter wirksame Substanzen wie Piperacillin/Tazobactam, Moxifloxacin, Tigecyclin oder Ertapenem eingesetzt werden. Aminoglykoside gelten nach aktueller Leitlinienempfehlung nicht mehr als Therapie der Wahl.

Postoperative und tertiäre Peritonitis Da hier häufig antimikrobiell vorbehandelte und selektionierte Erreger (wie Enterokokken, ESBL-Bildner oder Pilze) vorliegen, empfiehlt die Leitlinie Breitspektrum-Antibiotika. Genannt werden Imipenem, Meropenem, Ertapenem, Tigecyclin sowie Ceftolozan/Tazobactam oder Ceftazidim/Avibactam (jeweils in Kombination mit Metronidazol).

Nekrotisierende Pankreatitis Die Leitlinie rät ausdrücklich von einer generellen prophylaktischen Antibiotikagabe ab. Nur bei nachgewiesenen infizierten Nekrosen wird eine Therapie empfohlen. Hierbei ist laut Leitlinie auf eine gute Pankreasgängigkeit zu achten (z. B. Fluorchinolone, Carbapeneme, Tigecyclin, Piperacillin/Tazobactam).

Invasive intraabdominelle Mykosen Eine prophylaktische Gabe von Fluconazol wird laut Leitlinie nicht empfohlen. Bei instabilen Patienten oder nach vorheriger Azol-Therapie präferiert die Leitlinie den Einsatz von Echinocandinen (Anidulafungin, Caspofungin, Micafungin).

Therapiedauer Die PEG-Leitlinie empfiehlt ein stufenweises Vorgehen in Abhängigkeit von der Ausbreitung: *

Stufe 1 & 2 (lokal begrenzt)

1 bis 3 Tage *

Stufe 3 (diffus, adäquate Herdsanierung)

4 bis 5 Tage *

Stufe 4 (nosokomial / septischer Schock)

7 bis 10 Tage

Kontraindikationen

Aminoglykoside

Die Leitlinie rät vom routinemäßigen Einsatz bei sekundärer Peritonitis ab, da Metaanalysen keine verbesserte Wirkung zeigten und Toxizitätsrisiken (Oto- und Nephrotoxizität) bestehen.

Fosfomycin

Laut Leitlinie darf Fosfomycin aufgrund der Gefahr einer schnellen Resistenzentwicklung nicht als Monotherapie verwendet werden.

Antibiotikaprophylaxe bei Pankreatitis

Von einer generellen Antibiotikagabe bei nekrotisierender Pankreatitis wird abgeraten, da dies gemäß Leitlinie resistente Erreger und Candida-Spezies selektioniert.

Antimykotische Prophylaxe

Die prophylaktische Gabe von Fluconazol wird laut Leitlinie nicht empfohlen, da sie die Letalität nicht verändert.

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💡Praxis-Tipp

Laut der PEG S2k-Leitlinie ist bei ausbleibendem Behandlungserfolg nach 7 bis 10 Tagen ein Absetzen der antimikrobiellen Therapie zugunsten einer erneuten Probengewinnung vorzuziehen, um die Selektion resistenter Erreger durch eine unklare Fortsetzung der Therapie zu vermeiden.

Häufig gestellte Fragen

Gemäß der PEG-Leitlinie ist die chirurgische Fokuskontrolle (Herdsanierung) neben der antimikrobiellen und intensivmedizinischen Therapie die wichtigste Maßnahme.

Nein, die Leitlinie rät von einer generellen prophylaktischen Antibiotikagabe ab, da diese keinen positiven Effekt zeigt und resistente Erreger selektioniert.

Laut Leitlinie sind Substanzen mit guter Pankreasgängigkeit auszuwählen. Dazu zählen Fluorchinolone, Carbapeneme, Tigecyclin und Piperacillin/Tazobactam.

Nach aktueller Leitlinienempfehlung ist bei ambulant erworbenen, lokalen Peritonitiden ohne Risikofaktoren eine kurze Therapiedauer von 1 bis 3 Tagen ausreichend.

Die Leitlinie empfiehlt eine antimykotische Therapie insbesondere bei instabilen Patienten, bei schwerer postoperativer oder tertiärer Peritonitis.

Quelle: PEG S2k Kalkulierte parenterale Initialtherapie - Intraabdominelle Infektionen (PEG). Originaldokument ansehen

KI-generierte Zusammenfassung. Keine Diagnose- oder Therapieempfehlung. Die klinische Entscheidung trifft der behandelnde Arzt.

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