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ZNS-Infektionen in der Hämatologie/Onkologie (Onkopedia)

KI-generierte Zusammenfassung · Basiert auf Onkopedia Leitlinie · Erstellt: April 2026 · Keine Diagnose- oder Therapieempfehlung

📋Auf einen Blick

  • ZNS-Infektionen treten bei bis zu 15 % der Patienten nach allogener Stammzelltransplantation auf.
  • Die klinische Symptomatik ist oft diskret und kann durch die Grundkrankheit oder Therapien maskiert werden.
  • Die Art des Immundefekts (z. B. Neutropenie, T-Zell-Defekt) bestimmt das Risikoprofil für spezifische Erreger.
  • Die Therapie erfolgt erregergerichtet, z. B. mit Voriconazol bei Aspergillus oder Aciclovir bei HSV/VZV.
  • Bei Nachweis des JC-Virus (PML) oder EBV steht die Reduktion der Immunsuppression im Vordergrund.
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Hintergrund

Infektionen des zentralen Nervensystems (ZNS) sind bei immunkompetenten Patienten selten, stellen jedoch bei Patienten mit hämatologischen und onkologischen Erkrankungen eine signifikante und oft schwerwiegende Komplikation dar. Die Diagnosestellung ist häufig eine große Herausforderung, da neurologische Symptome unspezifisch sein können und sich oft nur schwer von Symptomen der Grundkrankheit oder Nebenwirkungen der antineoplastischen/immunsuppressiven Therapie abgrenzen lassen. Selbst bei Raumforderungen können charakteristische Symptome fehlen und sich lediglich als unspezifische Verwirrtheit oder Bewusstseinsstörung äußern.

Epidemiologie und Risikofaktoren

Die Wahrscheinlichkeit für bestimmte Erreger hängt stark von der Art der immunologischen Funktionsstörung ab (zellvermittelt vs. humoral).

Patientengruppe / ImmundefektTypische Erreger / InfektionBemerkung
Allogene StammzelltransplantationAspergillus, Toxoplasma spp.Höchste Inzidenz (bis zu 15 %)
Alemtuzumab-KonditionierungVirale ZNS-InfektionenErhöhtes Risiko
Akute Myeloische Leukämie (AML)Mukormykose1,0-1,9 % Inzidenz (davon 10-20 % ZNS-Befall)
Rituximab / schwere ImmunsuppressionJC-Virus (PML)Selten (<1 %), aber oft tödlich
Intraventrikuläre Shunts / ReservoirsBakterielle InfektionenGehäuft nach neurochirurgischen Interventionen
NeutropenieBakterien, Viren, PilzeTypisches Spektrum bei Granulozytopenie
T-Zell- / MakrophagendefektToxoplasmose, KryptokokkenPrädisposition durch zellulären Defekt

Diagnostik und Therapie

Die Diagnostik basiert auf neuroradiologischer Bildgebung (bevorzugt MRT), Liquordiagnostik (Zellzahl, Differenzierung, Gramfärbung, Glukose, LDH, Eiweiß, Kulturen, PCR) und ggf. der Biopsie verdächtiger Herdbefunde.

Die nachfolgende Tabelle fasst die primären Therapieempfehlungen für ausgewählte Erreger zusammen:

ErregerDiagnostik (Liquor/Biopsie)PrimärtherapieEmpfehlungsgrad
Toxoplasma spp.Tachyzoiten/Zysten-NachweisPyrimethamin + SulfadiazinA
Aspergillus spp.Galactomannan, PCRVoriconazolA-IIu
Candida spp.Mikroskopie, KulturL-AmB oder ABLC ± 5-FCB-III
MucoralesKultur, HistopathologieChirurgische Resektion + L-AmBA-IIt,u
KryptokokkenKultur, Tusche, KapselantigenL-AmB oder ABLC + 5-FCA-IIt
HSV / VZVPCRAciclovirA-IIt / A-III
CMVPCRGanciclovir oder FoscarnetA-III
EBV / JC-Virus (PML)PCRReduktion der ImmunsuppressionA-III
Bakterien (kalkuliert)Kultur, GramfärbungMeropenem ODER Ceftriaxon/Cefotaxim + Ampicillin ± VancomycinA-IIt

💡Praxis-Tipp

Denken Sie bei neurologischen Symptomen unter immunsuppressiver Therapie immer an ZNS-Infektionen, da die klinischen Zeichen oft diskret sind. Bei Nachweis von EBV oder dem JC-Virus (PML) ist die Reduktion der Immunsuppression die wichtigste therapeutische Maßnahme.

Häufig gestellte Fragen

Sie treten bei bis zu 15 % der Patienten auf. Am häufigsten werden Infektionen durch Aspergillus und Toxoplasma spp. diagnostiziert.
Patienten nach Rituximab-basierten Therapien haben ein Risiko für die progressive multifokale Leukenzephalopathie (PML), die durch das JC-Virus verursacht wird.
Die Erstlinientherapie besteht aus Meropenem oder Ceftriaxon/Cefotaxim in Kombination mit Ampicillin (ggf. plus Vancomycin).
Voriconazol ist die empfohlene Erstlinientherapie (Empfehlungsgrad A-IIu).

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