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Speicheldrüsenkarzinome: Leitlinie (Onkopedia)

KI-generierte Zusammenfassung · Basiert auf Onkopedia Leitlinie · Erstellt: April 2026 · Keine Diagnose- oder Therapieempfehlung

📋Auf einen Blick

  • Die kurative Therapie der Wahl ist die vollständige chirurgische Resektion (R0), meist in Form einer Parotidektomie.
  • Je kleiner die betroffene Speicheldrüse, desto höher ist das Malignitätsrisiko (Gl. sublingualis nahezu 100 %).
  • Eine postoperative Radiotherapie ist bei Risikofaktoren (T3/T4, high-grade, R+, N+, Pn1) sowie generell beim adenoidzystischen Karzinom indiziert.
  • Die medikamentöse Tumortherapie im palliativen Setting erfolgt zunehmend personalisiert nach molekularpathologischer Testung (z. B. NTRK, HER2, Androgenrezeptor).
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Hintergrund

Speicheldrüsenkarzinome sind seltene Tumoren (Inzidenz 0,5-2/100.000) und machen weniger als 6 % der Kopf-Hals-Malignome aus. Etwa 20 % aller Speicheldrüsentumoren sind maligne. Es gilt die klinische Faustregel: Je kleiner die betroffene Speicheldrüse, desto höher das Malignitätsrisiko (Gl. sublingualis nahezu 100 %, kleine Speicheldrüsen ca. 60 %).

Diagnostik

Die Basisdiagnostik umfasst Inspektion, Palpation und Spiegeluntersuchung. Die weitere apparative Diagnostik richtet sich nach der Lokalisation:

UntersuchungIndikation / Bemerkung
UltraschallGoldstandard zur Erstuntersuchung der großen Kopfspeicheldrüsen und zum Hals-Staging.
MRT mit KontrastmittelMethode der Wahl bei Malignitätsverdacht, tieferliegenden Tumoren oder Parapharyngealraum-Ausdehnung.
CT Thorax/AbdomenZum Ausschluss von Fernmetastasen ab Stadium cT3/T4 oder N+.
FNAZ / GrobnadelstanzeFeinnadelaspirationszytologie (FNAZ) oder Stanze (CNB) zur präoperativen Malignitätssicherung bei großen Speicheldrüsen.
ExzisionsbiopsieBevorzugtes Vorgehen bei Tumoren der kleinen Speicheldrüsen.

Chirurgische Therapie

Die vollständige chirurgische Resektion (R0) ist die kurative Therapie der Wahl. Der Tumor sollte en-bloc mit einem Sicherheitsabstand von bestenfalls 2 cm entfernt werden.

  • Gl. parotis: Standard ist die totale Parotidektomie. Bei kleinen low-grade Tumoren (T1/T2) kann eine laterale Parotidektomie erwogen werden.
  • Nervus facialis: Wird erhalten, sofern er präoperativ intakt und intraoperativ nicht infiltriert ist. Bei Infiltration erfolgt die Resektion, idealerweise mit einzeitiger Nervenrekonstruktion.
  • Neck Dissection: Kurativ bei klinisch/radiologisch positiven Lymphknoten (cN+). Prophylaktisch (elektiv) bei Stadium III/IV, high-grade Tumoren und generell beim adenoidzystischen Karzinom.

Strahlentherapie

Eine postoperative Radiotherapie ist bei Vorliegen von Risikofaktoren indiziert. Bei inoperablen Tumoren erfolgt eine definitive Radio(-chemo-)therapie.

IndikationKriterien / Risikofaktoren
Postoperative RadiotherapieT3/T4, high-grade, R+ (knappe/positive Ränder), N+, Perineuralscheideninfiltration (Pn1), L1, V1.
Sonderfall Adenoidzystisches KarzinomAdjuvante Radiotherapie immer indiziert (auch bei T1/T2 und R0).
Definitive RadiotherapieInoperabilität (z. B. Schädelbasisbeteiligung) oder Kontraindikationen für eine OP.

Medikamentöse Tumortherapie

In der palliativen Situation (Fernmetastasen, inoperables Rezidiv) gibt es keinen generellen Standard. Bei langsam wachsenden Tumoren (z. B. adenoidzystisches Karzinom mit isolierten Lungenfiliae) ist oft eine Watch-and-Wait-Strategie gerechtfertigt.

Bei Progress oder Symptomatik erfolgt die Systemtherapie zunehmend personalisiert auf Basis einer molekularpathologischen Testung:

Molekulares TargetHäufiger Histologischer TypTherapieoptionen (Off-Label)
ETV6-NTRK-GenfusionSekretorisches KarzinomLarotrectinib, Entrectinib
Androgenrezeptor (+)SpeichelgangkarzinomBicalutamid, Leuprorelin, Abirateron
HER2/neu (+)SpeichelgangkarzinomTrastuzumab (± Pertuzumab), Trastuzumab-Deruxtecan
VEGFRAdenoidzystisches KarzinomLenvatinib, Axitinib
RET-GenfusionSpeichelgangkarzinomSelpercatinib

Eine klassische Chemotherapie (z. B. Platin-basiert, CAP-Schema) kann bei hoher Tumorlast und Krankheitsdynamik erwogen werden, wenn keine zielgerichteten Optionen bestehen.

💡Praxis-Tipp

Bei Tumoren der kleinen Speicheldrüsen sollte anstelle einer Probebiopsie nach Möglichkeit immer primär eine Exzisionsbiopsie (Resektion) erfolgen, da kleine Inzisionsbiopsien häufig zu Fehldiagnosen führen.

Häufig gestellte Fragen

Der Ultraschall der Halsweichteile ist Goldstandard für die Erstuntersuchung der großen Kopfspeicheldrüsen. Bei Malignitätsverdacht oder tiefer Ausdehnung wird ein MRT mit Kontrastmittel empfohlen.
Bei Risikofaktoren wie T3/T4-Stadium, high-grade Tumoren, knappen/positiven Resektionsrändern (R+), Lymphknotenmetastasen (N+) oder Perineuralscheideninfiltration. Beim adenoidzystischen Karzinom ist sie immer indiziert.
Wenn präoperativ eine normale Funktion besteht und der Nerv intraoperativ nicht tumorinfiltriert erscheint, wird er erhalten. Bei Infiltration erfolgt die Resektion mit möglichst einzeitiger Nervenrekonstruktion.
In der palliativen Situation ist sie essenziell. Beispielsweise können NTRK-Fusionen (sekretorisches Karzinom) oder HER2/Androgenrezeptor-Überexpressionen (Speichelgangkarzinom) zielgerichtet therapiert werden.

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