PEG S2k-Leitlinie: Knochen- und Gelenkinfektionen
Hintergrund
Die S2k-Leitlinie der Paul-Ehrlich-Gesellschaft (PEG) befasst sich mit der kalkulierten parenteralen Initialtherapie von bakteriellen Knochen-, Gelenk- und Implantatinfektionen bei Erwachsenen. Laut Leitlinie sind eine fruehe Diagnose und eine adaequate Therapie entscheidend fuer den Verlauf und die Prognose der Erkrankung. Die Basis der Behandlung besteht gemaess den Empfehlungen in einem radikalen chirurgischen Debridement, der Stabilisierung von Frakturen sowie einer begleitenden Antibiotikatherapie. Es wird in der Leitlinie betont, dass nach Moeglichkeit immer auf eine keimgerichtete Therapie umgestellt werden sollte, sobald entsprechende mikrobiologische Befunde und Antibiogramme vorliegen.
Empfehlungen
Allgemeine Prinzipien Die PEG S2k-Leitlinie empfiehlt, Probenmaterial zur mikrobiologischen Aufarbeitung idealerweise vor Beginn der antimikrobiellen Therapie oder nach einer mindestens zweiwoechigen Antibiotikapause zu entnehmen. Nach Vorliegen eines Erregernachweises sollte laut Leitlinie zuegig auf eine gezielte Therapie umgestellt werden.
Haematogene Osteomyelitis Gemaess der Leitlinie wird bei Erwachsenen eine kalkulierte Initialtherapie mit einem Cephalosporin der Gruppe 2 oder 3 in Kombination mit Clindamycin oder einem Aminopenicillin/Beta-Laktamase-Inhibitor (BLI) empfohlen. Bei Staphylokokken-Infektionen ist laut Expertenkonsens eine Monotherapie mit Flucloxacillin oder einem Cephalosporin der Gruppe 1 vorzuziehen.
Spondylodiscitis Bei dieser Sonderform der Osteomyelitis ist laut Leitlinie im Regelfall eine Therapiedauer von 6 Wochen ausreichend. Die Wahl der Antibiotika entspricht der Empfehlung fuer die haematogene Osteomyelitis.
Posttraumatische und postoperative Osteomyelitis Die Leitlinie empfiehlt hierfuer Aminopenicilline/BLI, Cephalosporine der Gruppe 2 oder 3 oder Clindamycin. Bei einem hohen Risiko fuer multiresistente Staphylokokken koennen gemaess den Empfehlungen Daptomycin, Linezolid, Teicoplanin oder hochdosierte Cephalosporine der Gruppe 5 eingesetzt werden.
Endoprothesen- und Fremdkoerperinfektionen Bei fruehen Protheseninfektionen (innerhalb der ersten 2 bis 4 Wochen) kann laut Leitlinie ein chirurgisches Debridement mit Erhalt der Prothese (DAIR) erfolgen. Im Anschluss wird eine drei- bis sechsmonatige Therapie mit Biofilm-aktiven Substanzen wie Rifampicin oder hochdosiertem Daptomycin empfohlen.
Dosierung
Die S2k-Leitlinie der PEG nennt spezifische Dosierungsschemata fuer ausgewaehlte Antibiotika im Rahmen von Knochen- und Gelenkinfektionen:
| Wirkstoff | Dosierungsempfehlung laut Leitlinie | Anmerkung |
|---|---|---|
| Dalbavancin | 1,5 g an Tag 1 und Tag 8 | Ausreichend fuer eine 8-woechige Therapie (aktualisierter Vorschlag). |
| Linezolid | Initial bis zu 3x 0,6 g oder 2x 1,2 g ("Frontloading") | Die hoehere Wirksamkeit ist laut Leitlinie gegen moegliche Toxizitaet abzuwaegen. |
| Rifampicin | 2x 0,3-0,45 g pro Tag ODER 1x 0,6 g pro Tag | Die korrekte Dosierung wird in der Literatur kontrovers diskutiert. |
Kontraindikationen
Vancomycin Die Leitlinie raet von der Verwendung von Vancomycin bei posttraumatischer oder postoperativer Osteomyelitis ab. Begruendet wird dies mit der geringen Knochenpenetration bei gleichzeitig limitierten maximalen Serumspiegeln aufgrund des nephrotoxischen Risikos. Zudem wird bei MRSA-Spondylodiscitis auf eine deutlich hoehere Rezidivrate unter Vancomycin im Vergleich zu Daptomycin hingewiesen.
Fusidinsaeure und Rifampicin Laut Leitlinie sollte die Kombination von Rifampicin mit Fusidinsaeure eher zurueckhaltend verwendet werden. Rifampicin kann durch CYP3A4-Induktion zu niedrigen Fusidinsaeure-Spiegeln fuehren, was laut den Autoren die Gefahr einer Resistenzinduktion birgt.
💡Praxis-Tipp
Laut der PEG S2k-Leitlinie kann die zusaetzliche Verabreichung von Fosfomycin in den ersten zwei Wochen der Therapie, unabhaengig von der Genese der Osteomyelitis, als vorteilhafte Ergaenzung erwogen werden.
Häufig gestellte Fragen
Die S2k-Leitlinie empfiehlt die Entnahme von Probenmaterial aus dem Knochen am besten vor Beginn einer antimikrobiellen Therapie oder nach einer mindestens zweiwoechigen Antibiotikapause.
Gemaess der Leitlinie entspricht die Wahl der antimikrobiellen Wirkstoffe derjenigen fuer die haematogene Osteomyelitis, da der Erreger initial meist unbekannt ist.
Laut den Empfehlungen der PEG ist im Normalfall eine Therapiedauer von 6 Wochen ausreichend.
Die Leitlinie empfiehlt bei Protheseninfektionen eine drei- bis sechsmonatige Therapie mit Biofilm-aktiven Substanzen wie Rifampicin oder hochdosiertem Daptomycin, um den Therapieerfolg zu sichern.
Quelle: PEG S2k Kalkulierte parenterale Initialtherapie - Knochen- und Gelenkinfektionen (PEG). Originaldokument ansehen
KI-generierte Zusammenfassung. Keine Diagnose- oder Therapieempfehlung. Die klinische Entscheidung trifft der behandelnde Arzt.