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Infektionen in der Ambulanz: Onkopedia-Leitlinie

KI-generierte Zusammenfassung · Basiert auf Onkopedia Leitlinie · Erstellt: April 2026 · Keine Diagnose- oder Therapieempfehlung

📋Auf einen Blick

  • Die Indikation zur antibakteriellen Prophylaxe richtet sich nach der erwarteten Dauer der Neutropenie (Hochrisiko bei >7 Tagen).
  • Cotrimoxazol ist das Mittel der ersten Wahl zur Prophylaxe der Pneumocystis-jirovecii-Pneumonie (PjP).
  • Lebendimpfstoffe sind bei immunsupprimierten hämatologisch-onkologischen Patienten grundsätzlich zu vermeiden.
  • Patienten mit febriler Neutropenie und einem MASCC-Score >20 können unter bestimmten Voraussetzungen ambulant behandelt werden.
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Hintergrund

Infektionen sind eine häufige und gefährliche Komplikation bei Patienten mit hämatologischen und onkologischen Erkrankungen. Auch im ambulanten Bereich sind diese Patienten durch ihre Grunderkrankung und die spezifische Tumortherapie immunsupprimiert. Die Identifikation von Risikokollektiven und eine gezielte Prophylaxe reduzieren Morbidität und Mortalität und verhindern Therapieunterbrechungen.

Antibakterielle Prophylaxe

Die Indikation zur antibakteriellen Prophylaxe erfolgt risikoadaptiert und hängt maßgeblich von der erwarteten Dauer der Neutropenie ab.

RisikoDauer der NeutropenieKlinische Risikofaktoren
Hohes Risiko>7 TageNicht relevant
Hohes Risiko<=7 TageVorhanden (z.B. Herz-/Niereninsuffizienz, 1. Zyklus)
Standardrisiko<=7 TageKeine

Medikamentöse Umsetzung:

  • Mittel der Wahl: Fluorchinolone (Ciprofloxacin oder Levofloxacin) oder Cotrimoxazol in therapeutischer Dosis.
  • Beginn: Bei Hochrisiko mit Beginn der Chemotherapie. Bei Niedrigrisiko 5-8 Tage nach Beginn.
  • Ende: Bei Beginn einer empirischen Breitbandantibiose oder am Ende der Neutropenie.

Pneumocystis-jirovecii-Prophylaxe (PjP)

Das Risiko für eine PjP steigt mit dem Ausmaß der zellulären Immunsuppression. Hochrisikopatienten (z.B. ALL, allogene Stammzelltransplantation, Steroide >20 mg/d für >4 Wochen) benötigen zwingend eine Prophylaxe.

WirkstoffDosisBemerkung
Cotrimoxazol80/400 mg tgl. oder 160/800 mg (tgl. oder 3x/Woche)Mittel der 1. Wahl
Atovaquon1500 mg/Tag2. Wahl (bei Intoleranz)
Dapson100 mg/Tag2. Wahl
Pentamidin300 mg monatlich (aerosolisiert)2. Wahl

Antivirale Prophylaxe und Impfungen

  • Herpes zoster: Prophylaxe mit Aciclovir oder Valaciclovir bei entsprechender Risikokonstellation.
  • Hepatitis B: Vor Therapie mit CD20-Antikörpern, Anthrazyklinen oder hochdosierten Steroiden muss ein Screening erfolgen. Bei Indikation erfolgt eine Prophylaxe mit Entecavir oder Tenofovir.
  • Impfungen: Lebendimpfstoffe sind bei immunsupprimierten Patienten grundsätzlich zu vermeiden. Totimpfstoffe (z.B. Influenza, RSV, SARS-CoV-2, Pneumokokken) werden empfohlen. Bei Anti-CD20-Therapie ist eine Impfung erst nach Erholung der B-Zell-Funktion (frühestens 6 Monate nach Abschluss) sinnvoll.

Febrile Neutropenie

Fieber in der Neutropenie (FN) ist ein hämatologischer Notfall und erfordert eine sofortige empirische Antibiotikatherapie. Vor Therapiebeginn sind zwingend 2 separate Blutkulturen (peripher und ggf. zentral) abzunehmen.

Risikostratifikation mittels MASCC-Score: Der MASCC-Score hilft, Patienten mit einem Standardrisiko zu identifizieren, die potenziell ambulant behandelt werden können. Ein Score >20 spricht für ein niedriges Risiko für Komplikationen.

CharakteristikumPunkte
FN mit keiner/geringer Symptomatik5
Keine Hypotonie (systolisch >90 mmHg)5
Keine COPD4
Solider Tumor/Hämatologische Neoplasie ohne vorherige Pilzinfektion4
Keine Dehydration3
FN mit moderater Symptomatik3
Ambulanter Patient3
Alter <60 Jahre2

Voraussetzungen für eine ambulante Therapie: Neben einem MASCC-Score >20 müssen soziale und medizinische Kriterien erfüllt sein:

  • Telefonische Erreichbarkeit und Betreuungsperson vorhanden
  • Klinik mit hämatologisch-onkologischer Kompetenz in unter 1 Stunde erreichbar
  • Orale Medikation sicher durchführbar
  • Stabiler Kreislauf, keine Zeichen eines Organversagens

💡Praxis-Tipp

Nutzen Sie den MASCC-Score zur Risikostratifizierung bei febriler Neutropenie: Patienten mit einem Score >20 können oft sicher ambulant mit oralen Antibiotika behandelt werden, sofern das soziale Umfeld stabil ist. Führen Sie zudem vor Beginn einer Therapie mit CD20-Antikörpern oder hochdosierten Steroiden immer ein Hepatitis-B-Screening durch.

Häufig gestellte Fragen

Bei einer erwarteten Neutropenie von >7 Tagen (Hochrisiko) oder bei kürzerer Neutropenie, wenn zusätzliche klinische Risikofaktoren wie Niereninsuffizienz oder Herzinsuffizienz vorliegen.
Cotrimoxazol ist das Mittel der ersten Wahl (z.B. 160/800 mg dreimal wöchentlich oder 80/400 mg täglich). Bei Unverträglichkeit können Atovaquon, Dapson oder Pentamidin eingesetzt werden.
Ja, Totimpfstoffe (wie Influenza, Pneumokokken, RSV, SARS-CoV-2) werden ausdrücklich empfohlen. Lebendimpfstoffe (z.B. MMRV) sind jedoch kontraindiziert.
Die sofortige Abnahme von zwei separaten Blutkulturen (peripher und ggf. über den ZVK) noch vor Beginn der empirischen Antibiotikatherapie.
Nach 72 Stunden Fieber- und Symptomfreiheit kann die Therapie oft beendet werden, auch wenn die Neutrophilen noch nicht vollständig regeneriert sind. Ein engmaschiges Monitoring ist danach jedoch obligat.

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