Onkologische Intensivtherapie: ICU-Triage und Therapie

KI-generierte Zusammenfassung|Quelle: Onkopedia|Keine Diagnose- oder Therapieempfehlung

Hintergrund

Die Onkopedia-Leitlinie (Stand Juni 2020) behandelt die intensivmedizinische Versorgung von Patienten mit hämatologischen und onkologischen Erkrankungen. In den vergangenen 20 Jahren hat sich die Prognose dieser Patientengruppe auf der Intensivstation deutlich verbessert.

Während 1999 noch Mortalitätsraten von 90 Prozent bei hämatologischen Malignomen und metastasierten soliden Tumoren verzeichnet wurden, liegt diese Rate mittlerweile bei unter 40 Prozent. Es wird eine weitere deutliche Reduktion der Sterblichkeit erwartet.

Das primäre Ziel der intensivmedizinischen Betreuung ist es, kritische Ereignisse frühzeitig zu erkennen. Laut Leitlinie ist eine rechtzeitige Verlegung auf die Intensivstation entscheidend für das Überleben der Patienten.

Klinischer Kontext

Hämatologische und onkologische Erkrankungen nehmen weltweit zu, wodurch auch die Zahl der Patienten steigt, die im Krankheitsverlauf intensivmedizinisch betreut werden müssen. Etwa fünf bis fünfzehn Prozent aller Krebspatienten benötigen im Laufe ihrer Erkrankung eine Aufnahme auf die Intensivstation, häufig aufgrund von Sepsis oder respiratorischer Insuffizienz.

Die Pathophysiologie ist oft durch eine Kombination aus tumorbedingten Komplikationen und therapieassoziierten Toxizitäten geprägt. Eine profunde Immunsuppression durch Chemotherapie oder Stammzelltransplantation begünstigt schwere opportunistische Infektionen und septische Schocks.

Für behandelnde Ärzte stellt diese Patientengruppe eine besondere Herausforderung dar, da die Prognose stark von der Grunderkrankung und dem funktionellen Status abhängt. Die interdisziplinäre Zusammenarbeit zwischen Onkologen und Intensivmedizinern ist essenziell, um realistische Therapieziele zu definieren und Übertherapien zu vermeiden.

Die Diagnostik auf der Intensivstation fokussiert sich auf die schnelle Identifikation reversibler Organdysfunktionen und infektiöser Foci. Neben umfassenden laborchemischen Analysen und mikrobiologischer Diagnostik kommen bildgebende Verfahren wie die Computertomographie zum Einsatz, um Komplikationen frühzeitig zu detektieren.

Wissenswertes

Eine Verlegung auf die Intensivstation ist indiziert, wenn bei febriler Neutropenie Zeichen einer Organdysfunktion, hämodynamische Instabilität oder respiratorische Insuffizienz auftreten. Ein frühzeitiges Erkennen einer beginnenden Sepsis ist entscheidend für das Überleben der immunsupprimierten Patienten.

Die Prognose von Leukämiepatienten im septischen Schock hat sich durch verbesserte intensivmedizinische Maßnahmen deutlich gebessert. Dennoch bleibt die Mortalität hoch und wird maßgeblich vom Remissionsstatus der Grunderkrankung sowie der Dauer der Neutropenie beeinflusst.

Bei onkologischen Patienten mit akutem Lungenversagen kommen lungenprotektive Beatmungsstrategien zum Einsatz, analog zu nicht-onkologischen Patienten. Eine frühzeitige nicht-invasive Beatmung kann in ausgewählten Fällen eine Intubation verhindern, birgt jedoch bei Versagen ein erhöhtes Mortalitätsrisiko.

Ein akutes Nierenversagen bei multiplem Myelom erfordert häufig eine rasche Einleitung von Nierenersatzverfahren. Die Dialyse dient der Überbrückung, bis die tumorspezifische Therapie die Leichtkettenproduktion effektiv reduziert und die Nierenfunktion sich erholen kann.

Bei Patienten in einer palliativen Tumorsituation steht die Linderung von belastenden Symptomen im Vordergrund der intensivmedizinischen Behandlung. Ein zeitlich begrenzter Therapieversuch kann sinnvoll sein, um die Reversibilität einer akuten Komplikation zu evaluieren.

Der Einsatz einer extrakorporalen Membranoxygenierung bei hämatologischen Patienten wird aufgrund der hohen Blutungsgefahr und Immunsuppression sehr restriktiv gehandhabt. In hochselektionierten Einzelfällen mit reversibler Ursache und guter onkologischer Prognose kann sie als Ultima Ratio erwogen werden.

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Häufige Fragen dazu

💡Praxis-Tipp

Die Leitlinie warnt davor, allgemeine Severity-of-Illness-Scores wie APACHE oder SAPS für individuelle Triage- oder Therapieentscheidungen bei Krebspatienten zu verwenden. Zudem wird betont, dass bei Patienten mit intermediärer Prognose neu aufgetretene Organversagen erst ab Tag fünf mit einem erhöhten Mortalitätsrisiko assoziiert sind. Es wird daher ein Abwarten über die ersten sechs Tage des Intensivaufenthalts empfohlen, bevor Therapielimitierungen erwogen werden.

Häufig gestellte Fragen

Laut Leitlinie sollte die Verlegung bei manifestem oder drohendem Organversagen innerhalb von 24 Stunden erfolgen. Eine frühe Aufnahme verbessert das Überleben bei septischen und respiratorischen Komplikationen deutlich.

Die Leitlinie rät davon ab, eine nicht-invasive Beatmung (NIV) oder High-Flow-Sauerstofftherapie (HFNO) bei diesen Patienten auf der Normalstation durchzuführen. Diese Maßnahmen sollten im intensivmedizinischen Setting erfolgen.

Es wird empfohlen, G-CSF bei neutropenischen Patienten mit Lungeninfiltraten nicht routinemäßig einzusetzen. Der Einsatz sollte laut Leitlinie nur bei stark selektionierten Patienten erfolgen.

Bei Patienten mit intermediärer Prognose wird ein Abwarten über die ersten sechs Tage des Intensivaufenthalts empfohlen. Studien zeigen, dass neu aufgetretene Organversagen bei dieser Gruppe erst ab Tag fünf mit einer erhöhten Mortalität einhergehen.

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Quelle: Intensivtherapie bei hämatologischen und onkologischen Patienten (Onkopedia). Originaldokument ansehen

KI-generierte Zusammenfassung. Keine Diagnose- oder Therapieempfehlung. Die klinische Entscheidung trifft der behandelnde Arzt.

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